Die übertriebene Eile bei den Triebwerken

Fluggesellschaften sollten bei Problemen neuer Flugzeuge die Schuld nicht nur auf die Hersteller schieben.

Wenn An Flugzeugen Schäden entstehen, sind nicht einfach nur die Hersteller schuld. Ein Airbus A220 der Swiss. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

Wenn An Flugzeugen Schäden entstehen, sind nicht einfach nur die Hersteller schuld. Ein Airbus A220 der Swiss. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

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29 Flieger am Boden, 10'000 Passagiere im Stress, drei Notfälle in kurzer Zeit: Swiss hatte diese Woche mit vielen Negativschlagzeilen zu kämpfen. Doch die Airline hat richtig gehandelt, indem sie ein Notfallkomitee einberief und die drastische Massnahme ergriff, alle Flieger für mehrere Stunden am Boden zu halten und zu überprüfen. Tausende Passagiere mussten umgebucht und teils untergebracht werden. Das kostet Geld. Swiss sandte das Signal aus: Sicherheit ist uns wichtiger als Profit.

Kritischer muss angesichts der Vorfälle die Airlinebranche insgesamt beurteilt werden. Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu Problemen mit den Triebwerken moderner Jets. Das ist sicher auch ein Versagen der Triebwerkshersteller. Aber auch die Fluglinien tragen zum Problem bei. Sie verlangen von den Herstellern immer effizientere, leisere und emissionsärmere Motoren. In Zeiten des Klimawandels und der Lärmdiskussionen ist das grundsätzlich richtig.

Zugleich müssen die Flugzeuge aber immer mehr leisten, Hersteller sollen an die Grenze des Möglichen gehen: mehr Sitze, grössere Reichweite, mehr Komfort. Das mag aus unternehmerischer Sicht legitim sein. Doch die Airlines wollen die Superflieger lieber gestern als heute, schliesslich nimmt die Nachfrage nach Flugreisen zu. Und deshalb sind die Produzenten unter Druck, schnell Flieger zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Mitunter etwas gar schnell.

Auch Smartphones, Computer oder Autos kämpfen oft mit Kinderkrankheiten. Bei Flugzeugen sind die Auswirkungen aber schwerwiegender, wenn etwas nicht funktioniert. Als Airline nur auf die Hersteller zu schimpfen, ist daher scheinheilig. Konstruktiver ist es, mit ihnen zusammenzuarbeiten, weniger (Zeit-)Druck auszuüben, und auf diese Weise nachhaltige Lösungen für die auftretenden Probleme zu finden.



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Erstellt: 19.10.2019, 23:52 Uhr

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