Entlastung bei der teuren Zahnspange

Von Prämienverbilligung profitieren auch Kunden mit Zusatzversicherungen.

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Von Prämienverbilligung profitieren auch Kunden mit Zusatzversicherungen.

Zürich Die Krankenkassenprämien für die Grundversicherung sind mittlerweile so hoch, dass jeder dritte Schweizer Anspruch auf eine Prämienverbilligung hat. Doch nicht in jedem Fall profitieren tatsächlich Bedürftige von der finanziellen Entlastung. Das zumindest lassen neue Zahlen vermuten, welche die Luzerner Krankenversicherung Concordia auf Anfrage ausgewertet hat.

So haben nicht weniger als 78 Prozent aller Concordia-Kunden, die eine Prämienverbilligung beziehen, gleichzeitig auch noch eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Und in 14 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um eine halbprivate, private oder kombinierte Spitalzusatzversicherung. Solche Zusätze können je nach Prämienregion und gewähltem Versicherungsmodell mehrere Hundert Franken pro Monat kosten.

Concordia-Sprecherin Astrid Brändlin betont jedoch, dass Leute mit einer Prämienverbilligung in den meisten Fällen «kleine Zusatzversicherungen» abschliessen würden. Brändlin nennt zum Beispiel die Zusatzversicherung für die Alternativmedizin oder eine Zusatzversicherung, die ausser­kantonale Spitalaufenthalte in der allgemeinen Abteilung abdeckt. Solche Zusätze kosten teilweise ­weniger als zehn Franken.

Einige Parlamentarier wolltenPrämienverbilligung kappen

Brändlin sagt zudem: «Gerade für Personen, die in knappen finanziellen Verhältnissen leben, sind bestimmte Zusatzversicherungen durchaus sinnvoll, insbesondere dann, wenn Eltern für ihre Kinder einen guten Versicherungsschutz wollen.» So sei es zum Beispiel für Versicherte mit tiefen Einkommen oftmals nicht möglich, kieferorthopädische Behandlungen für Zahnspangen alleine zu finanzieren. Mit der entsprechenden Zusatzversicherung könnten diese Kosten «stark reduziert oder sogar ganz von der Versicherung übernommen werden».

Dass Personen Zusatzversicherungen abschliessen können, wenn sie von einer Prämienverbilligung profitieren, hatte 2009 eine Gruppe Parlamentarier um den mitt­lerweile verstorbenen FDP-Nationalrat Otto Ineichen unterbinden wollen. Die Idee war, diesen Versicherten die Prämienverbilligung zu kappen. Die Gruppe errechnete so einen hohen Spareffekt. Auch die CVP unterstützte den Vorschlag. Damals hiess es, in der Schweiz gebe es eine Million Menschen, die sowohl eine Zusatzversicherung als auch eine Prämienverbilligung hätten. Ineichens Idee fand im Parlament allerdings keine Mehrheit.

Das wäre heute vermutlich nicht anders. In einer Umfrage bei den für die Prämienverbilligungen zuständigen kantonalen Stellen findet der Vorschlag jedenfalls keinen Anklang. «Die Idee, dass Personen, die eine Zusatzversicherungen haben, keinen Anspruch mehr auf Prämienverbilligung haben sollen, halten wir für wenig sinnvoll und nicht zielführend», sagt Urban Spescha, Leiter der AHV-Ausgleichskasse Graubünden. Die relevanten Faktoren für eine Prämienverbilligung sind das Einkommen sowie teilweise auch das Vermögen.

Dominik Balmer

Erstellt: 28.04.2018, 23:28 Uhr

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