Es war einmal . . . ein Treffen mit Brad Pitt und Leonardo DiCaprio

Die beiden Hollywood-Stars erstmals im selben Film – und für 15 Minuten am selben Tisch.

Im Moment ziemlich beste Freunde: Brad Pitt und Leonardo Di Caprio in Cannes. Foto: imago images / PA Images

Im Moment ziemlich beste Freunde: Brad Pitt und Leonardo Di Caprio in Cannes. Foto: imago images / PA Images

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Die Frage ist konkret: «Sie zwei sind die grössten Stars der Welt, was könnte Ihre Karriere gefährden?» Brad Pitt und Leonardo DiCaprio schauen sich an. Wer wird antworten? Brad, der Schalkhafte, könnte die Sache mit einem Witz abtun. Leo, der Ernste, könnte zu einer langfädigen Erklärung ausholen. Aber sie schweigen.

Stille ist etwas Eigenartiges, in einem Raum, in dem 14 Journalisten sitzen, die in 15 Minuten das Beste aus den Stars herausholen wollen. Die Gelegenheit ist einmalig, im Film «Once Upon a Time . . . in Hollywood» von Quentin Tarantino treten sie erstmals gemeinsam auf. DiCaprio spielt einen Serienhelden, dessen Zeit abgelaufen zu sein scheint. Und Pitt ist sein Stuntdouble, ein Mann, der seine Ambitionen früh zurückstecken musste. Beide wollten hoch hinaus in diesem Jahr 1969, beide scheinen zu fallen. Könnte das den Darstellern auch passieren?

Ein gut eingespieltes Team

Schweigen. Zeit, sich etwas umzusehen. Für das Treffen am Festival von Cannes wurde der 7. Stock des Luxushotels Carlton in Beschlag genommen. Die Sicherheitsmassnahmen sind enorm, Zugang hat nur, wer auf der Liste der handverlesenen Journalisten steht. Beim Einlass muss man das Mobiltelefon abgeben, damit jemand die Kamera mit Klebeband abdecken kann. Keine Selfies, keine heimlichen Fotos. Die Glastüren zum Interviewzimmer wurden mit lichtdurchlässiger Folie überklebt, damit niemand vom Gang aus Einsicht hat. Dann gilt es zu warten. Ab und zu ertönen Schritte im Gang, aber nein, es sind nur ein paar der Begleitpersonen. Plötzlich gibt es Bewegung, tatsächlich, Leonardo DiCaprio taucht auf, hebt die Hand, ruft «Hi Guys» in den Raum – um dann wieder in eine andere Richtung abzubiegen.

Aber jetzt sitzen sie da, locker und lässig, Brad Pitt mit einer Schiebermütze auf dem Kopf, Leonardo DiCaprio mit einem Jäckchen, gerade richtig für die kühlen Cannes-Tage. Sie sind gut eingespielt, laufen sich mit Sprüchen warm wie: «Es ist eine Freude, mit Leo zu arbeiten. Er hat normalerweise keinen Mundgeruch, und seine Nägel sind stets sauber.» Oder nüchterner: «Ich habe grossen Respekt für Brad. Und er behauptet, dass er mich auch respektiert.»

Für DiCaprio waren Redford und Newman die Grössten

Klar kennen sie sich seit langem. Brad Pitt ist mit seinen 55 Jahren zwar älter als der 44-jährige Leonardo DiCaprio, aber begonnen haben ihre Karrieren fast gleichzeitig. Den Durchbruch schaffte Pitt 1991 als Autostopper in «Thelma & Louise», DiCaprio zwei ­Jahre später als geistig behinderter Junge in «What’s Eating Gilbert ­Grape». Sie loben sich brav gegenseitig. «Unglaublich, was Brad alles gespielt hat», sagt Leo. Und bekommt zurück: «Leo könnte sich morgen in Luft auflösen. Und würde trotzdem als Monument in die Filmgeschichte eingehen.»

Aber mit Komplimenten ist es nicht getan. Tarantinos Film, der bei uns im August anläuft, heisst schliesslich «Es war einmal . . . in Hollywood», es ist eine Liebeserklärung an das alte Studiosystem, das Ende der Sechzigerjahre dem Untergang geweiht war. Und ein Loblied auf die längst vergessenen Protagonisten, die damals am Fernsehen oder in Billigfilmen zu sehen waren. «Ich identifiziere mich voll mit dem Westernhelden, den ich spiele», sagt Leonardo DiCaprio. «Dann übst du deine Schiess-Bewegungen, wie er, auch vor dem Spiegel?», fragt Brad Pitt. «Selbstverständlich mache ich das, du etwa nicht?» «Vielleicht. Aber zugeben würde ich es nie.»

So könnte das ewig weitergehen. Aber Tarantinos Film ist nicht nur eine Blödelei, sondern stellt auch ernsthafte Fragen über den Aufstieg und Fall von Stars. Darum noch einmal: «Sie zwei sind die grössten Stars der Welt, was könnte Ihre Karrieren gefährden?» Brad Pitt gibt schliesslich die Antwort, sie besteht aus einem Wort: «Eitelkeit!» Und Leonardo DiCaprio murmelt: «Grossartige Antwort.»

DiCaprio spricht über Selbstzweifel

In Nicht-Eitelkeit üben sie sich dann sogleich, und zwar wegen der Bemerkung, ihre Zusammenarbeit müsse doch der Beginn einer wunderbaren Leinwand-Freundschaft sein, im Stil von Robert Redford und Paul Newman zu Zeiten von «The Sting». DiCaprio schüttelt einfach den Kopf. Und Pitt sagt: «Ach, kommt. Die waren die Grössten. Ich erinnere mich noch, als ich ‹Butch Cassidy and the Sundance Kid› sah, mit Vater und Mutter im Drive-in-Kino. Am Ende musste ich weinen, wollte aber auf keinen Fall, dass die Eltern das sahen. Eine solche Wirkung werden wir nie erzielen.»

Auch Leonardo DiCaprio spricht nun über Selbstzweifel, die einen immer wieder heimsuchen – egal ob man nun gerade «Titanic» gedreht hat oder eine TV-Episode einer Serie, die bald vergessen sein wird. «Es ist klar, dass uns unser Beruf heftig von der wirklichen Welt ausschliesst. Und Unsicherheit gibt es immer. Man sollte sie aber besser nicht mit so viel Whiskey Sour bekämpfen, wie das der Cowboy tut, den ich verkörpere.»

Es geht um den Wandel der Zeit, die Streamingdienste

Jetzt wird die Sache ernst. Es geht um den Wandel der Zeit, die Streamingdienste, die zahlreiche neue Talente hochspülen. Und um die alte Ordnung – «also uns» –, die zusammenfalle, was Vor- und Nachteile habe. Sicher ist: «Wir sind genauso in einer Übergangszeit wie 1969, niemand weiss, was kommt», sagt Brad Pitt. Da könnte man lange weiterdiskutieren. Aber die 15 Minuten sind um, eine Begleitperson steht schon lange da, zwei, drei, vier kommen dazu. Und bugsieren die beiden weg.

Zum Abschied sagt Leonardo DiCaprio: «Take it easy, guys.» Eine Aufforderung an uns. Aber vielleicht auch an sich selber.



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(SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.05.2019, 22:21 Uhr

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