Fifa: Offene Rechnungen in Brasilien

Der Weltfussballverband muss wegen der WM 2014 über 250 Millionen Dollar zurückstellen.

Millionengrab Fifa-Museum: Präsident Gianni Infantino bei der 
Eröffnung 2016 in Zürich. Foto: AFP

Millionengrab Fifa-Museum: Präsident Gianni Infantino bei der Eröffnung 2016 in Zürich. Foto: AFP

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Die Fifa hat in Brasilien noch eine zünftige Rechnung ­offen. Im Geschäftsbericht, der am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, weist der Fussballverband plötzlich Rückstellungen für Rechtshändel von 261 Millionen Dollar aus.

Wofür die Fifa diese Summe zahlen muss, will sie nicht ­sagen. Angeblich, weil das dem noch laufenden Verfahren schaden könnte. Laut Insidern geht es um Spätfolgen der Fussball-WM 2014 in Brasilien. Streitereien um Baukosten, Übertragungsrechte, Ticketvergaben und Korruptionsfälle sind noch immer bei Gericht hängig. ­Offenbar geht man bei der Fifa davon aus, dass man mit grosser Wahrscheinlichkeit zahlen muss. So steht es im Anhang des Geschäftsberichts.

Der wird neu von der Revisionsgesellschaft Pricewaterhouse­Coopers geprüft. Sie hat letztes Jahr die KPMG abgelöst, die nach Streitereien mit dem neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino entnervt das Handtuch warf.

Rückstellung gut versteckt

Den neuen Prüfern ist zu verdanken, dass die Rückstellung überhaupt bekannt wurde. Denn eigentlich wurde sie bereits 2015 verbucht, aber im Posten «Passive Rechnungsabgrenzungen» versteckt. Warum man diese Praxis nun geändert hat, kann die Fifa nicht erklären.

Keine Rückstellung hat die Fifa bisher für die schlagzeilenträch­tigen Rechtshändel mit den USA und mit der Schweizer Bundes­anwaltschaft gemacht. Genauso wenig für Forderungen im Zu­sammenhang mit den umstrit­tenen Zahlungen im Zusam­menhang mit der WM in Deutschland.

Rechtskosten von 62 Millionen Franken

Dies, obwohl allein das Verfahren in den USA die letztjährige Rechnung mit 50 Millionen Franken belastete. Total sollen es bis 2018 92 Millionen sein, die man für Anwälte ausgeben muss. Allein im letzten Jahr waren die Rechtskosten mit 62 Millionen Franken so hoch wie die gesamten Kosten für das Personal.

Ein Millionengrab ist auch das Fifa-Museum und das benachbarte Hotel Ascot in Zürich. «Beides aus heutiger Sicht unbedachte ­Investitionen ausserhalb des Kerngeschäfts der Fifa», wie es im ­Geschäftsbericht heisst.

Fifa-Museum mit 32 Millionen Dollar Verlust

Offenbar wurde geklotzt; schliessen kann die Fifa das Museum nicht. 189,3 Millionen Dollar sollen die «­Mieterinvestitionen» betragen haben, dazu kommen 39,9 Millionen Dollar für das ­Hotel Ascot. Mindestens die Investitionen ins Museum wären wohl bei einer Schliessung vollständig verloren.

Teuer wird es aber auch so. Letztes Jahr stand ein Personalaufwand von 22,7 Millionen plus ­Abschreibungen von 14 Millionen Einnahmen von gerade mal 4,7 Millionen Dollar gegenüber. Das ergibt einen Verlust von 32 Millionen Dollar. Dies, obwohl Projekte für 19 Millionen Dollar gestrichen wurden. Trotzdem wird es nicht billiger. Die Betriebskosten sollen sich bis 2018 auf 80 Millionen summieren. Offiziell deklariert als «Investitionen in Entwicklung und Ausbildung».

Düstere Aussichten für das Geschäftsjahr 2017

Insgesamt hat die Fifa im letzten Jahr einen rekordverdächtigen Verlust von 391 Millionen Dollar ausgewiesen. Dieses Jahr soll es noch schlimmer werden – es ist ein Verlust von 489 Millionen Dollar geplant. Neben den Rechtshändeln und dem Fifa-Museum explodieren die Zuwendungen für Entwicklungsprogramme. Ein ­Versprechen, das Infantino die Wahl ermöglichte, das sich aber die Fifa eigentlich nicht leisten kann. Allerdings konnten die Gelder zu einem grossen Teil nicht ausbezahlt werden, weil die Antikorruptionsricht­linien nicht eingehalten wurden.

Bei der Fifa verweist man auf die Milliardeneinnahmen, die bei der WM in Russland budgetiert sind. Ob diese jedoch kommen, muss sich erst noch weisen. Denn bereits wehrt sich das russische Staatsfernsehen gegen die geforderten 113 Millionen Euro, die die Fifa für die Übertragungsrechte verlangt. Kein Wunder, in ­Brasilien waren es noch 30 Millionen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.04.2017, 23:10 Uhr

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