Ein teureres GA ist kein Skandal, sondern eine Notwendigkeit

Die geplante Erhöhung des Preises von Generalabonnementen ist angebracht, eine flexiblere Abo-Struktur aber wünschenswert.

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Der Aufschrei über die Pläne, den Preis des GA von 3860 auf 4250 Franken zu erhöhen, war riesig. Dass er trotzdem nicht berechtigt ist, zeigt dieses Rechenbeispiel. Wer heute seinen Arbeitsweg von Bern nach Zürich im Zug zurücklegt, würde für Einzelbillette rund 11'000 Franken zahlen. Mit dem GA von 3860 Franken hat er die Kosten schon im April herausgefahren und erhält von den SBB einen Rabatt von gut 65 Prozent.

Einige Hundert Franken mehr sind nicht ungerecht, sondern angebracht. Service-public-Unternehmen, die zu einem grossen Teil von der Allgemeinheit bezahlt werden, können es sich nicht leisten, einzelne Kundengruppen derart krass zu privilegieren.

Auch ökologisch ist ein teureres GA eher ein Muss als ein Problem. Mobilität und vor allem Langstrecken-Pendeln muss teurer werden, auch auf der Schiene. Eine derart subventionierte Berufsmobilität fördert den Trend zu immer längeren Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort. Die Zersiedelung wird vorangetrieben statt gebremst. Gleichzeitig gäbe es für sehr viele GA-Nutzer preislich gesehen noch lange keinen Anlass, aufs Auto umzusteigen. Der Bern-Zürich-Pendler bezahlt gemäss TCS-Berechnungsgrundlagen rund 30'000 Franken, wenn er mit dem Auto fährt. Da liegen gleich mehrere ­Generalabonnemente drin.

Und trotzdem kann eine platte Erhöhung des GA nicht der Weg sein, die ÖV-Preise gerechter und gleichzeitig ökologisch zu gestalten. Es braucht eine flexiblere ­GA-Struktur, nämlich Abonnemente, die zu unterschiedlichen Preisen unterschiedliche Leistungen bieten. Nur so können die Bahnen für unterschiedliche Kundengruppen die richtigen Anreize bieten und trotzdem einigermassen gerecht bleiben. Solche Ideen gibt es schon lange. Warum den Bahnbetreibern jetzt wieder nur eine platte Preiserhöhung einfällt, bleibt ein Rätsel.



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Erstellt: 11.05.2019, 22:27 Uhr

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