Schweizer Luxusuhren boomen – 2800 neue Stellen

Junge Chinesen tragen lieber eine Rolex oder eine TAG Heuer als eine Smartwatch. Nun haben die Uhrenmacher reagiert.

Die Uhrenindustrie braucht hoch qualifizierte Mitarbeiter, zum Beispiel Uhrmacher. Foto: Keystone

Die Uhrenindustrie braucht hoch qualifizierte Mitarbeiter, zum Beispiel Uhrmacher. Foto: Keystone

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Nächste Woche entscheidet sich, wie sich die drittgrösste Exportbranche der Schweiz in den kommenden Monaten behaupten wird: An der internationalen Uhren­messe in Basel werden namhafte Marken wie Rolex, TAG Heuer und Chopard Händlern und Konsumenten ihre neuesten Modelle vorstellen.

Das Augenmerk liegt dabei auf Abnehmern aus Hongkong, den USA und China. Es sind die wichtigsten Absatzmärkte der Schweizer Uhrenindustrie.

Immer mehr junge Käufer aus China leisten sich lieber mecha­nische Luxusuhren aus der Schweiz statt elektronischer Smartwatches. Das hat zu einem Comeback der analogen Armbanduhr geführt, das sich positiv im Geschäftsgang der Branche niederschlägt. Im vergangenen Jahr knackte die Uhrenindustrie mit ihren Exporten ­wieder die psychologisch wichtige Marke von 20 Milliarden Franken.

2800 neue Arbeitsplätze im vergangenen Jahr

Für die Arbeitnehmer sind das gute Neuigkeiten. Die Branche ­bereitet sich auf Wachstum vor. Im ver­gangenen Jahr schuf die ­Uhrenindustrie hierzulande 2800 neue Arbeitsplätze, wie die Convention Patronale, der Arbeitgeberverband der Schweizerischen Uhrenindustrie, auf Anfrage bekannt gibt. Gegenüber 2017 entspricht das einer Zunahme von über 5 Prozent. Zum Vergleich: In den Krisenjahren 2014 bis 2017 waren knapp 5000 Stellen verloren gegangen.

In der Convention Patronale sind 491 Unternehmen organisiert, die zusammen knapp 47'200 Mitarbeiter beschäftigen. Sie unterliegen einem Gesamtarbeitsvertrag. «Die Mehrheit der neuen Fest­anstellungen aus dem Jahr 2018 erfolgte in der Produktion», präzisiert Verbandssprecher Ludovic Voillat. Fürs laufende Jahr rechnet der Arbeitgeberverband erneut mit einer Zunahme bei der Zahl der neu geschaffenen Jobs, jedoch auf tieferem Niveau als 2018.

Es gebe zwar wirtschaftliche und weltpolitische Unsicherheiten, was zu einer gewissen Zurückhaltung führe. So hat sich das Wachstum bei den Ausfuhren von Zeitmessern im wichtigen Weihnachtsmonat Dezember sowie im Januar verlangsamt. Der Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union, die Gelbwesten-­Unruhen in Frankreich sowie der Handelsstreit zwischen den USA und China verunsichern die Konsumenten. Im Grundsatz seien die Manufakturen für 2019 aber zuversichtlich, sagt Voillat.

Im Falle eines Aufschwungs sieht sich die Branche gerüstet, um rasch auf genügend qualifizierte Berufsleute zurückgreifen zu ­können. Die Hersteller haben die Lehren aus den vergangenen Krisen gezogen. Sie haben versucht, in der schwierigen Zeit vor 2018 Entlassungen von hoch qualifizierten Mitarbeitern wenn immer möglich zu vermeiden.

Uhrmacherschulen arbeiten ausgleichend zur Konjunktur

Doch auch bei der Ausbildung ­setzen die Manufakturen an. In der Schweiz gibt es sechs Uhrmacherschulen. Diese Anstalten unterrichten den Nachwuchs und vermitteln das Wissen auch in den Lehrwerkstätten. Eine davon ist die Technische Fachschule in Biel. Deren Vorsteher Daniel Dietz sagt: «Wir bilden ausgleichend zur konjunkturellen Entwicklung aus.»

Will heissen: Die Vollzeitschulen nehmen jährlich eine konstante Zahl von neuen Berufsleuten auf, welche sich nach dem langfristigen Bedarf der Uhrenindustrie richtet. So soll vermieden werden, dass aus kurzfristigen Überlegungen heraus plötzlich zu viele oder zu wenige Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt drängen.

Während der Basler Uhren­messe zeigen sich die Schweizer Marken von ihrer besten Seite.

Für den Zeitraum 2016 bis 2021 sieht die Uhrenindustrie eine Nachfrage von rund 400 neuen qualifizierten Mitarbeitern pro Jahr. Ein Blick auf die aktuelle ­Statistik des Arbeitgeberverbands zu den Lehrstellen zeigt, dass diese Vorgabe im Schnitt bislang knapp eingehalten wird.

Während der Basler Uhren­messe zeigen sich die Schweizer Marken von ihrer besten Seite. Dank Medienberichten und sozialen Netzwerken vermitteln sie eine Welt von Präzision, Luxus und Glamour. Vielleicht bewegt das den einen oder anderen Jugend­lichen dazu, eine berufliche ­Laufbahn in der Uhrenindustrie einzuschlagen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 17.03.2019, 19:06 Uhr

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