Die Nerven liegen blank

Vor der «Arena» wollte No-Billag-Initiant Olivier Kessler die ganze Sendung auf den Kopf stellen.

Will das «No Billag»-Komitee doch Gebühren? «Arena»-Moderator Jonas Projer nimmt No-Billag-Initiant Olivier Kessler in die Mangel. (2. Januar 2018) Video: SRF/Tamedia

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Vor der dritten «Arena»-Sendung zu No Billag kam es am Freitagabend hinter den Kulissen zum Eklat. Moderator Jonas Projer erläuterte gerade den Sendeablauf, als Olivier Kessler, Initiant der Initiative, vor der versammelten Gästeschar zum Zweihänder griff. «Etwa zehn Minuten vor Aufzeichnungsbeginn fing er plötzlich an, das ganze Setting der Sendung zu kritisieren», sagt André Moesch, Präsident von Telesuisse, der als Vertreter der Privatsender geladen war. «Er bezeichnete Projer als Billag-Profiteur, der die Sendung deshalb nicht moderieren könne», sagt Moesch. «Dann verlangte Kessler, dass er das Interview mit Bundesrätin Doris Leuthard selber führen könne, da der Moderator zu wenig unabhängig sei.» Darauf sei Projer nicht eingegangen.

«Wer die Fragen stellt, lenkt die Diskussion»

Von einem «Knall» spricht FDP-Ständerat Joachim Eder, der als Ini­tiativgegner in der Sendung auftrat. «Die Stimmung war danach ziemlich gehässig.» Mehrere «Arena»-Gäste bestätigen diese Darstellung und sprechen von einem «krassen» Verhalten.

Kessler seinerseits spricht von einer «SRF-Skandal-‹Arena›». Dass der «Zwangsgebühren-Profiteur Projer» die «Zwangsgebühren-Befürworterin Leuthard» interviewt habe und dann ihn, Kessler, als Gebührengegner, sei «ein offensichtliches Missverhältnis, denn wer die Fragen stellt, lenkt die Diskussion». Doch nicht nur die Interview-Konstellation sei «unausgewogen» gewesen, schreibt Kessler auf seinem Blog, sondern die gesamte Sendung «einseitig moderiert».

Auf sozialen Medien bekommt Kessler Unterstützung

Das lässt Projer nicht auf sich sitzen. «Ich lasse mich für den Abstimmungskampf von Herrn Kessler nicht instrumentalisieren und kommentiere seinen Rundumschlag nicht», sagt Projer. «Die ‹Arena›-Redaktion wird immer wieder von Interessenvertretern unter Druck gesetzt und weiss damit umzugehen – auch bei massiven Versuchen direkt vor der Sendung. Wir bleiben unabhängig.»


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Nach Sendeschluss gingen die Wogen auf den sozialen Medien hoch. Zuschauer warfen Projer «skandalöse Moderation» und «unglaubliche Arroganz» vor. Er habe Kessler fast nie ausreden lassen.

«Beide Seiten hatten genau gleich viel Zeit»

Projer kontert: «Wir haben diese Sendung ausgewogen zusammengestellt, die wichtigsten Themen und Argumente von beiden Seiten gebracht und in den beiden Interviews mit Doris Leuthard und Kessler die jeweils heikelsten Fragen gestellt.» Auch die Redezeit sei ausgewogen gewesen. «Beide Seiten hatten genau gleich viel Zeit. Wir haben das gestoppt – und es ging bis zum Schluss der Sendung exakt auf.» Sein Ziel sei es, möglichst wenig zu unterbrechen, sagt Projer. «Aber wenn Fragen nicht beantwortet werden oder ein Wirrwarr um Begriffe wie Gebühren gemacht wird, ist es meine Pflicht als Moderator, zu intervenieren.»

Die Anspannung sei auf allen Seiten spürbar gewesen, sagt SVP-Nationalrat Gregor Rutz, der als Befürworter von No Billag auftrat. «Das Thema ist emotional hoch aufgeladen. So war es nicht einmal bei der EWR-Abstimmung.»

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Erstellt: 04.02.2018, 08:04 Uhr

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