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Es könnte auch ganz anders kommen

Sich den Weltuntergang vorzustellen, fällt leicht in diesen Tagen. Aber der Schriftsteller Alex Capus hofft trotzdem auf eine Wende zum Besseren.

Illustration: Bene Rohlmann
Illustration: Bene Rohlmann

Die meisten von uns spüren es, grosse Veränderungen stehen an. Sorgenvoll halten wir still in der Hoffnung, dass es noch eine Weile weitergehen möge wie bisher. Denn noch geht es uns gut. Aber wir ahnen, dass wir in der gewohnten Weise nicht mehr lange weitermachen können. Es drohen Klima­katastrophen und Kriege, unkontrollierbare Flüchtlingsströme und der Zusammenbruch der Sozialwerke, die Kernschmelze des globalen Finanzsystems und die Implosion der Zivilgesellschaften, der Zerfall bürgerlicher Demokratien und der Aufstieg wohlstands­faschistischer Autokraten. Die Welt, wie wir sie kennen, gerät aus den Fugen. Wir leben, so scheint es, in einer Zeitenwende. Zuversichtlich stimmt das nur ­wenige. Es fällt leicht, sich den Weltuntergang vorzustellen. Die Apokalypse ist ein wohlfeiles Gut ­dieser Tage. Die Stimmung ist schlecht. Aber was, wenn es anders käme? Wenn uns eine Wende zum Guten bevorstände? Denn eines ist sicher: Die Welt wird auch diesmal nicht untergehen, das hat sie nämlich noch nie getan. Zwar ist sie instabil geworden in letzter Zeit, das ist wahr. Aber es gibt kein Naturgesetz, wonach Instabilität und Anspannung sich zwingend in finalen Katastrophen entladen müssen. Wenn wir uns dieser Tage den Weltuntergang so gern ausmalen, liegt das nur daran, dass er so einfach zu denken ist. Es kostet wenig intellektuelle Anstrengung, die Apokalypse herbeizufantasieren. Katastrophen­filme sind dramaturgisch immer recht einfach gestrickt.

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