Ex-Schweiz-Chef kritisiert ABB-Führung

Edwin Somm spricht von «katastrophalen Fehlern».

«Nicht alles Geld den Aktionären geben»: Edwin SommFoto: Keystone

«Nicht alles Geld den Aktionären geben»: Edwin SommFoto: Keystone

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Es war ein abrupter Abgang – und es könnte ein teurer werden. Laut einem Bericht der «Schweiz am Wochenende» könnte ABB-Chef Ulrich Spiesshofer 24 Millionen Franken für seinen Abgang erhalten – zusammengesetzt aus Aktien, Zahlungen für die Kündigungsfrist von 12 Monaten sowie der Entschädigung für das Konkurrenzverbot von einem Jahr.

Ob die stolze Entschädigung gerechtfertigt ist, darüber lässt sich streiten, Spiesshofer steht in der Kritik. So lässt auch der ehemalige Chef von ABB Schweiz kein gutes Haar an der Unternehmensführung. Spiesshofer habe «immer zu viel versprochen und zu wenig gehalten», sagt Edwin Somm. «Er hat die Ziele nicht erreicht und damit bei Kunden, Mitarbeitern und Aktionären viel Vertrauen verspielt.»

«Drei katastrophale, kapitale Fehler»

Hart ins Gericht geht Somm auch mit dem Verwaltungsrat (VR), dem er selbst von 1997 bis 2002 angehörte. «Er hat drei katastrophale, kapitale Fehler begangen», sagt der frühere Topmanager. Erstens hält er den Verkauf des Stromnetzgeschäfts – des Herzstücks von ABB – für falsch. Es stört ihn, dass die Unternehmensführung während Jahren beteuerte, die Sparte gehöre wegen der vielen Synergien mit anderen Bereichen zu ABB – und dann unter Druck aktivistischer Investoren einknickte. «Man kann nicht jahrelang sagen, der Verkauf sei schlecht, und ihn dann doch durchziehen», findet Somm.

Zweitens findet es der 86-Jährige «völlig falsch», dass die 8 Milliarden Franken, die ABB durch den Verkauf der Stromnetzsparte an den japanischen Hitachi-Konzern zufliessen, in Form eines Aktienrückkaufprogramms an die Aktionäre ausgeschüttet werden. «Man sollte nicht alles Geld den Aktionären geben, sondern es in die Weiterbildung der Mitarbeiter und in die Forschung und Entwicklung investieren.»

«Rechtzeitige Kandidatensuche verpasst»

Drittens kritisiert Somm den VR, weil er nicht gleich einen neuen Konzernchef vorgestellt hat. «Ich bin erstaunt, dass der Verwaltungsrat keinen Nachfolger aus dem Ärmel schütteln kann und sogar erst diese Woche die Nachfolgesuche eingeleitet hat, obwohl sich seit längerem abzeichnete, dass Spiesshofer gehen muss.» Somm findet, VR-Präsident Peter Voser, auf den er sonst grosse Stücke hält, hätte rechtzeitig mindestens zwei Kandidaten aufbauen müssen.

Somm war einer der wichtigsten Wirtschaftskapitäne der Schweiz. Er führte nach der Fusion von BBC und Asea zur ABB von 1988 bis 1997 die Schweizer Landesgesellschaft. Danach sass er bis 2002 im VR des ABB-Konzerns. Zudem ­amtete er als Präsident der beiden Verbände der Maschinenindustrie (heute Swissmem) und sass im Ausschuss des Vororts (heute Economiesuisse).



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Erstellt: 20.04.2019, 19:12 Uhr

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