«Es ist für uns nicht nachvollziehbar»

Bernhard Bichsel, Leiter Medizinprodukte bei Swissmedic, über das Versagen der Kontrollen im Implantate-Skandal.

Leiter Medizinprodukte bei Swissmedic: Bernhard Bichsel. Bild: Susanne Keller

Leiter Medizinprodukte bei Swissmedic: Bernhard Bichsel. Bild: Susanne Keller

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Fall Cadisc gibt es Schweizer Opfer. Was tut Swissmedic?
Es geht hier um einen Fall, der schon relativ lange zurückliegt. Er wurde bei uns bereits 2014 abgeschlossen. Das Produkt wurde damals restlos vom Markt zurückgezogen, die zuständigen Ärzte nachweislich kontaktiert. Der Hersteller hat schon vor einigen Jahren seine Geschäftstätigkeit eingestellt.

Wie viele Implantate wurden in der Schweiz eingesetzt?
Über diese Informationen verfügt Swissmedic nicht im Detail. Wir wissen aus den damaligen Verkaufslisten der Herstellerfirma, dass in der Schweiz neun Stück verkauft wurden.

Schweizer Patienten wussten nichts vom Rückruf.
Rückrufe sind grundsätzlich öffentlich zugänglich und werden auf unserer Website publiziert. Es kann aber nicht vom einzelnen Patienten erwartet werden, dass er sich selber informieren muss. Der Kontakt zu den Patienten liegt in der Verantwortung der Ärzte und deren Aufsicht in der Zuständigkeit der kantonalen Behörden.

Es heisst im Rückruf, die Ärzte müssten alle Patienten zu Kontrollen aufbieten, aber das ist hier offenbar nicht passiert. Die Sicherheit der Patienten ist nicht gewährleistet.
Swissmedic hat damals sichergestellt, dass die betroffenen Ärzte kontaktiert und informiert wurden. Es ist für uns nicht nachvollziehbar und unverständlich, dass diese die Informationen nicht an ihre Patientinnen und Patienten weitergegeben haben sollen.

Jeder gibt die Verantwortung an einen anderen ab. Die Behörden müssten sich doch koordinieren. Was ist die Lehre aus dieser Affäre?
Das ist so nicht richtig. Das Gesetz sieht klar vor, wer für welche Aktivitäten zuständig ist beziehungsweise wer für was verantwortlich ist. Es finden regelmässig Koordinationsaktivitäten statt, wir tauschen uns beispielsweise mit Kantonsapothekern oder den Ethikkommissionen aus. Wenn jeder seiner Verantwortung nachkommt, dann funktioniert das System.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 01.12.2018, 23:29 Uhr

Artikel zum Thema

«Ohne Tabletten war es nicht auszuhalten»

Video Das Skandal-Implantat wurde an mehreren Schweizer Spitälern eingesetzt – mit schlimmen Folgen. Jetzt spricht die Berner Patientin Manuela E. Mehr...

Völlig unfähig zur Selbstkritik

Kommentar Der Implantate-Skandal lässt Zweifel aufkommen, ob unser teures Gesundheitswesen wirklich die beste Leistung bietet. Mehr...

Die Patienten werden zu Versuchskaninchen

Leitartikel Die Implant Files zeigen, wie schlecht getestete Implantate auf den Markt gelangen. Hochwertige Produkte würden sogar Kosten senken. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Outdoor Warm und trocken durch den Winter

Die Welt in Bildern

Umstrittene Staatsoberhäupter: Bewohner von Pyongyang verneigen sich zu Ehren des siebten Todestags des nordkoreanischen Dikdators Kim Il Sung vor seiner Statue und deren seines Nachfolgers Kim Jong Il. (17. Dezember 2018)
(Bild: KIM Won Jin) Mehr...