Swiss will Passagiere für Essen zur Kasse bitten

Bald kein Gratis-Sandwich mehr? Eine Arbeitsgruppe überprüft das Catering auf Europastrecken ab dem Flughafen Genf.

Künftig vielleicht nicht mehr gratis: Sandwich und Getränke auf Europaflügen ab Genf. Foto: Keystone

Künftig vielleicht nicht mehr gratis: Sandwich und Getränke auf Europaflügen ab Genf. Foto: Keystone

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Der Standort Genf ist das Versuchslabor der Swiss. Hier führte sie Handgepäck- und One-Way-Tarife für die Europastrecken ein – Konzepte, die später auf die ganze Airline ausgeweitet wurden. Nun steht die Swiss in Genf vor dem nächsten Experiment: Sie stellt die kostenlose Bordverpflegung in der Economy-Klasse auf den Prüfstand, wie es aus gut informierten Kreisen heisst.

Eine Arbeitsgruppe entwickelt Varianten. Sie reichen von der Abgabe einer einfachen Brezel mit Wasser für alle Economy-Passagiere bis hin zur kompletten Abschaffung der Gratisgetränke und -snacks. Für eine umfangreiche Verpflegung müssten die Passagiere zahlen. Bislang ist die Bandbreite der kostenlosen Bewirtung auf Europastrecken gross: Je nach Flugdauer und Tageszeit werden ­Schöggeli, Brezeln, Gipfeli, Sandwiches oder Quiches serviert. Die Swiss will sich nicht in die Karten schauen lassen. «Wir arbeiten aktuell an verschiedenen Konzepten, um das Reiseerlebnis unserer Fluggäste ab Genf weiter zu verbessern», sagt eine Sprecherin. Deren Einführung sei ab Herbst geplant.

Passagiere sind weniger Service gewohnt

Mit der Abschaffung der Gratis-Verpflegung würde die Swiss ihr Produkt weiter dem der Konkurrenz vor Ort angleichen – der Billig-Airline Easyjet. Diese dominiert mit einem Marktanteil von über 40 Prozent. Passagiere aus Genf sind also weniger Service gewohnt, das Risiko eines Fehlschlags ist geringer.

Zudem muss die Swiss in Genf kräftig sparen. Der Standort schrieb bislang nur Verluste, laut Medienberichten zuletzt rund 30 Millionen Franken im Jahr. Swiss-Chef Thomas Klühr will bis Ende 2018 eine schwarze Null erreichen, die Mutter Lufthansa macht Druck. Wird Swiss nicht profitabel, könnte der Standort an die Lufthansa-Billig-Airline Eurowings fallen. Mit Hochdruck wird nach Sparpotenzial und Zusatzeinnahmen gesucht. So soll die Swiss auch mit dem Flughafen in Genf zusätzliche Dienstleistungen entwickeln, die sie Passagieren kostenpflichtig anbieten kann – wie etwa ein schnelleres Passieren der Sicherheitskontrolle.

Diskussion um Lohnsenkungen

Auch bei den Personalkosten macht Swiss Druck. Dem Vernehmen nach fordert das Management mit Hinweis auf die prekäre Lage in Genf einen Beitrag von den Swiss-Piloten. Sie verhandeln ­derzeit über einen Gesamtarbeitsvertrag. Weder die Swiss noch der Pilotenverband Aeropers wollen sich konkret zu den Verhandlungen äussern. «Aber Genf ist ein Thema», bestätigt Aeropers-Sprecher Thomas Steffen.

Die Swiss befindet sich in Genf in einem Dilemma. Zwar gab es laut Chef Klühr jüngst Verbesserungen beim Ergebnis. Doch Easyjet baut seinen Vorsprung aus. Letzte Woche stationierte sie ihren 14. Flieger in Genf. Easyjet-Schweiz-Chef Thomas Haagensen erwartet diesen Sommer ein Passagierwachstum von 10 Prozent. «Und es gibt noch mehr Potenzial, wir schauen uns zahlreiche zusätzliche Destinationen an, die entweder für Ferien- oder Geschäftsreisende interessant sein könnten», sagt er.

Während Easyjet konsequent die Tiefpreisstrategie fährt, versucht die Swiss erfolglos den Spagat zwischen Premium-Anbieter und Billig-Airline. Die Abschaffung der kostenlosen Bordverpflegung könnte die finanzielle Lage etwas entspannen. Zumal der Schritt kein Tabu mehr ist: Mehrere etablierte Fluglinien haben ihn jüngst gewagt, darunter British Airways.

Die Swiss hatte 2003 schon einmal einen solchen Versuch gestartet, war dann aber zurückgekrebst. Ob das Konzept irgendwann über die ganze Airline hinweg eingeführt werden könnte, ist offen. «Eine Ausweitung ist durchaus möglich», sagt ein Swiss-Insider. Bei der Mutter Lufthansa wird noch abgewiegelt. Zahlen für das Essen sei bei Lufthansa derzeit grundsätzlich kein Thema, sagt ein Sprecher. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 06.05.2017, 23:08 Uhr

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