Elefanten furzen, Vögel nicht

Es gibt unzählige Tierarten, die Gase ablassen. Manch eine nutzt den Darmwind sehr kreativ.

Elefantenfürze stinken fürchterlich: Die Dickhäuter verdauen Unmengen von gasbildender pflanzlicher Kost. Foto: Getty Images

Elefantenfürze stinken fürchterlich: Die Dickhäuter verdauen Unmengen von gasbildender pflanzlicher Kost. Foto: Getty Images

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Können Schlangen eigentlich furzen? Mit dieser Frage begannen die Nachforschungen von Nick Caruso vom Virginia Polytechnic Institute in Blacksburg und Dani Rabaiotti vom University College in London. Die Biologen wandten sich an einen Schlangenforscher, der seufzte und sagte: «Ja.»

Als sie die Frage über Twitter anderen Wissenschaftlern und Tierfreunden stellten, war klar: Offenbar besteht generell ein reges Interesse daran, ob diese oder jene Tierart Verdauungsgase absondert oder nicht (#DoesItFart). Aus den zahlreichen Antworten ist ein kurzweiliges und lehrreiches kleines Buch* entstanden.

Wer findet, dass Fürze nicht gerade ein appetitliches Thema für die Lektüre am Frühstückstisch sind, hat natürlich recht. Dabei dient jedoch im Tierreich das Luftablassen über den Darmausgang nicht immer nur dazu, um gasförmige Nebenprodukte der Verdauung loszuwerden. Klar, pupst manch eine Schlange auch einfach nur so. Aber es gibt ebenso Arten, die einige Fertigkeiten erlangt haben, um die anale Luft noch anders einzusetzen. Die hübsch geringelte Arizona-Korallen­schlange beispielsweise schlägt mit ihren Fürzen Feinde in die Flucht – und zwar durch einen echten Knall­effekt. Fühlt sie sich bedroht, saugt sie Luft in die Kloake, also den Ausgang für Kot, Urin und Eier. Das Reptil kann sodann einen Knall fahren lassen, der bis zu zwei Meter weit zu hören sein soll. Und ja, er soll auch stinken. Offenbar ist die Schlange nicht darauf erpicht, ihr Gift einzusetzen, das sie nämlich auch noch zur Verteidigung nutzen könnte.

Heringe kommunizieren über Luft aus dem Anus

Eine andere Art, die Hakennasenschlange Gyalopion canum, die in den USA und Mexiko vorkommt, setzt ebenfalls Kloakenfürze ein. Allerdings schleudert sie dabei ihren Feinden auch gleich den kompletten Darminhalt entgegen.

Friedfertiger erscheinen da die Heringe. Einige der 200 Arten dieser Schwarmfische hätten es in der «Kunst des Pupsens zu grosser Könnerschaft gebracht», schreiben Caruso und Rabaiotti. So nutzen der pazifische und der atlantische Hering ihre Fürze zur Kommunikation. Die Fische schlucken Luft an der Wasseroberfläche, speichern sie in der Schwimmblase und können das Gas gezielt über den Analtrakt abgeben. Dabei entstehen Pupsgeräusche mit einer sehr hohen Frequenz, als ob «Menschen Luft durch ihre locker aufeinanderliegenden Lippen pressen würden», beschreiben die Autoren den Vorgang. Diese hohen Frequenzen sind für Heringe gut wahrnehmbar. Sie lassen umso häufiger einen fahren, je mehr Tiere im Schwarm leben. Raubfische können die Töne nicht hören.

Etwa 1 Liter Fürze pro Tag

Andere Meeresbewohner nutzen die Fähigkeit zu furzen, um ihre Lage im Wasser zu stabilisieren. Der Sandtigerhai etwa sinkt auf den Boden, wenn er nicht aktiv schwimmt. Um mehr Auftrieb zu bekommen, schluckt er deshalb Luft und speichert sie im Magen. Will er nun wieder in der Tiefe ruhen, lässt der Hai das Gas durch den Hintern entweichen, allerdings nicht so laut, wie die He­ringe das tun.

