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Die wunderbare Geschichte bringt uns ins Staunen

Die Pharmaindustrie taugt nicht zum Bösewicht, denn sie kann Unglaubliches leisten.

Es klingt wie ein Märchen. Der Patient schläft ein und erwacht am anderen Morgen geheilt. Der Tumor, den er seit 33 Jahren mit diversen Therapien bekämpft hat, der ihn über 1000-mal ins Spital zwang und ihn in Kürze umzubringen drohte, ist praktisch weg.

Die wunderbare Geschichte von Peter Rohr, die mein Kollege Nik Walter aufgeschrieben hat, macht Mut und bringt uns ins Staunen über den menschlichen Erfindungsgeist und den Fortschritt der Medizin in den letzten Jahrzehnten. Dank Innovationen bei verschreibungspflichtigen Medikamenten leben die Menschen bedeutend länger und besser, wie die Forschung von Frank Lichtenberg, Professor an der Columbia ­University, zeigt. Er hat berechnet, wie viele ­Lebensjahre durch die seit 1981 eingeführten Medikamente gewonnen werden konnten. Für 22 untersuchte Länder kam er auf fast 150 Millionen Lebensjahre. Pro ge­wonnenes Lebensjahr ­berechnete Lichtenberg durchschnittliche Arzneimittelausgaben von gut 2800 Dollar. Das ist ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass das Bundesgericht bei einer Therapie für ein gerettetes Lebensjahr Kosten von 100'000 Franken als angemessen beurteilt.

Die Entwicklung eines verschreibungspflich­tigen Medikaments benötigt bis zur Marktzu­lassung in den USA rund 2,6 Milliarden Dollar. Die Kosten verdoppeln sich alle zehn Jahre, vor allem wegen stärkerer Regulierung durch die ­Zulassungsbehörden. Für die Medikamenten­therapie, die das Wunder an Peter Rohr vollbracht hat, will der Basler Pharmakonzern ­Novartis rund 370'000 Franken. Wie viel darf ein Medikament kosten? Wie viel ist ein Leben wert?

Wenn es um das teure Gesundheitswesen geht, ist die Rolle des Bösewichts routinemässig für «Big Pharma» reserviert. «Gewinne wie im Drogenhandel» werden den grossen Pharma­firmen vorgeworfen. Oft von den gleichen ­Leuten, die für Alternativmedizin eintreten und über die Gewinnmargen von Homöopathie-­Produzenten hinwegsehen, die weder Forschung benötigen, noch in aufwendigen Studien die Wirksamkeit ihrer Mittel nachweisen müssen, aber Apothekenpreise verlangen.

In einem regulierten Markt muss die Preis­setzung für neue Medikamente von den ­ Behörden kritisch geprüft werden. Auch bei der Vermarktung von Lifestyle-Pillen oder wenig ­wirksamen Medikamenten steht die Branche zu Recht unter Beobachtung. Aber die Geschichte von Peter Rohr erinnert uns daran, was unsere Pharmaindustrie leisten kann – und dass sie nicht zum Bösewicht taugt.

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