«Es braucht Lösungen, die vom Volk akzeptiert werden»

Die Urnerin Heidi Z’graggen will die Wirtschaft fördern – und Sorge zur Umwelt tragen. Dem UNO-Migrationspakt steht sie skeptisch gegenüber.

CVP-Bundesratskandidatin Z’graggen: «Ich bin dem UNO-Migrationspakt gegenüber skeptisch». Foto: Rappo/13 Photo

CVP-Bundesratskandidatin Z’graggen: «Ich bin dem UNO-Migrationspakt gegenüber skeptisch». Foto: Rappo/13 Photo

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Frau Z’graggen, wer passt besser zu Ihnen: Heidi Klum oder die Romanfigur Heidi?
Ich habe die Heidi-Geschichte als Kind verschlungen und finde sie nach wie vor toll. Johanna Spyri zeichnet in ihrem Buch ein Bild von Heimat, Heimweh und Familie, wie es einmal in der Schweiz war. Es ist aber keine heile Welt, da Heidi auch schwierige Situationen meistern muss.

Sie sind nicht so bekannt wie die Heidi-Figur. Wie wollen Sie in kurzer Zeit Bundesbern von sich überzeugen?
Die Parlamentarier werden mich nun an den Hearings besser kennen lernen. Ich werde auch mein Netzwerk aktivieren, um mit den Mitgliedern der Bundesversammlung ins Gespräch zu kommen. Mein Ziel ist es, dass Bern in den nächsten zwei Wochen auch meine Hauptstadt wird.

Sie wollen die Arbeit in Uri vernachlässigen?
Selbstverständlich nicht. Ich bin als Regierungsrätin Uri verpflichtet, und das schliesst die Kandidatur fürs Bundesratsamt mit ein. Ich werde mit meinen Kollegen jedoch besprechen, wie viel Zeit ich in den Wahlkampf investieren kann.

Sie leiten die Justizdirektion. Reicht Ihre Führungserfahrung, um in Bern ein grosses Departement zu managen?
Gute Führung ist nicht abhängig von der Grösse. Ich habe in den letzten 14 Jahren als Regierungsrätin gezeigt, dass ich führen kann.

Wollen Sie im Bundesrat eine klar bürgerliche Vertreterin sein, oder sehen Sie sich mehr in der Rolle einer Vermittlerin zwischen links und rechts?
Als CVP-Regierungsrätin vermittle ich stets aus einer Mitteposition heraus. Ich bin eine Konsenspolitikerin und will das auch im Bundesrat sein. Das heisst, es geht nicht nur darum, gute Ideen einzubringen. Danach müssen auch Lösungen gefunden werden, die vom Volk akzeptiert werden.

Ihnen wird nachgesagt, Sie seien wertkonservativer als Viola Amherd. Stimmt das?
Wir Urner stehen zu unseren Traditionen. Diese zu bewahren, ist mir wichtig. Ich bin aber auch wirtschaftsfreundlich. Die Leute brauchen Arbeitsplätze, damit sie ein gutes Auskommen haben. Dafür müssen die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft stimmen, auch bei den Steuern.

Befürworten Sie den UNO-Migrationspakt?
Ich bin skeptisch. Der Bundesrat sagt selbst, dass einige Punkte vertieft analysiert werden müssten, auch wenn der Pakt nicht verbindlich sei. Wir haben in der Schweiz die Tendenz, genau hinzuschauen und internationale Abkommen entsprechend nachzukommen. Ich unterstütze es deshalb, wenn das Geschäft zurückgestellt wird.

Alles in allem stehen Sie also Mitte-rechts.
Sie haben diese Schubladen gerne. Ich möchte betonen, dass für die Zukunft der Schweiz auch der Natur- und Landschaftsschutz wichtig sind. Ich bin als Berglerin in einem Kanton aufgewachsen, in dem es wenig Siedlungsgebiete gibt. Eine wichtige Frage ist für mich daher, wie man Entwicklung ermöglichen und trotzdem Sorge zur Umwelt tragen kann.

Warum kämpfen Sie dann als Chefin der Eidgenössischen Kommission für Heimatschutz nicht entschieden gegen die Bürgerlichen an, die den Schutz schwächen wollen?
Als Kommissionspräsidentin liegt es nicht an mir, Politik zu betreiben. Das ist Aufgabe der Parlamentarier. Wir können aber nicht verneinen, dass es Zielkonflikte gibt. Jetzt geht es darum, vernünftige Lösungen zu finden. Dass dies möglich ist, habe ich in Uri gezeigt.

Meinen Sie das Resort von Samih Sawiris in Andermatt?
Das ist ein Paradebeispiel dafür, dass die Entwicklung in einem Berggebiet auch dann möglich ist, wenn man sorgfältig mit der Natur umgeht. Wir hatten zwar harte Verhandlungen mit den Umweltverbänden, fanden jedoch einen gemeinsamen Weg.

Als Regierungsrätin halfen Sie aber auch mit, dass der Kanton Uri in Andermatt den Bau neuer Bahnen subventionierte. Wie passt das zu Ihrer wirtschaftsliberalen Haltung?
Wir konnten das Projekt mit öffentlichen Geldern unterstützen, weil die dezentrale Entwicklung in unserer Verfassung verankert ist und das Gesetz über die Neue Regionalpolitik diese Entwicklung bewusst fördern will. Es ging darum, dass die Leute in Uri Arbeitsplätze und eine Zukunft haben. Wir hatten eine grosse Abwanderung, auch durch öffentliche Unternehmen. Hochgerechnet auf den Kanton Zürich, ist dies vergleichbar mit der Schliessung des Flughafens. Die Schweiz lebt von Stadt und Land, daher muss auch an der Peripherie eine Entwicklung möglich sein.

Und wie haben Sie es mit Europa? Sollte die Schweiz mit der EU ein Rahmenabkommen auch dann abschliessen, wenn die Gewerkschaften unzufrieden sind?
Nein. Es ist wichtig, dass wir uns in der Schweiz einig sind. Eine solch wichtige Gruppe muss mit im Boot sein. Der Bundesrat hat die roten Linien definiert, und diese gilt es zu bewahren. Ansonsten müssen wir unseren bewährten bilateralen Weg fortsetzen. Die EU und die Schweiz sind gleichberechtigte Handelspartner. Beide Seiten haben ein Interesse, sich zu finden. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 17.11.2018, 22:04 Uhr

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