Ähnlich machen sich Seekühe ihre Blähungen zunutze. Der Karibik-Manati hat dafür sogar anatomische Besonderheiten im Körperbau, etwa Gasdepots im Darm. Da sich der Meeressäuger rein pflanzlich ernährt – hauptsächlich von Seegras –, produziert er reichlich Methan. Das Gas hilft ihm, an der Oberfläche zu dümpeln. ­Manatis lassen Winde fahren, um zum Grasen wieder absinken zu können. Leiden die Tiere jedoch unter Verstopfungen, was laut ­Caruso und Rabaiotti schon beobachtet worden sei, dann treibt ihr Po samt Schwanzflosse weiterhin an der Oberfläche.

Woraus bestehen nun überhaupt die Fürze, für die sich Flatulenzforscher, also in der Regel Gastroenterologen, interessieren – zumindest, wenn der Mensch die Winde rausdrückt. Vom Homo sapiens ist bekannt, dass er pro Tag 0,7 bis 1 Liter Verdauungsgase freisetzt und im Durchschnitt etwa zehnmal furzt.

Bei Fledermäusen herrscht Unsicherheit

Der Hauptanteil besteht aus Stickstoff und Kohlendioxid, in geringeren Mengen entlässt der Darm auch Sauerstoff, Wasserstoff und Methan, alles geruchlose Gase. Unangenehm wird es erst, wenn schwefelhaltige Substanzen austreten, zum Beispiel Schwefelwasserstoffe; die können dann auch mal nach faulen Eiern müffeln. Schuld an diesen Biogasen sind die Verdauungshelfer, die Darmmikroben.

Das ist bei Tieren nicht anders – nur in der Regel schlechter erforscht. Elefantenfürze sollen furchtbar stinken, ebenso die lauten und anhaltenden Pupse von Nashörnern, lernen die Leser von Caruso und Rabaiotti. Beide Tierarten gehören, wie auch Pferde, zu den «Enddarmfermentierern». Das heisst, dass sie permanent pflanzliche Nahrung in sich hineinstopfen, diese aber erst am Ende des Verdauungstrakts aufschliessen und zersetzen. Anders als bei den vergleichsweise langsamen Wiederkäuern wie Rindern ist diese Strategie besonders effizient, um schnell grosse Mengen an Nahrung zu verwerten. Das sei der Grund dafür, dass Elefanten und Nashörner so einen beacht­lichen Körperumfang entwickeln konnten.

Das genaue Gegenteil ist das Faultier. Es bewegt sich nicht nur unendlich langsam, sondern verdaut auch seine karge Blätterkost entsprechend gemächlich. Zwar entsteht dabei auch Methan. Das Faultier nimmt es aber über den Darm ins Blutsystem auf und atmet das Gas schliesslich aus. Sprich: Das Faultier pupst nicht. Es sei wohl das einzige Säugetier, dem es nicht vergönnt ist, die Luft hinten rauszulassen, vermuten die Buchautoren, wobei sie sich bei Fledermäusen noch unsicher sind.

Der Frosch-Po schweigt aus anatomischen Gründen

Klar ist aber, dass Vögel nicht ­furzen, und zwar keine der fast 10 000 Arten. Der Grund ist, dass sie im Darm keine der typischen Gas produzierenden Bakterien beherbergen. Zudem rauscht die Nahrung der Vögel so fix durch ihren Körper, dass «keine Zeit bleibt für die Entwicklung von heissen Lüftchen».

Damit befinden sie sich in bester Gesellschaft mit Amphibien, jedoch aus einem anderen Grund. Fröschen ist es zwar vergönnt, dank Stimmbändern, Kehlkopf und Schallblase ausserordentlich laut zu quaken, furzen können sie hingegen nicht. Hintenrum fehlt es ihnen schlicht an Spannkraft: Sie besitzen keinen ­Schliessmuskel.

*Nick Caruso und Dani Rabaiotti: «(p)oops! – Erstaunliches zur tierischen Flatulenz», Verlag Nagel & Kimche, ca. 22 Fr. 

Erstellt: 16.02.2019, 18:32 Uhr

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