Die Schweizer Banken – ein Basar

Die Negativzinsen bei der Zürcher Kantonalbank haben auch eine positive Seite: Jetzt könnten auch Kleinkunden wie Millionäre verhandeln.

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Soundso viel Zins für das Jugendsparkonto, soundso viel Zins fürs Privatkonto. Was auf den Zinslisten der Banken steht, darauf kann man sich verlassen. Dachte man. Bis diese Woche die Zürcher ­Kantonalbank (ZKB) mit dieser alten Regel brach. Wer mehr als 100'000 Franken Bargeld auf einem oder mehreren Konten hat, muss mit einem Negativzins von 0,75 Prozent rechnen.

Doch eindeutig ist das nicht. Hat ein Kunde Hypotheken, ein Depot oder Fonds bei der Bank, sieht die Sache anders aus. Es kommt eben darauf an. Damit ­geschieht Ähnliches wie vor ein paar Jahren mit den Hypotheken. Auch dort wurden die Richtsätze mehr oder weniger abgeschafft. Es gilt: Wer gut verhandelt, bekommt einen besseren, sprich: tieferen Zins.

Dass Schaufensterpreise nicht mehr gelten, zeigt sich nicht nur bei den Banken, sondern fast überall: beim Shoppen, Reisen, Skifahren, Mobiltelefonieren. Daher vollziehen die Banken nur das, was anderswo schon gängig ist. Man kann sich darüber aufregen, dass damit die Transparenz weitestgehend flöten geht. Gerade im Fall der ZKB ist das besonders stossend, weil die Bank ein Staatsunternehmen ist und als solches auch davon profitiert (Staatsgarantie).

Das Phänomen der zunehmenden Basarisierung ist Fluch und Segen zugleich. Für Menschen, die es anstössig finden, immerzu nach dem günstigsten Preis nachzufragen, ist es schlecht. Sie zahlen drauf. Für unzimperliche Persönlichkeiten dagegen ist diese Entwicklung positiv. Gerade auch im Banking: Kleinkunden können sich im Prinzip aufführen wie Millionäre. Sie können genauso penetrant die besten Konditionen einfordern und um jeden Basispunkt (ein Hundertstel eines Prozents) feilschen. Das funktioniert selbstverständlich nur, wenn man konsequent ist und jederzeit bereit ist, die Bank zu wechseln.



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Erstellt: 07.12.2019, 22:43 Uhr

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