Auto fahren ohne Billett

Laut Bundesamt für Strassen braucht es bei selbstfahrenden Wagen keine Fahrprüfung mehr.

Google Car: Automatisiertes Fahren.

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Unter Hochdruck tüfteln Hersteller von Daimler bis Tesla an selbstfahrenden Autos. Testwagen, bei denen ein Computer das Steuer übernimmt, gibt es bereits. Sobald die Roboterautos aus den Fabrikhallen und über Strassen rollen, kann man sich die rund 3000 Franken für den Führerausweis sparen. Das kündigte Werner Jeger, Vizedirektor des Bundesamts für Strassen (Astra), an einer Tagung des Schweizerischen Fahrlehrerverbands an. Bei den voll automatisierten Autos werde das sichere Fahren «ausschliesslich durch die Technik gewährleistet», sagte der Astra-Vertreter. «Eine Führerprüfung ist nicht mehr erforderlich.»

Rasante Zunahme von automatisierten Autos Grafik vergrössern

Dass die rollenden Rechner keine Science-Fiction sind, zeigt eine Studie von Morgan Stanley und der Boston Consulting Group. Schon in acht Jahren, schreiben die Autoren, werde es in der Schweiz voll automatisierte Autos geben. Und fast die Hälfte der Fahr­zeuge, so die Prognose, wird mit Assistenzsystemen oder teilautomatisiert fahren.

Bei den vollautomatisierten Autos gibt es kein Lenkrad mehr, kein Bremspedal und auch sonst keine Bedienelemente, die auf die Fahrt einwirken können. «Folglich haben diese Fahrzeuge auch keinen Fahrer mehr, der einen Führerausweis braucht», sagt Astra-Sprecher Michael Müller. «Alle Menschen im Auto sind Passa­giere.» Die technologischen Umbrüche, wie sie jetzt anstehen, haben einschneidende Folgen für die 3500 Schweizer Fahrlehrer. «Mit voll automatisierten Autos wird es den Fahrlehrer, wie wir ihn heute kennen, nicht mehr brauchen», sagt Willi Wismer vom Zürcher Fahrlehrerverband. Schon heute gehe es im Unterricht zunehmend darum, den Neulenkern die Technik zu erklären, die im Auto stecke.

Berufsbild des Fahrlehrers überarbeiten

Der Schweizerische Fahrlehrerverband (SFV) hat bereits reagiert. «Wir werden noch in diesem Jahr das gesamte Berufsbild des Fahrlehrers überarbeiten», sagt Marc Matti, beim SFV zuständig für die Berufsbildung. «Dabei werden wir auch das automatisierte Fahren aufnehmen.»

Neu, so Matti, soll aus dem Fahrlehrer eine Art «Mobility Manager» werden, der vermehrt das Verkehrsverhalten schule. «Mit einem automatisierten Auto muss man nicht mehr am Berg anfahren oder seitlich parkieren können, das macht das Fahrzeug selber», sagt Matti. «Damit bleibt im Unterricht mehr Zeit für andere Fragen.» Und die soll genutzt werden, um Neulenkern einen bewussteren Umgang mit dem Auto beizubringen und sie zu animieren, auch mal eine Fahrgemeinschaft zu bilden.

Nicht nur für die Fahrlehrer ändert sich das Geschäft, auch die Versicherungen sind herausgefordert. «Viele Menschen fahren heute noch in Autos ohne Technik für das automatisierte Fahren. Sie unterschätzten deshalb, wie schnell sich diese Techniken entwickelt haben», sagt Sascha Türk von der Zurich Schweiz.

Einig sind sich die Experten, dass von Computern gelenkte Autos weniger Unfälle bauen. «Offen ist aber, ob dadurch auch die Schadenssumme sinkt», sagt Türk. «Früher war bei Zusammenstössen beim Parken vor allem die Karosserie beschädigt, künftig sind zu­sätz­­lich technische Geräte wie Sensoren oder Kameras betroffen.» Auch die Haftungsfrage sei noch zu klären.

Auf die rasante Entwicklung reagiert nun auch das Astra. Eine Arbeitsgruppe arbeitet daran, das Strassenverkehrsgesetz anzupassen, um die Bahn frei zu machen für die automatisierten Autos.

Unbemannte Testfahrzeuge sind derzeit bereits im Einsatz. In Sitten kutschieren selbstfahrende Postautos ihre Insassen durch die Strassen – gelenkt von einer Software. In diesem Sommer soll es auch in Freiburg einen Bus geben, der ohne menschliches Zutun fährt. «Start ist im August», sagt Stéphane Berney von den Freiburger Verkehrsbetrieben (TPF). «Es wird der erste selbstfahrende Bus in der Schweiz sein, der nach normalem Fahrplan verkehrt.» (SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.02.2017, 23:01 Uhr

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