Endlich kommts zum Zickenkrieg

Kate Middleton und Meghan Markle sollen nicht miteinander können. Die Öffentlichkeit frohlockt. Denn darauf haben alle gewartet.

Kate Middleton (links) und Meghan Markle: Beide sind brunett, dünn, sportlich sowie ehrgeizig und diszipliniert. Foto: Getty Images

Kate Middleton (links) und Meghan Markle: Beide sind brunett, dünn, sportlich sowie ehrgeizig und diszipliniert. Foto: Getty Images

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Sie hatte sich wirklich zusammengerissen. Die britische Presse, nicht bekannt für ihren zarten Umgang mit der Prominenz, war jedenfalls bis anhin mit den beiden bürgerlichen Frauen des Hauses Windsor auffallend pfleglich umgegangen. Die Berichterstattung über Kate Middleton und Meghan Markle grenzte fast schon ans Euphorische.

Natürlich, zwischenzeitlich war da schon mal ein wenig gegiftelt, im Vorfeld der Hochzeit mit Prinz Harry in der Vergangenheit von Miss Markle gegraben und ein Vater mit einem Alkoholproblem hervorgezerrt worden, aber irgendwie wirkte das stets nur halbherzig bösartig und versandete sowieso, lange bevor sich ein Skandal nach dem Geschmack britischer Boulevardblätter auch nur ansatzweise am Horizont hätte erkennen lassen. Es war fast schon unheimlich.

Aber jetzt ist fertig mit Zurückhaltung. Jetzt ist endlich was los bei Hofe, jetzt gibt es mehr zu berichten als nur familiäre Harm­losigkeiten wie Hochzeiten und Taufen und Schwangerschaften und runde Geburtstage. Aus dem Kensington-Palast sickerte durch, Meghan Markle, die Neue, und Kate Middleton, die künftige Königin, könnten sich nicht leiden. Schuld am Konflikt sei Meghan, und genüsslich wurden Vergleiche mit Wallis Simpson herangezogen, jener ebenfalls geschiedenen Amerikanerin, deretwegen König Edward VIII. 1936 auf die Krone verzichtet und abgedankt hatte. Simp­son hatte eine Staatskrise ausgelöst und gilt bis heute als Symbol der herrschsüchtigen, geldgie­rigen, manipulativen Frau, die Männer um den Finger wickelt und stets ihren Willen durchgesetzt bekommt. Meghan also soll mit ihrer herrischen Art nicht nur das Personal vergraulen, das ihr in Scharen davonlaufe, sondern damit auch Kate zum Weinen gebracht haben.

Plötzlich galt die eine als altbacken und war chancenlos

Das war perfekt, darauf hatten alle gewartet, denn diese Idylle war ja kaum auszuhalten gewesen: «Fab Four» waren die beiden Paare in Anspielung auf die Beatles bereits genannt worden angesichts von so viel demonstrativer Innigkeit.

Aber jetzt, endlich! Und das Beste: Es geht nicht um so etwas Banales wie eine Mätresse. Es geht um einen Konflikt, den Öffentlichkeit und Medien so sehr lieben wie nichts anderes: um Stutenbissigkeit. Um einen Zickenkrieg unter den Herzoginnen von Cambridge und Sussex und damit um nichts weniger als einen royalen Cat Fight!

Es war die Bestätigung des Uralt-Klischees, wonach Frauen nicht miteinander könnten, dass es eine weibliche Solidarität nicht gebe und es daher nie etwas werde mit der Gleichberechtigung – weil Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen eben doch lieber sabotierten als unterstützten.

Nun zählen die weiblichen Uralt-Kriterien

Den beiden Herzoginnen war von Anfang an – allerdings nur zwischen den Zeilen – eine Rivalität unterstellt worden. Sie drängte sich ja auch auf, nur schon optisch: Beide waren sie brünett, dünn, sportlich. Und beide waren sie ehrgeizig und diszipliniert, beide hatten sie nach oben geheiratet, einigermassen gezielt, wie zu vermuten ist.

Und weil sie deswegen nun zwar adelig, aber halt nur «die Frau von» sind, müssen sie sich – Kehrseite der Medaille – in Ermangelung eines eigenen Berufs oder eines sonstigen Leistungsausweises nun auch an weiblichen Uralt-Kriterien messen lassen: Welche der beiden ist schöner? Schlanker? Charmanter? Beliebter? Hat die herzigeren, besser erzogenen, klügeren Kinder?

Der Vergleich fiel zu ungunsten der Duchess von Cambridge aus; sie galt mit einem Mal als «frumpy», altbacken, und war chancenlos gegen den hollywoodgestählten Charme der Duchess of Sussex mit ihren Gazellenbeinen und ihrem Megawatt-Lächeln. Die zudem die erste Auslandsreise des frisch vermählten Paares als perfekten PR-Feldzug in eigener Sache inszenierte: Bei jedem Auftritt hielt eine sehr verliebt ihren Gatten anstrahlende Meghan Markle schützend und sehr telegen ihre Hand über das noch kaum vorhandene Babybäuchlein.

Der messerscharf geschnittene Blazer fällt auf

Währenddessen bereitete Kate daheim ihr Comeback vor. Just einen Tag bevor sich der Herzog und die Herzogin von Sussex von den begeisterten Australiern verabschiedeten, präsentierte sich die Duchess of Cambridge an ihrem ­ersten offiziellen Termin nach dem Mutterschaftsurlaub erstmals ­wieder der Öffentlichkeit: so dünn wie nie zuvor, in schwarzen, engen Jeans und einem schwarzen, engen Rollkragenpullover. Es war das Tenü von einer, die mit einem Paukenschlag Aufmerksamkeit einforderte.

In der vergangenen Woche setzte sie noch einen drauf: Zum ersten Mal überhaupt trug Kate Middleton an einem offiziellen Anlass kein adrettes Kleidli, sondern einen messerscharf geschnittenen Blazer und eine moderne, weit geschnittene Hose.

Sie sah auf den ersten Blick aus wie – die Duchess of Sussex.

Erstellt: 08.12.2018, 21:12 Uhr

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