Für Manager ohne Risiko braucht es keine Millionengehälter

Wenn der Staat in den Strommarkt eingreift, werden die CEOs zu Verwaltern. Ein Editorial von Arthur Rutishauser.

Das neue Konzept der Energiekommission dürfte vor allem die Eigentümer der Stromkonzerne begünstigen.

Das neue Konzept der Energiekommission dürfte vor allem die Eigentümer der Stromkonzerne begünstigen. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Egal, wie die heutige Abstimmung herauskommt, von freiem Markt im Stromsektor wird nicht viel bleiben. Ganz im Gegenteil, die ­Bevölkerung wird die Stromwirtschaft sanieren müssen, sei es nun unter dem Titel Energie­wende über Subventionen für Alternativenergie oder bei einem Nein über Subventionen für die traditionellen Energielieferanten, wie das Christoph Blocher zusammen mit Teilen ­seiner SVP fordert. Die Energiekommissionen des Parlaments zaubern nun ein Konzept aus dem Hut, das unter neuem Namen alles gleichzeitig bringen und vor allem die Eigen­tümer der Stromkonzerne begünstigen soll.

Was heisst das eigentlich, wenn man Versorgungssicherheit und Eigenversorgungsgrad ­garantieren will? Man zwingt die Konsumenten, teuren Strom von den Wasserkraftwerken zu beziehen. Das führt dazu, dass man die Wasserkraftwerke weiterbetreiben und neue Projekte realisieren kann, auch wenn das aus wirtschaftlichen Gründen kurzfristig nicht nötig und nicht rentabel wäre. Teuer für die Konsumenten würde das im Vergleich zu ­heute vor allem in den Eigentümerkantonen der Alpiq und der Axpo, also etwa in Zürich und im Aargau. In Bern, wo die Konsumenten schon heute gezwungen sind, den Strom der BKW zu beziehen, würde sich wohl nicht viel ändern.

«Die Investoren hätten einen garan­tierten Gewinn.»

Was sich aber ändern würde, wäre das unternehmerische Risiko. Die Manager der Stromkonzerne würden zu Verwaltern, und die Investoren hätten einen garantierten Gewinn. Darüber muss man reden, wenn man einen solchen Markteingriff durchführen will. Grösster privater Eigentümer bei Alpiq ist eine Investorengruppe um Martin Ebner. Sie stieg vor gut zwei Jahren mit 60 Millionen Franken ein und besitzt heute 3 Prozent der Aktien. Da kann man sich schon fragen, ob man ihr Engagement über Markteinschränkungen vergolden will. Der Rest der Aktien ist mehrheitlich in der Hand der ­Kantone, meist jener, deren Bürger künftig mehr zahlen müssen. Ein Teil der Aktien ist beim französischen Staat. Der wird sich bedanken.

Bedanken werden sich auch die Strom-­Manager, denn diese beziehen gut die Hälfte ihres Lohns als Bonus. Jasmin Staiblin, CEO der Alpiq, deren Präsident davon spricht, dass er die Stromproduktion wegen der hohen Kosten nicht aufrechterhalten kann, kassierte letztes Jahr 1,8 Millionen Franken. Andrew Walo von der Axpo, der es nicht viel besser geht, 1,2 Millionen. Suzanne Thoma, CEO der BKW, der es besser geht, weil man in Bern mehr für den Strom ­zahlen muss, 1,3 Millionen. Faktor drei bis vier im Vergleich mit einem Bundesrat. Wie man das für die Verwalter des staatlichen Strommarkts ­rechtfertigen will, darauf warte ich gespannt.

Erstellt: 20.05.2017, 23:53 Uhr

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