Ein Wimbledon-Final für die Ewigkeit

Federer gegen Djokovic: Wimbledon erlebt heute das wichtigste Spiel seit Jahren.

Gewinnt Novak Djokovic seinen 16. Grand-Slam-Titel oder Roger Federer seinen 21.? Fotos: Getty/Reuters

Gewinnt Novak Djokovic seinen 16. Grand-Slam-Titel oder Roger Federer seinen 21.? Fotos: Getty/Reuters

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Die Tenniswelt dreht sich in diesen Jahren schneller denn je. Die Konstellation ist einmalig: Das Dreigestirn Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic dominiert mit eisernem Griff die Szene, schreibt die Rekordbücher immer weiter um und lässt der Konkurrenz nur Krümel.

Mit dem Wimbledonfinal 2019 zwischen Federer und Djokovic kommt es heute (15 Uhr) dabei zur wohl bedeutendsten Partie seit Jahren, zu einem Spiel für die Ewigkeit. Federer, der alters­lose Angriffsvirtuose, hat sich 25 Tage vor seinem 38. Geburtstag noch einmal die Chance erspielt, Wimbledonsieger zu werden, zum neunten Mal, nachdem er schon vor zwei Jahren Rekordchampion und ältester Sieger der Profi-Ära ­geworden ist.

Er würde damit die Tennisgeschichte wohl nachhaltig prägen. Denn mit seinem 21. Majortitel könnte er diesen Rekord in eine Höhe schrauben, die auch für seine beiden Erzrivalen nur noch schwer zu erreichen wäre.

Halbfinalniederlage einherber Dämpfer für Nadal

Nadal, den kraftstrotzenden Linkshänder aus Mallorca, hat er mit seiner Parforceleistung und dem Viersatzsieg im Halbfinal bereits zurückgebunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der 33-Jährige seine momentan 18 Pokale umfassende Grand-Slam-Kollektion abseits seines Pariser Sandreichs noch erweitern kann, sinkt mit jedem Wimbledon, US Open oder Australian Open, das er geschlagen oder ­verletzt verlässt. Und das ist inzwischen zur Regel geworden, mit der Ausnahme von ­Flushing Meadows 2017.

Sollte Federer heute im All England Club erneut triumphieren, 16 Jahre nach seinem ersten Coup, müsste der Spanier aufgrund dieser Situation wohl noch dreimal das French Open gewinnen, um nur schon zu ihm aufzuschliessen. Das ist möglich, scheint aber unwahrscheinlich.

Gleichzeitig würde Federer seinen Vorsprung gegenüber Djokovic, dieser fast undurchdringlichen serbischen Tenniswand, auf sechs Pokale vergrössern. Der vierfache Wimbledonsieger, Titelverteidiger und Weltranglistenerste spielt nach seiner verletzungsbedingten Krise von Anfang 2018 wieder auf einem derart hohen Niveau, dass er von den meisten Experten heute leicht favorisiert wird. Er ist mit 32 Jahren der Jüngste des Triumvirats, welches das Tennis mit wenigen Ausnahmen seit nun schon 15 Jahren dominiert. Die Zeit scheint auf seiner Seite zu sein.

Das Spiel des asketischen Seriensiegers ist seit Jahren optimal austariert, was der langjährigen Nummer 3 erlaubt hat, fast aus dem Nichts die Verfolgung Nadals und Federers aufzunehmen. Seit 2013 gewann er zehn Majortitel – drei mehr als Nadal und sieben mehr als Federer, den er in dieser Phase auch zweimal im Wimbledonfinal und einmal im US-Open-Endspiel bezwang.

Sechs Pokale mehr als Djokovic – oder nur noch vier?

Dem zweifachen Familienvater ist zuzutrauen, dass er noch einen «Nole Slam» schafft und alle vier Pokale hintereinander erobert – oder zumindest drei, was ihm auch schon zweimal gelungen ist. Heute Abend wird der Schweizer Rekordmann entweder sechs Grand-Slam-Trophäen mehr haben als der Serbe oder vier – ein gewaltiger Unterschied. Bei vier könnte sein Vorsprung dahinschmelzen wie Schnee in der Sonne. Roger Federer, dieser zeitlose Zauberer in kurzen Hosen, hat es in den Händen, auch seinen zweiten grossen Rivalen zurückzubinden und sich selber weiter in Sphären zu hieven, die noch vor kurzem unerreichbar schienen. Der Rekord an Majortiteln stand jahrelang bei 12 (Roy Emerson), dann bei 14 (Pete Sampras).

Federer ist sich dieser Zahlen und Rekorde bewusst, sie interessieren ihn aber nicht mehr, wenn der Schiedsrichter einmal «Ready? Play!» gesagt hat. Dann spielt er, nur des Spiels wegen, der Rest kommt von allein. Mit diesem Rezept ist er ziemlich gut gefahren.

So schnell sich die Tenniswelt auch dreht, heute Nachmittag wird sie in Wimbledon für eine Weile stillstehen.



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Erstellt: 13.07.2019, 22:49 Uhr

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