Die Sache mit dem Sex

Was die Forschung über die Lust in langjährigen Beziehungen weiss.

Ende der Leidenschaft: Frauen vergeht die Lust schneller als Männern. Foto: Getty Images

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Sie taugen offenbar nicht sehr viel, all die Ratgeber in den Buchhandlungen, die ein prickelndes Sexleben auch nach jahrelanger Partnerschaft versprechen. Die zahlreichen Tricks und Tipps vermögen nichts daran zu ändern, dass landauf, landab geklagt wird über die angeblich unvermeidliche horizontale Flaute, erst recht, wenn Kinder da sind und die Beziehung dem Führen eines Logistikunternehmens gleicht.

Die Forschung beschäftigt sich deshalb seit Jahren mit dem Problem. Tipps und Tricks hat sie weniger auf Lager, vielmehr versucht sie zu verstehen, was das Schwinden der Leidenschaft beschleunigt und was dem entgegenwirken kann.

Das amerikanische Wissenschaftsmagazin «Journal of Sex» hat unlängst eine Studie veröffentlicht, die die Ergebnisse von 64 weltweiten Untersuchungen zum Thema zusammengefasst und analysiert. Zunächst einmal halten Kristen P. Mark und Julie A. Lasslo fest, dass das Knistern keineswegs zwangsläufig nachlassen müsse, und selbst wenn es das tue, sei das wiederum nicht zwangsläufig das Ende einer Beziehung.

Es liegt auch nicht an der Dauer der Partnerschaft, wenn sich die Lust verabschiedet. Sondern an den Begleiterscheinungen, die eine lange Partnerschaft oft mit sich bringt: Dazu gehören in erster Linie Unaufmerksamkeit und die Tendenz, das Gegenüber als so selbstverständlich wie die Topfpflanze in der Ecke zu betrachten. Beides setzt Frauen mehr zu als Männern und wirkt sich überaus negativ auf ihre Lust aus.

Grundsätzlich vergeht Frauen diese ohnehin schneller als Männern, und Grund dafür ist häufig, dass der Partner als nicht mehr attraktiv empfunden wird. Männer sind diesbezüglich mit ihrem Gegenüber grosszügiger. Frauen müssten sich nicht nur deshalb weniger wegen ihrer Figur grämen, sondern auch, weil sich das positiv auf die Erotik auswirken würde: Je mehr sie mit ihrem Körper hadern, desto weniger haben sie Lust auf Sex.

Zu viel Nähe ist einer der verlässlichsten Lustkiller

Und wenn wir schon bei den Unterschieden zwischen den Geschlechtern sind: Die weibliche Lust ist nicht kleiner als die männliche, da ist die Datenlage eindeutig. Aber: Je klischierter und traditioneller die Vorstellung davon, was «männliches» und was «weibliches» Verhalten sein soll, desto schneller versiegt die Leidenschaft. Wobei Männern die Idee, besonders «männlich» sein zu müssen, mehr zu schaffen macht als umgekehrt.

Was ebenfalls deutlich wurde: Je mehr auf Augenhöhe eine Beziehungen geführt wird, desto länger bleibt die Libido erhalten. Oder anders gesagt: In gleichberechtigten Partnerschaften findet man sich länger begehrenswert. Dazu passt, dass Autonomie ein entscheidender Faktor ist: Je selbstständiger und unabhängiger die Parteien in einer Beziehung sind, desto länger lodert die Leidenschaft. Was wiederum dazu passt, dass zu viel Nähe erwiesenermassen einer der verlässlichsten Lustkiller ist.

Genauso gefährlich: Monotonie und Routine. Mark und Lasslo halten sogar fest, diese beiden Faktoren führten fast immer zur «Desexualisierung». Ebenfalls kontraproduktiv: häufiges Streiten. Allerdings ist es noch verheerender, gar nicht zu streiten. Das Schweigen und das Unausgesprochene führen verlässlich dazu, dass im Bett Flaute herrscht.

Der trostlose Eindruck, den jene vielen Paare vermitteln, die sich in Restaurants stumm gegenübersitzen, täuscht also nicht: Da läuft mit ziemlicher Garantie tatsächlich gar nix mehr.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 29.05.2018, 17:13 Uhr

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