Einbruch-Karte: Hier schlagen Diebe häufig zu

Welche Gemeinden sind besonders stark betroffen? Neu verfügbare Daten zeigen gemeldete Fälle und verursachte Kosten.

Nach der Tat schnell weg: Einbrecher bevorzugen die Grenznähe. Foto: Keystone

Nach der Tat schnell weg: Einbrecher bevorzugen die Grenznähe. Foto: Keystone

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Kevin macht viel Krach, wenn er allein zu Hause ist. Beim «Staubsaugen», «Kochen» und «Duschen». Manchmal bellt er auch laut wie ein Hund. Damit schützt er vor Einbrechern. Kevin ist ein Lautsprecher, der mit Geräuschen und Lichteffekten Anwesenheit im Haus vortäuscht, wenn die Bewohner weg sind. Solche Geräte sind ein Erfolg, denn die Schweizer rüsten gegen Diebe auf.

Alarmanlagen und Zeitschaltuhren sind beim grössten Schweizer Online-Elektrohändler Digitec gefragt. Bei Überwachungskameras stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um 170 Prozent. Und auch 2019 hat die Sicherheit daheim oberste Priorität. «Wir haben bis Mitte März bereits 40 Prozent des gesamten Jahresumsatzes von 2018 im Geschäft mit Geräten zum Einbruchsschutz erreicht», sagt Sprecher Alex Hämmerli. Das Unternehmen erzielt in dem Segment Umsätze in Millionenhöhe.

Kriminelle schlagen in Städten und bei Autobahnausfahrten zu

Dabei variiert das Risiko, von Dieben heimgesucht zu werden, je nach Wohnort stark. Das zeigen die Daten des Versicherers Mobiliar, bei dem fast jeder dritte Schweizer seinen Hausrat versichert hat. «Besonders anfällig für Einbrüche sind Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte, vielen Einpersonenhaushalten und solche, die in der Nähe einer Grenze oder Autobahneinfahrt liegen», sagt Patric Deflorin, Leiter Versicherungen bei der Mobiliar. Um nach der Tat schnell verschwinden zu können, bevorzugen Diebe Häuser und Wohnungen nahe der Autobahn.

Die Versicherung hat Daten zu Einbrüchen bei ihren Kunden in einem Zeitraum von fünf Jahren nach Postleitzahl erfasst. Dabei wird ersichtlich, wie häufig eingebrochen wurde, wie hoch der durchschnittliche Schaden war und an welchen Tagen und Monaten die Diebe besonders oft unterwegs waren. Die Zahlen der Mobiliar, zeigen: Bei einigen Orten in Grenznähe ist das Gefahrenpotenzial massiv erhöht. So meldete in der kleinen Tessiner Gemeinde Astano während fünf Jahren fast jeder vierte bei der Mobiliar Versicherte einen Einbruch. Im Schweizer Durchschnitt sind es nur 3,4 Prozent. Auch in der Region um den Genfersee wird besonders viel aus Häusern und Wohnungen gestohlen.

In den Städten Zürich, Basel und Bern ist das Einbruchsrisiko gemäss den Zahlen der Mobiliar je nach Stadtteil doppelt so hoch wie im Schweizer Durchschnitt. In den urbanen Gebieten finden Diebe auf kleinem Raum mehr Möglichkeiten für Einbrüche, sagt Bruno Lüthi, Sicherheitsberater bei der Kantonspolizei Bern. Dabei kommen die Kriminellen öfter in Gruppen. «Die organisierte Banden­kriminalität aus dem Ausland ist ein Teil des Problems», sagt der Experte.

Hier geht es zur zoombaren Karte

Vorrichtungen wie Alarmanlagen und Zeitschaltuhren sind laut den Polizeibehörden ein sinnvoller Schutz vor Einbrechern. Während die Verkaufszahlen solcher Geräte in die Höhe schnellen, sinkt in der Schweiz die Zahl der Einbrüche schon seit Jahren. Laut der Kriminalstatistik des Bundes gab es 2013 schweizweit fast 60'000 Fälle von Einbruchsdiebstählen. 2018 waren es noch 30'400, was einem Rückgang von fast 50 Prozent entspricht. Die Diebe werden aber selten geschnappt. Laut dem Bundesamt für Statistik liegt die Aufklärungsquote bei Einbrüchen in Wohnungen und Häuser Privater bei unter 14 Prozent.

Der Trend bei den Delikten zeigt weiter nach unten. In den Zentralschweizer Kantonen gab es zwischen Oktober 2018 und Februar des laufenden Jahres 505 Einbrüche oder Einbruchsversuche. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch fast 750 Delikte. In den dunklen Wintermonaten haben Einbrecher Hochsaison.

Zur Prävention spannten die Zentralschweizer Polizeien die Bevölkerung ein. In einer Kampagne riefen sie dazu auf, Verdächtiges sofort zu melden. «Schon wenn ein Fahrzeug auffällig langsam durchs Quartier fährt oder sich unbekannte Personen in verdächtiger Weise im Quartier aufhalten, sollte man nicht zögern, den Notruf 117 zu wählen», sagt Frank Kleiner, Sprecher der Zuger Polizei.

Gutes Verhältnis zu den Nachbarn hilft gegen Diebe

Um Diebe möglichst fernzuhalten, helfen einfache Massnahmen: Fenster immer zu und nie gekippt lassen. Die Schweizerische Kriminalprävention empfiehlt auch, sich gut mit seinen Nachbarn zu stellen, damit diese «ein wachsames Auge haben». Und was bringen Alarmanlagen aus dem Internet? «Wir empfehlen, sich von einem Fachmann beraten zu lassen», sagt Kleiner von der Zuger Polizei.

Bei Digitec sieht man das anders. Laut dem Onlinehändler sind die neuen Geräte günstig und schnell selbst installiert. «Entsprechend boomt das Geschäft im Internet», sagt Sprecher Hämmerli. Dafür sorgen fast ausschliesslich männliche Kunden. Der Anteil von Käuferinnen liegt in dem Segment laut Digitec bei gerade mal 10 Prozent. Und warum wappnen sich die Schweizer im grossen Stil vor Einbrechern, obwohl es immer weniger Delikte gibt? «Die Aufklärungsrate bei Einbrüchen ist relativ tief. Vieles deutet darauf hin, dass Privatpersonen auch deshalb das Heft selbst in die Hand nehmen», sagt Hämmerli.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 23.03.2019, 23:08 Uhr

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