Die UBS verhandelt über neue Partnerschaften

In China laufen Gespräche über eine digitale Vermögensverwaltung. Andere Sparten könnten folgen.

Die UBS ist besonders stark im Aktienhandel: Trading Floor der Grossbank in Opfikon ZH. Foto: Keystone

Die UBS ist besonders stark im Aktienhandel: Trading Floor der Grossbank in Opfikon ZH. Foto: Keystone

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Im September treffen sich die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat der UBS zu ihrer alljährlichen Strategietagung. Dass dies kein Routineevent wird, liegt schon daran, dass das Treffen in Hongkong stattfindet. Trotz Dauerprotesten wird das Meeting nicht verlegt. Die 2500 Mitarbeiter vor Ort sollen nicht das Gefühl bekommen, die Bankspitze lasse sie hängen.

Ein Routinetermin wird das Treffen auch deshalb nicht, weil es das letzte der Geschäftsleitung in alter Formation sein wird. Ab Oktober übernimmt Ex-Credit-Suisse-­Manager Iqbal Khan die Co-Leitung der Vermögensverwaltung.

Nicht nur auf der Personalseite tut sich etwas bei der UBS. Bankchef Sergio Ermotti hat auch für die Geschäftsentwicklung noch ein paar Pfeile im Köcher, um der Grossbank neuen Schwung zu geben. Einer davon ist, dass die UBS derzeit neue Partnerschaften verhandelt, die etwa die Form eines Gemeinschaftsunternehmens annehmen können.

Joint Venture in Japan als Blaupause

Konkret befindet sich die Grossbank schon seit einiger Zeit in China in Gesprächen über eine Kooperation. Die UBS will mit Qianhai Financial Holdings ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um eine digitale Vermögensverwaltung für Mittelklassekunden aufzuziehen, den sogenannten Affluent-Kunden. Qianhai ist eine Tochter der Lokalregierung von Chinas Silicon Valley. Ermotti hatte das Projekt bereits Anfang 2018 angekündigt. Laut Bankkreisen ist das Joint Venture weiterhin in Vorbereitung. Die UBS selbst will zum Stand der Dinge nichts sagen. Ein Problem besteht offenbar darin, eine Lizenz der Behörden für den neuen Anbieter zu bekommen.

Modell für die Kooperation ist das Gemeinschaftsunternehmen, das die UBS im Juni mit der japanischen Bank Sumitomo Mitsui Trust (Sumi Trust) aus der Taufe hob. Die UBS hält an dem Joint Venture mit 51 Prozent die Mehrheit. Das Konzept: Die UBS bringt ihre Produktpalette ein, Sumi Trust hat die Kundenverbindungen. Die UBS war zuvor 50 Jahre allein in Japan unterwegs, ohne jedoch den Durchbruch zu schaffen. Ermotti hofft, dass die Bank dank des Joint Venture das Volumen der verwalteten Vermögen in Japan «innerhalb von fünf Jahren ungefähr verdoppeln» kann, sagte er dem deutschen «Handelsblatt».

Im Abschiedsmail an seine Mitarbeiter schrieb der scheidende Co-Chef der Vermögensverwaltung, Martin Blessing, dass das Gemeinschaftsunternehmen mit den Japanern gar «eine Blaupause für die UBS werden wird». Verwaltungsratspräsident Axel Weber dagegen sagte am Samstag in der NZZ, dass Zukaufmöglichkeiten und Partnerschaften «nicht Kern unserer Strategie» seien.

Doch nicht nur Blessing ist in der Geschäftsleitung davon überzeugt, dass gezielte Kooperationen für die UBS noch einiges an Potenzial bereithalten. Und das gilt nicht nur für die Vermögensverwaltung. «Wir prüfen derzeit ­solche Möglichkeiten global», hatte CEO Sergio Ermotti gegenüber Investoren bei der Diskussion der Halbjahresresultate gesagt.

Auch im Investmentbanking ist eine Zusammenarbeit mit einer anderen Bank vorstellbar. Mehrere UBS-Manager bestätigen, dass die Deutsche Bank im Juni an die Schweizer Bank herangetreten ist, um eine Zusammenarbeit im ­Investmentbanking auszuloten. Das «Wall Street Journal» hatte darüber berichtet. Die UBS kommentiert das nicht.

In der Autoindustrie gibt es seit Jahren eine Vielzahl von Kooperationen. Banken reden seit langem davon, passieren tut wenigAndreas Venditti, Bankanalyst bei Vontobel

Auf dem Papier klingt die Idee bestechend: Die Deutsche Bank ist im Investmentbanking stark im Anleihengeschäft. Die UBS ist eine führende Bank im Aktienhandel. Jeder sollte dem Partner über eine Kooperation Kunden zuführen. Am Ende scheiterten die Gespräche an den konkreten Details, etwa, wer wie viel Kapital beisteuern muss, und an der rechtlichen Struktur, wie es von Bankmanagern heisst. «Der Umsatzpool im Investmentbanking ist rückläufig, und vor allem in Europa gibt es massive Überkapazitäten», analysiert ein hochrangiger UBS-Manager.

Die Logik, sich hier zu verbünden, wäre nach wie vor vorhanden, auch wenn die Details schwer zu verhandeln wären. Branchen­experten halten solche Ideen für sinnvoll und überfällig. «In der Autoindustrie gibt es seit Jahren eine Vielzahl von Kooperationen. Banken reden seit langem davon, passieren tut wenig», sagt Andreas Venditti, Bankanalyst bei Vontobel. Oft würden solche Gespräche an Machtfragen scheitern.

Das war laut Branchenkreisen auch der Fall, als die UBS im Frühjahr mit der Deutschen Bank über eine Zusammenarbeit im Asset Management sprach. In der Fondsbranche ist Grösse ein wichtiger Vorteil.

Die Grosswetterlage wird trüber

Die Deutsche Bank wollte aber nicht die Kontrolle über ihre Fondstochter DWS abgeben, denn die sorgt für stabile Einnahmen. Die UBS wollte sich auch nicht in der Rolle als Juniorpartner abspeisen lassen. Wenn aber jeder Partner stets die führende Rolle für sich in Anspruch nimmt, kann die Rechnung nicht aufgehen. Offiziell gibt die UBS zu dem Thema keinen Kommentar ab.

Die Grosswetterlage trübt sich derweil für die Banken weiter ein. Schon im Herbst wird mit einer Verschärfung der Negativzinsen durch die Europäische Zentralbank gerechnet. Die Schweizer Notenbank könnte folgen. «Die Banken kommen immer näher an ihre Schmerzgrenze», meint Experte Venditti. «Ich halte es für möglich, dass sich in Sachen Kooperationen unter Banken nun mehr tun wird.» Die UBS dürfte also nicht nur mit Personalien von sich reden machen.



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Erstellt: 31.08.2019, 19:51 Uhr

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