Diesmal wollen sie bleiben

Ein halbes Jahrhundert nach den Apollo-Missionen plant die Nasa eine Rückkehr zum Mond. Bereits in acht Jahren soll eine bewohnbare Station um den ­Erdtrabanten kreisen.

Eugene Cernan, Kommandant der Apollo-17-Mission, ist der letzte Mensch, der auf dem Mond unterwegs war. Foto: Corbis/Getty Images

Eugene Cernan, Kommandant der Apollo-17-Mission, ist der letzte Mensch, der auf dem Mond unterwegs war. Foto: Corbis/Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gut 46 Jahre ist es her, seit der letzte Mensch den Mond verlassen hat: Am 14. Dezember 1972 stiegen Kommandant Eugene Cernan und der Geologe Harrison Schmitt in die Mondlandefähre der Apollo-17-Mission, um zur Erde zurückzukehren. Seither zeugen nur zurückgelassene Flaggen, Mondfahrzeuge und – unter anderem – zwei Golfbälle auf dem Mondboden von den Besuchen der Menschen.

Nach dem Willen der US-Raumfahrtbehörde Nasa soll sich das jedoch schleunigst ändern. So bald wie irgend möglich sollen wieder Astronauten auf dem Mond landen, sagte Nasa-Chef Jim Bridenstine vor wenigen Tagen, vielleicht schon 2028. Und nicht nur das: «Diesmal werden wir ­bleiben.»

Die Nasa entspricht damit dem Willen von US-Präsident Donald Trump, bemannte Missionen zum Mond und von dort weiter zum Mars zu schicken. Anders als beim Apollo-Programm der 1960er- und 1970er-Jahre soll die menschliche Präsenz diesmal dauerhafter sein. «Wir wollen es nachhaltig machen, sodass man regelmässig mit Menschen hin- und zurückgehen kann», sagte Bridenstine.

Video: Die Nasa plant eine neue Mondmission

In einer Videobotschaft kündigt die Nasa eine neue Mondmission an. Auch der Mars steht im Fokus der Weltraumbehörde. Video: Nasa

Dabei will sich die Nasa nicht nur auf ihre eigenen Experten verlassen. Schon im letzten ­November wurden private Firmen ausgewählt, die sich nun um Aufträge im Wert von rund 2,6 Milliarden Dollar bewerben. Die Aufgabe: kleine Landesonden zum Mond bringen, die dort Material absetzen. Bis 2024 will die Nasa selbst ein unbemanntes Fahrzeug auf den Mond bringen. Die Hoffnung ist, dass Konkurrenz zwischen privaten Anbietern die Preise niedrig hält und Innovation vorantreibt.

Der Gateway wäre auch Umsteigeort für Marsmissionen

Schon 2026 soll eine kleine Raumstation namens Lunar Orbital Platform-Gateway (LOP-G) in einer Mondumlaufbahn ihren Dienst aufnehmen. Sie könnte eine Art Nachfolgerin der Internationalen Raumstation (ISS) werden, deren Lebensdauer vermutlich in den 2020er-Jahren endet. Während die ISS jedoch auf ihrer Umlaufbahn nur 400 Kilometer über der Erde unterwegs ist, wäre die Entfernung zu einer Station im Mondorbit fast tausendmal so gross.

So erstaunlich das Projekt klingt: Die Pläne für diesen Gateway (Deutsch: Portal) sind schon recht weit fortgeschritten. Vorangetrieben werden sie von der Nasa, aber auch die kanadische, die japanische, die russische sowie die europäische Raumfahrtbehörde (Esa) erwägen Beteiligungen. Die Station soll nur ein Siebtel des Volumens der ISS haben und nicht dauerhaft bemannt sein. Maximal vier Astronauten sollen sich dort gleichzeitig für jeweils etwa einen bis drei Monate aufhalten können. Diverse eingebaute Experimente könnten automatisch Daten sammeln.

Von dieser Raumstation aus, so der Nasa-Plan, könnten künftige Mondmissionen operieren: teils mit ferngesteuerten Robotern, wobei auch der erdabgewandte Teil des Mondes zugänglich wäre, teils per bemanntem Landemodul.

