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«Die sexuell selbstbestimmte Frau ist eine Fata Morgana»

«Das Tabu des 21. Jahrhunderts ist nicht der Sex, sondern Grenzen zu setzen»: Sandra Konrad. Foto: Paula Markert

Ihr Buch heisst «Das beherrschte Geschlecht» – ist es wirklich immer noch so schlimm?

Der Untertitel ist noch böser: «Warum sie will, was er will». Wie kommen Sie darauf?

«Die Bewertung ‹gut im Bett› ist wichtiger, als sich gut im Bett zu fühlen.»

Da werden Ihnen viele Frauen heftig widersprechen.

Junge Frauen würden sich aber zweifellos als frei bezeichnen. Wie erklären Sie diese Diskrepanz?

«Die grosse Mehrheit der jungen Frauen gab an, Blowjobs wie Hausaufgaben zu betrachten.»

Früher sollten Frauen prüde sein, heute sollen sie promisk sein, wenn auch nicht zu sehr. Sie unterwerfen sich damit erneut einem Diktat, es kommt nur anders verpackt daher?

Aber wir haben 2018! ­Bundeskanzlerin Merkel, Weltwährungsfonds-Chefin Christine Lagarde, mehr Mädchen als Buben, die die Matur machen!

In der #MeToo-Debatte fiel auf, dass vor allem junge Frauen schulterzuckend fanden: Ist doch normal, dass wir angefasst werden. Finden sie das deshalb ­«normal»?

Gegen den Präsidenten der Ocar-Academy, John Bailey, wurde eine Untersuchung eingeleitet.
Er war als Kameramann an Filmen wie «Groundhog Day» und «As Good as It Gets» beteiligt.
Auch er soll eine Frau sexuell belästigt haben – als sie 17 Jahre alt war: Dustin Hoffman hat wegen des Vorfalls um Entschuldigung gebeten. (Archivbild)
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Der zweite Grund?

Video: «Die #MeToo-Bewegung läuft Gefahr, alles zu vermengen»

Während #MeToo ein urfeministisches Anliegen vertritt, gilt Feministin – auch für viele Frauen – als Schimpfwort. Warum?

Heute gilt aber alles, was Frauen tun, als selbstbestimmter Akt: das Annehmen des Männernamens bei der Heirat, das Tragen des Kopftuchs, das Hausfrau-Sein oder sich sexuell zu unterwerfen. Man könnte einwenden, dass Sie es sind, die den Frauen die Selbstbestimmung absprechen.

Dafür machen Sie auch Pornos verantwortlich.

Je mehr Terrain Frauen erobern, desto gewalttätiger werden Pornos. Zufall?

Es wird aber auch nicht jeder gewalttätig, der Ego-Shooter-Spiele spielt.

Genauso hart wie mit der Pornoindustrie gehen Sie mit dem Sexgewerbe ins Gericht. Warum?

Als die Stadt Zürich ­Verrichtungsboxen zur Verfügung stellte, weil der Strassenstrich ausuferte, fanden es selbst Frauen in Ordnung, dafür mit Steuergeldern aufzukommen – weil es sich halt um das älteste ­Gewerbe der Welt handle. Auch da wieder: Sie will, was er will?

Kann es in einer gleichberechtigten Gesellschaft überhaupt Prostitution geben?

Ihr Buch ist nie bitter, die Bilanz ist es aber sehr wohl. Haben Sie Hoffnung?