Die letzte Liebe und das Recht auf grosse Gefühle

Ältere Menschen gehen gegen das Alleinsein in die Offensive.

Schmetterlinge im Bauch sind nicht vom Alter abhängig. Foto: Getty

Schmetterlinge im Bauch sind nicht vom Alter abhängig. Foto: Getty

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Liebe wird unterschätzt. Sie ist der beste Freund und der grösste Feind zugleich. Ihre ­Dramen und Höhenflüge, ihre Grossartigkeit und ihre Grausamkeit machen das Leben nicht immer schöner – aber intensiver.

Erst wenn die Liebe weg ist, wird klar, wie gross die Leere sein kann. Wie langweilig es ist, wenn da keiner ist, mit dem man trefflich streiten kann, wie einsam sich der Einzeleintritt ins Kino anfühlt.

«Senioren werden als erotisch neutral wahrgenommen»

Seniorinnen und Senioren wird das Recht ­auf grosse Gefühle oft ­abgesprochen. Sie ­sollten aus dem Alter der Schmetterlinge im Bauch und des quä­lenden Liebeskummers raus sein, glaubt die ­Öffentlichkeit. Sie werden als erotisch neutral wahrgenommen, Omas und Opas, die mit den Enkeln spazieren gehen und am Wochenende Streuselkuchen backen. Freundliche Greise, die sich damit abgefunden haben, dass die ­Hormone nicht mehr verrückt spielen und sich ihr Körper in der Abwicklung befindet, die Vernunft der Leidenschaft vorziehen.

Aber die Rentnerinnen und Rentner haben das Abenteuer Liebe nicht aufgegeben. Sie suchen ihr Glück, auch im Internet. «Liebeshungrig», sagt Reto Dürrenberger, der die Online-Plattform Date a Rentner betreibt, seien seine Kundinnen und Kunden. Das Internet bietet ihnen die Möglichkeit neuer, verheissungsvoller Begegnungen. Ständig steigt der Anteil jener, die gegen das Alleinsein in die Offensive gehen. Seniorinnen und ­Senioren haben die Gelegenheit, die Liebe noch ­einmal besonders konsequent zu erleben. Das Thema Familiengründung ist für sie ab­geschlossen, sie haben viel Freizeit und kein ­Berufsleben, das ihnen die Zeit und Energie raubt, sich um ihre Beziehung zu kümmern.

Die letzte Liebe mag nicht so unbeschwert sein wie die erste. Aber vielleicht genauso ­grandios.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 15.04.2017, 21:55 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Auch ein Rücken kann entzücken: Ein Elefant zeigt sich im Joburg Zoo in Johannesburg nicht gerade von der besten Seite (18. August 2017).
(Bild: Kim Ludbrook) Mehr...