Langfristig plant die Nasa, den Gateway als Zwischenstation zum Mars zu nutzen. Astronauten könnten dann mit dem neuen System von Trägerrakete und Raumschiff namens SLS/Orion, das Nasa und Esa derzeit entwickeln, zum Gateway gelangen und dort in eine Marsrakete umsteigen. Der Vorteil: Man müsste für die Marsreise nicht das gesamte Gewicht eines Marsraumschiffs aus dem Erdgravitationsfeld hieven.

Wer die Erde verstehen will, muss den Mond erforschen

Ob das alles so kommt, ist indes noch vollkommen offen. Ohnehin ist der Zeitplan sehr ehrgeizig. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein solches Grossprojekt um viele Jahre verzögert. Zudem könnten schon nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 viele der Pläne auf Eis gelegt oder zusammengestrichen werden.

Aber dass es irgendwann in den kommenden Jahrzehnten eine Art Aussenposten der Menschheit auf dem Mond geben wird, halten Experten für wahrscheinlich. Schliesslich arbeitet auch die Esa an Plänen für ein sogenanntes Monddorf auf der Oberfläche des Erdtrabanten, in dem Astronauten leben und arbeiten könnten. Es soll zur technischen und medizinischen Erprobung für längere Aufenthalte auf dem Mars dienen, aber auch zur Erforschung des Mondes selbst.

Vor allem Letzteres hält Urs Mall vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttin­gen (D) für immens wichtig. «Der Mond ist ein Archiv des Sonnensystems», sagt er. «Um dieses Archiv lesen und verstehen zu können, brauchen wir weitere Mondproben.» Weil es auf dem Mond keine Plattentektonik, kein Magnetfeld und keine abschirmende Atmosphäre gibt, werde jeder Asteroiden-Einschlag aufgezeichnet wie auf einem Tonbandgerät; das macht den Mond so spannend für die Wissenschaftler, welche die Geschichte der Erde und des Sonnensystems verstehen wollen.

«Letztlich ist es immer eine Frage des Geldes.»Urs Mall

Zudem sei der Mond viel mehr als nur ein dekoratives Anhängsel der Erde: «Ohne Mond kann man sich die Erde nicht vorstellen», sagt Mall. Tatsächlich hätte sie nicht einmal eine stabile Rotationsachse. Feste Jahreszeiten? Könnte man ohne den Mond vergessen.

Es bleibt allerdings die Frage, ob man im Namen der Forschung wirklich für viele Milliarden Euro den Mond kolonialisieren muss. Sicher könne man auch vieles mit Robotern erledigen, auch wenn es oft gut sei, Menschen dabeizuhaben, sagt Urs Mall: «Letztlich ist es immer eine Frage des Geldes.»

Wie und wann auch Menschen wieder auf den Mond landen werden: Es könnte dort so langsam eng werden. Diese Woche schickte die israelische Firma Space IL erstmals ein privates Roboter-Landemodul auf den Mond. Und auch China plant diverse weitere Missionen im Mondprogramm Chang’e. Langfristig sollen auch bemannte Fahrten dabei sein.

Erstellt: 23.02.2019, 18:06 Uhr

Artikel zum Thema

Die Nasa möchte wieder auf den Mond – und dort bleiben

Video In einem Video voller Pathos kündigt die Raumfahrtbehörde die nächsten Missionen an – und will schon bald bis zum Mars fliegen. Mehr...

Der neue Wettlauf zum Mond

Chinas Landung auf dem Erdtrabanten werden bald weitere Premieren folgen: Was von Nasa, SpaceX und China als Nächstes zu erwarten ist. Mehr...

Vogelfedern, Golfbälle: Was auf dem Mond schon alles herumliegt

Auf dem Erdtrabanten befindet sich einiges an Abfall. Eine Liste der Nasa enthält mitunter kuriose Gegenstände. Mehr...

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Winzig: Die Hand des Babyschimpansen Quebo (geboren am 6. Oktober 2019) im Zoo Basel. (13. November 2019)
(Bild: Georgios Kefalas) Mehr...