Anreize schaffen statt Verbote einführen

Die Politik sollte Diesel nicht verbieten, aber Elektroautos fördern.

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Verbote sind selten eine kluge Massnahme, aber Nichtstun ist noch weniger ratsam. Auch bei den Dieselautos ist dies nicht anders. Seit Jahren werden in den Grossstädten die Schadstoff-Grenzwerte nicht eingehalten. Dabei geht es nicht nur, aber sehr stark um Stickoxide. Das sind Gase, die bei Dieselmotoren in grösserem Mass ausgestossen werden und die in höherer Konzentration giftig sind. Sie können Atemwege und Augen reizen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungenprobleme auslösen.

Trotzdem ist ein Fahrverbot für Diesel nicht ratsam. Denn dann könnten einerseits die Läden in Innenstädten nicht beliefert werden oder Handwerker nicht mehr zu Kunden kommen. Andererseits wird nur punktuell eine Verbesserung erreicht. Sonst müsste man die Diesel generell verbieten – mit dem Resultat, dass mehr Benzin verbraucht und durch den damit ver­bundenen CO2 die Klimaproblematik verschärft würde.

«Die Technik ist da, mit ein paar fiskalischen Anreizen wäre da viel zu machen.»

Wenn also die Situation nicht einem Notstand entspricht, wie in Peking oder in Städten der Dritten Welt, macht es durchaus Sinn, statt einer Notbremsung über klügere Massnahmen nachzudenken. Eine davon ist sicher, die alten Diesel nachzurüsten und umweltfreundlicher zu machen. Die Technik ist da, mit ein paar fiskalischen Anreizen wäre da viel zu machen. Auch über die Einführung einer sogenannten blauen Plakette, wie sie in Deutschland die Umwelt­verbände seit langem fordern, sollte man diskutieren. Damit wären Unterscheidungen möglich, welche Autos die neuesten Abgasvorschriften erfüllen und welche nicht. Dies wäre weit wirksamer als punktuelle Fahrverbote für Dieselautos in Stadtgebieten, die stark belastet sind.

Wichtiger ist für die Schweiz, dass wir versuchen sollten, Anreize zu setzen, die einen beschleunigten Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren fördern. Nicht nur bei den privaten Luxusautos, sondern auch bei Nutzfahrzeugen, den kleinen und den grossen. Hier besteht Handlungsbedarf, denn im Moment läuft die Entwicklung in die Gegenrichtung. Die zahllosen Kleintransporter, die uns die im Internet bestellten Kleider nach Hause bringen, fahren Diesel. Und viele Industriebetriebe – lange gute Bahnkunden mit Geleiseanschluss – stellen wegen moderner Fertigungstechniken wieder auf Lastwagen um.

Vor kurzem hat die Automobilindustrie Massnahmen gefordert, um den Anteil der Elektroautos auf 10 Prozent zu steigern. Am heute zu Ende gehenden Auto-Salon in Genf sind viele neue E-Mobile zu sehen. Jetzt ist es an der Politik, zu reagieren und ihnen mit einem klugen Mix aus Vergünstigungen und der Verteuerung von Dreckschleudern zum Durchbruch zu verhelfen.

Erstellt: 18.03.2018, 16:06 Uhr

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