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Elvetino-Chef: Verdächtige Geldflüsse

Die SBB werfen Wolfgang Winter auffällig hohe Honorarausgaben für Berater und happige Kreditkartenabrechnungen vor.

Vorbei mit der Harmonie: Elvetino-Verwaltungsratspräsidentin Jeannine Pilloud, Geschäftsführer Wolfgang Winter. Foto: Joseph Khakshouri
Vorbei mit der Harmonie: Elvetino-Verwaltungsratspräsidentin Jeannine Pilloud, Geschäftsführer Wolfgang Winter. Foto: Joseph Khakshouri

Am Schluss ging es ruckzuck: Angeführt von Personenverkehrschefin Jeannine Pilloud, versammelten sich vergangenen Montagmorgen mehrere Vertreter des SBB-Managements in den Räumlichkeiten ihres Speisewagen- und Bahnwägeli-Betreibers Elvetino in Zürich. Es war ein Treffen der unangenehmeren Sorte: Pilloud, die den Verwaltungsrat von Elvetino präsidiert, teilte ihrem Geschäftsführer Wolfgang Winter mit, dass er per sofort freigestellt sei. In der späteren Medienmitteilung begründeten die SBB die Trennung in ungewohnt scharfem Ton: Das Unternehmen sprach von «massiven Vorwürfen» gegen Winter und einem Fall von «Compliance».

Die Recherchen zeigen, in welche Richtung die angeblichen Verfehlungen des Elvetino-Chefs – er ist seit 2012 im Amt – gehen. Im Grundsatz dreht es sich darum, dass Winter in verdächtig hohem Mass Unternehmensgelder verschwendet hat. So wurden Elvetino Beraterhonorare in ungewohnter Höhe in Rechnung gestellt, ohne dass ersichtlich war, was genau der Gegenwert dieser teuer abgerechneten Leistungen war.

Meldestelle für Whistleblower

Gegenstand der Abklärungen sind auch üppige Kreditkarten­abrechnungen von Wolfgang Winter. Und schliesslich gab es offenbar auch Ungereimtheiten im Wareneinkauf – auch hier sind es nicht erklärbar hohe Ausgaben, die nun von der SBB-Compliancestelle unter die Lupe genommen werden. Die Meldestelle wurde vor einigen Jahren geschaffen, damit Mitarbeiter Missstände unbehelligt melden können. Im Fall von Elvetino haben offenbar Whistleblower, die Einblick in die Transaktionen hatten, von der Möglichkeit Gebrauch gemacht.

Nun müssen die mit der Untersuchung beauftragten Fachleute der SBB prüfen, was es mit den hohen Ausgaben auf sich hat und ob ein Teil des Geldes allenfalls in Form von Kickbacks an den ehemaligen Elvetino-Chef zurückgeflossen ist. Vorläufig gilt die Unschuldsvermutung.

Verunsicherung bei Belegschaft

Fragen nach den Verantwortlichkeiten in Zusammenhang mit den verdächtigen Überweisungen stehen im Raum. Um Klarheit über die Geldflüsse zu gewinnen, müssen Gespräche mit allen Beteiligten – etwa mit der Revisionsstelle Ernst & Young oder dem Finanzchef – geführt werden. Elvetino beschäftigt 920 Mitarbeitende und wird voll in den SBB-Büchern konsolidiert. Jeannine Pilloud soll aus allen Wolken gefallen sein, als sie von den Vorgängen erfuhr. Unter der Belegschaft ist die Verunsicherung gross. «Das hat eingeschlagen wie eine Bombe», sagt einer, der das Unternehmen gut kennt.

Winter galt als hemdsärmliger Manager. Er äussert sich nicht zu den Vorwürfen. «Solange das Verfahren läuft, möchte ich nichts sagen», erklärt er. Selbstverständlich werde er kooperieren. Auch den SBB ist nichts weiteres zu entlocken. «Es geht um schwerwiegende Vorwürfe, die wir nun mit der nötigen Sorgfalt abklären», sagt Sprecher Stephan Wehrle. Sollten sich die Verdachtsmomente erhärten, müssten die SBB Strafanzeige einreichen.

Vertrauensverhältnis zerstört

Auf seinem Profil auf dem Karrierenetzwerk Linkedin ist Winter noch immer als Elvetino-Chef eingetragen. Doch eine Rückkehr ist ausgeschlossen. Das Vertrauensverhältnis sei zerstört, so die SBB.

Vorläufig führt der frühere Personenverkehrschef Paul Blumenthal die SBB-Tochter im Mandatsverhältnis. Er sass selbst jahrelang im Verwaltungsrat des Bahn-Caterers, der die berühmten Minibar-Wägeli per Ende Jahr einstellen und ein neues Catering-Konzept einführen will. Künftig konzentriert sich Elvetino auf die Bewirtschaftung von Speisewagen. Deren Zahl wird sich mitsamt den bestellten Doppelstockzügen über die nächsten Jahre von 100 auf 160 erhöhen. Aufgetischt wird dann aber unter Führung eines neuen Chefs.

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