Die Zeit der ausschweifenden Weihnachtsfeste ist vorbei

Während Glencore nach wie vor protzt, stehen Credit Suisse, UBS und Swisscom auf die Bremse – und fordern von den Mitarbeitern würdevolles Verhalten.

Statt Betriebsfete nur noch kleine Essen in den Teams: Anstossen zum Jahresende. Foto: Getty Images

Statt Betriebsfete nur noch kleine Essen in den Teams: Anstossen zum Jahresende. Foto: Getty Images

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Wenn es ums betriebliche Weihnachtsessen geht, zeigt sich Glencore grosszügig: Regelmässig liess der Rohstoffhändler aus Zug internationale Popstars einfliegen, die für die Mitarbeiter ein Konzert gaben.

Ob die schottische Gruppe Simple Minds, die R&B-Sängerin Mary J. Blige, der britische Musiker Sting oder zuletzt die norwegisch-schweizerische Künstlerin Debrah Scarlett – Glencore lässt sich gute Unterhaltung etwas kosten. Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» schätzte den Aufwand im vergangenen Jahr auf 1,5 Millionen Franken.

Wer an der diesjährigen Weihnachtsfeier von Glencore auftritt, wollte eine Firmensprecherin nicht verraten. Sie bestätigt nur, dass es erneut ein Fest gibt.

Glencore-Chef soll Feste aus eigener Tasche finanzieren

Auch wenn sich Glencore nach aussen diskret gibt, sind Details zur Weihnachtsfeier 2018 durchgesickert. Sie lassen die Dimensionen der Extravaganz erahnen: 900 Gäste sollen eingeladen worden sein. Serviert wurde ein Viergangmenü in 43 verschiedenen Kombinationen, um auf alle Vorlieben und Unverträglichkeiten Rücksicht zu nehmen.

Glencore-Chef Ivan Glasenberg soll die Feste jeweils aus der eigenen Tasche finanziert haben. Leisten kann er es sich. Als bedeutender Aktionär von Glencore ist er Multimilliardär.

Trotzdem ist der Rohstoffriese eine Ausnahme. Grosse Schweizer Unternehmen sind dazu übergegangen, ihre ausgefallenen Weihnachtsfeste bescheidener zu gestalten. Dem Vernehmen nach führt die Credit Suisse nur noch kleine Essen in den Teams durch, weil die Partys ausgeufert sind. Offiziell bestätigt die Grossbank das nicht, dementiert es aber auch nicht.

Eine Sprecherin sagt einzig, dass das Finanzinstitut auch heuer Anlässe zum Jahresabschluss abhalte. Diese können in Form von Weihnachtsessen oder anderen gemeinsamen Aktivitäten stattfinden. «Für die Organisation und Durchführung stehen die einzelnen Abteilungen in der Verantwortung, und dementsprechend werden auch die Kosten dezentral getragen», sagt die Sprecherin.

Swisscom verlangt «angemessenen Rahmen»

Um Alkoholexzesse oder anderes ungebührliches Verhalten zu vermeiden, nehmen Schweizer Konzerne ihre Mitarbeiter explizit in die Pflicht. Die Swisscom fordert von ihren Teams und Abteilungen Eigenverantwortung ein. Die Feiern müssten «in angemessenem Rahmen und unter Berücksichtigung der Budgetrichtlinien durchgeführt» werden, sagt eine Sprecherin.

Die 32'300 Mitarbeiter der SBB sind bei internen Festen an den Verhaltenskodex des Staatsbetriebs gebunden. Dieser verlangt einen respektvollen Umgang untereinander und toleriert weder sexuelle Belästigung noch Diskriminierung.

Bei der Credit Suisse müssen sich die Mitarbeiter ebenfalls an interne Vorgaben halten, wenn sie «arbeitsbezogene Veranstaltungen» wie Weihnachtsessen besuchen. Die Richtlinien schreiben bei Begegnungen Würde und gegenseitigen Respekt vor.

«Nüchterne Aufpasser» an der Feier des Wirtschaftsprüfers

Im Ausland haben renommierte Unternehmen bereits auf ausschweifende Weihnachtsfeiern reagiert. So hat beispielsweise die britische Ländergesellschaft des Wirtschaftsprüfers BDO verfügt, dass dieses Jahr pro Weihnachtsfeier des Unternehmens zwei «nüchterne Aufpasser» zu bestimmen seien. Diese sollen bei schlechtem Verhalten einschreiten und Mitarbeiterinnen schützen. Bei BDO Schweiz gibt es keine solche Regelung.

Schweizer Konzerne reagieren auf Nachfragen zum Thema Weihnachtsfeiern verschwiegen. Nur gerade zwei Firmen waren bereit, ihre Ausgaben transparent zu machen: die Post und die UBS. Der gelbe Riese budgetiert einen Betrag von 70 Franken pro Person. Da kommen bei 54'400 Mitarbeitern in der Schweiz total 3,8 Millionen Franken zusammen. Wie eine Postsprecherin sagt, ist diese Summe «seit längerem unverändert».

1666 Franken pro Kopf bei Glencore

Die UBS hat einen Höchstbetrag von 80 Franken pro Person festgelegt, der von der Grossbank übernommen wird. Bei knapp 21'700 Mitarbeitern in der Schweiz macht das eine Gesamtsumme von 1,7 Millionen Franken aus.

Dieser Betrag habe in den vergangenen Jahren «tendenziell abgenommen», sagt ein UBS-Sprecher. Die Planung gemeinsamer Essen oder Festivitäten am Jahresende bleibe den einzelnen Regionen und Teams überlassen, die sich selbst organisieren.

Zum Vergleich: Glencore hat für seine Weihnachtsfeier im vergangenen Jahr pro Kopf schätzungsweise 1666 Franken ausgegeben.

Der Detailhändler Coop hält lediglich fest, dass für jeden Mitarbeiter das gleiche Budget zur Verfügung stehe. Dieses sei seit vielen Jahren gleich geblieben. Die genaue Summe gibt das Unternehmen nicht bekannt, da es sich «um Interna handelt».



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Erstellt: 08.12.2019, 21:43 Uhr

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