Ein Skigebiet für König Thomas

Glückspilz Thomas Frei darf 999 Personen zum Skifahren in die Fideriser Heuberge einladen

Thomas Frei, 41, ist für einen Tag Herrscher über 15 Kilometer Skipisten und 12 Kilometer Schlittelwege. Foto: Urs Jaudas

Thomas Frei, 41, ist für einen Tag Herrscher über 15 Kilometer Skipisten und 12 Kilometer Schlittelwege. Foto: Urs Jaudas

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Noch nie in seinem 41-jährigen Leben hatte Thomas Frei an einem Wettbewerb teilgenommen, weder ein Glückslos gekauft noch Lotto gespielt. Gut, an einem Jassturnier hatte er mal einen grossen Salami gewonnen, er lacht, «ausgerechnet ich als Vegetarier». Aber das Schicksal hatte er noch nie ­herausgefordert – bis er von seiner Schwester Ende Jahres dazu aufgefordert wurde, an einem Wettbewerb des Skigebietes Fideriser Heuberge mitzumachen. «Wäre doch super, wenn wir einen ganzen Berg für uns gewinnen würden», hatte sie gesagt.

Und so füllte Thomas Frei online seinen ersten Wettbewerb aus – und räumte unter 11 000 Mitstreitern gleich den Hauptpreis ab: ein ganzes Skigebiet, 24 Stunden lang, exklusiv für sich und seine Freunde. 222 Personen dürfen als seine Gäste in den Heubergen übernachten. Am nächsten Tag dürfen weitere 777 Personen gratis auf die Piste. Die frohe Kunde erreichte den Familienvater und Marketingleiter in der Silvesternacht. Heute Sonntag tritt der ­erste «König der Heuberge» seine ­Regentschaft an.

Anbügeln gehört auf den Heubergen zum Service

Dazwischen lag einiges an Arbeit. Wie bringt man 999 Leute nach Fideris? Wo überhaupt liegen diese Heuberge? Heute weiss der Zürcher, das Skigebiet liegt im Prättigau, im Bündnerland, auf 2000 Metern über Meer. «Grüazi am Berg!» – ein überschaubares Gebiet erwartet den Tross, klein und persönlich. 15 Kilometer Skipiste, 12 Kilometer Schlittelweg, drei Gasthäuser, zwei Restaurants, zwei Bars. Man ist stolz auf die drei altmodischen, vom Aussterben bedrohten Bügellifte, «Anbügeln durch den Bügelmann gehört selbstverständlich zum Service», sagt Henrik Vetsch. Er leitet zusammen mit Lebenspartnerin Sara Wiesendanger (sie hatte die Idee für die Werbeaktion) die Geschäfte, der Vater ist VR-Präsident und amtet auch als Parkplatzanweiser.

999 Freunde also durfte Thomas Frei ins Prättigau einladen. Ganz schön viel. Er lacht. Wirklich gute Freunde, die er seit ewig kenne, die in der Not für ihn da wären, könne er an einer Hand abzählen. Aber ganz viele Leute wollten in den vergangenen Tagen zu seinem Freundeskreis zählen: «Darf ich dein Freund sein?», habe manch einer auf Facebook gefragt. Was ihn besonders freut: Dank dem Wettbewerbsgewinn habe er wieder einen Draht zu alten Bekannten gefunden, die er aus den Augen verloren hatte, ehemalige FC-Kollegen zum Beispiel. Er hat sie oder sie haben ihn kontaktiert.

120 Leute hat er nun über Nacht eingeladen, sodass jeder Gast in einem Zimmer mit einem richtigen Bett nächtigen kann. Das Skigebiet verfügt nämlich bloss über 290 Schlafplätze – viele davon im Massenschlag, auf einer Pritsche mit Schlafsack. Natürlich habe er auch seine Schwester, die treibende Kraft, und den Bruder in die Verantwortung genommen. Zusammen haben sie gemeinsame Freunde, Bekannte, Cousins und Tanten mobilisiert.

«Ein Fondueplausch mit 120 Menschen, die mir alle etwas ­bedeuten», «mega-cool» findet Thomas Frei das heutige Abendprogramm. Und dann Schlitteln oder Nachtskifahren – vielleicht mit einem, zwei Gläschen Bündner Röteli.

Die Vergabe der 777 «royalen Skipässe» hat ihn allerdings etwas überfordert. Wer kennt schon 777 Leute, die an einem Montag Zeit für einen Ausflug in die Berge haben? Gut möglich, dass morgen überproportional viele Coiffeusen die Heuberge runtersausen werden. Thomas Frei hat die Gratis-Tageskarten nicht nur betriebsintern, sondern auch in Friseursalons ausgeschrieben. Die Caritas Graubünden hat er ebenfalls kontaktiert. Und spontan wie er ist, ergreift Frei auch diese Gelegenheit: «Leser der SonntagsZeitung können sich gerne unter info@heuberge.ch melden, Code: King Thomas.»

In Fideris ist man zuversichtlich, dass man König Thomas einen prachtvollen Aufenthalt bieten wird. Das Familienzimmer im Berghaus Arflina musste allerdings erst königlich hergerichtet werden, damit es zur angekündigten Royal Suite wurde. «Die Fideriser Heuberge samt den 50 Bediensteten und dem Fuhrpark stehen König Thomas und seinem Hofstaat zur Verfügung», meldet Geschäfts­führer Vetsch, der erste Diener.

Zu Hause hat die fünfjährige Prinzessin Eleni das Sagen

König Thomas soll regieren, über Menschen und Lifte herrschen! «Oje», sagt Frei, «die Rolle liegt mir nicht.» Er erhebe keine Machtansprüche, «bei uns zu Hause herrscht die Tochter», Eleni, fünf Jahre alt, habe das Sagen. Welche Verpflichtungen erwarten König Thomas? Am Montag müsse er lokalen Zeitungen oder Fernsehstationen eine Audienz gewähren. Für das Skigebiet mache er das gern. Er, der Marketingprofi, findet die Werbeaktion jedenfalls sehr originell, «man redet darüber». Und wisse nun, wo die Fideriser Heuberge liegen.

Sohn Enea, 8, und Tochter ­Eleni finden es «mega cool», dass der Papi jetzt berühmt ist. Als Prinz und Prinzessin würden sie liebend gern im Fernsehen kommen. Die Ehefrau hingegen habe mit «nobler Zurückhaltung» reagiert, die Königin steht nicht gern im Rampenlicht. Noch werde zu Hause heftig diskutiert, ob die Kinder «gezeigt werden sollen». Wenn, dann nur mit Skibrille und dick eingepackt – typisch Royal Family halt.

Und wie zelebrieren seine Exzellenz sich auf der Piste? «Am liebsten in der Hocke», sagt der begeisterte, laut eigener Aussage «nicht besonders gute» Skifahrer. Man passe sich mit dem Alter zwar an, «aber ja, ich mag es schnell». Und bei jedem Hudelwetter. Das wird die gewitzten Fideriser beruhigen, denn Kaiserwetter können selbst sie nicht organisieren.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 13.01.2019, 07:11 Uhr

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