Ferienorte erwarten Rekordsommer

Die Hitzewelle lockt Gäste zuhauf in die Alpen – und weniger Schweizer als sonst reisen ins Ausland.

Abkühlung in der Höhe: Touristen auf dem Gornergrat bei Zermatt. Foto: Keystone

Abkühlung in der Höhe: Touristen auf dem Gornergrat bei Zermatt. Foto: Keystone

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Auf den Wanderwegen im Alpstein-Gebirge zwischen Säntis, Altmann und dem Seealpsee tummeln sich noch mehr Menschen als sonst an einem Sommertag. Die Hitze lässt Schweizerinnen und Schweizer in die Höhe entfliehen. «Wir profitieren vom konstant schönen Wetter», sagt Guido Buob, Geschäftsführer von Appenzell Tourismus. «Die Abkühlung in den Bergen und vor allem auch in den Bergseen wird gesucht. Wenn das Wetter mitmacht, wird es sicher eine sehr gute Saison.»

Noch optimistischer zeigt man sich in anderen Ferienregionen. «Wir rechnen mit einem Rekordsommer», sagt Simona Altwegg von Zermatt Tourismus. «Die Sommersaison wird mit Sicherheit eine Rekordsaison werden», jubelt auch André Wellig von der Jungfrau-Region im Berner Oberland. Samuel Rosenast von Davos/Klosters sagt voraus: «So wie es heute aussieht, werden wir den letzten Sommer nochmals toppen, der mit einem Plus von 8,9 Prozent schon rekordverdächtig war.» Und der Gstaader Tourismusdirektor Sébastien Epiney sagt: «Wir sind auf Kurs für eine Rekordsaison.»

Berggipfel, Seen und kühle Schluchten sind gefragt

Vier Stimmen, die für praktisch den gesamten Alpenraum stehen. Nicht nur Schweizerinnen und Schweizer reisen zuhauf in die Berge, um der Hitze im Unterland zu entfliehen. Auch hitzegeplagte Deutsche, Franzosen und Italiener zieht es in die Schweizer Alpen – entweder für einen spontanen Tages­ausflug oder gleich für mehrtägige Ferien.

Zu den Profiteuren gehören alle Anbieter: Hotels, Restaurants, Zeltplätze, Ferienwohnungsanbieter, Bergbahnen. Grindelwald etwa verzeichnet bei den Hotelübernachtungen ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Die Zermatt Bergbahnen befördern in der laufenden Sommersaison 10 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr. Mit dem absehbaren Rekord bei den Hotelübernachtungen setzt sich in Zermatt eine jahrelange Entwicklung fort. In den vergangenen sechs Jahren ist die Zahl der Sommerübernachtungen um 12 Prozent angestiegen. Mittlerweile entfallen 45 Prozent der Hotelübernachtungen auf die Sommersaison.

Auch typische Ausflugsberge verzeichnen mehr Gäste – auf dem Jungfraujoch, dem Säntis, der Rigi oder dem Schilthorn herrschen momentan einfach angenehmere Temperaturen. Abkühlung wird auch am Wasser gesucht. Gut besucht sind etwa die Aareschlucht und die Trümmelbachfälle im Berner Oberland oder der Davoser- und der Flüelasee in Graubünden

Viele Anbieter vermelden den besten Sommer seit Jahren

Auf einen Rekordsommer steuert auch die Parahotellerie zu, die Ferienwohnungen, Campingplätze, Reka-Feriendörfer, Jugendherbergen und Bed-&-Breakfast-Unterkünfte umfasst. «Die Buchungszahlen deuten auf ein Rekordjahr hin», sagt Tanja Arnold von der Interessengemeinschaft Parahotellerie Schweiz. So weist der grösste Ferienwohnungsanbieter Inter­home im Juni und im Juli ein Buchungsplus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Er sagt vor­aus, dieses Jahr werde der beste Sommer seit dem starken Sommer 2011. Die stärkste Zunahme verzeichnet Interhome im Wallis und im Berner Oberland

Stark ausgelastet sind die Reka- Feriendörfer. Die Buchungen für August bis Oktober liegen zurzeit 8 Prozent über dem Vorjahr. Reka rechnet mit der besten Sommersaison der vergangenen fünf Jahre. Der grösste Campinganbieter, der Touring-Club Schweiz, profitiert ebenfalls von der Trockenzeit. Alle Plätze, ausser jenen im Tessin, liegen bei den Übernachtungen über dem Vorjahr. Insbesondere die Campingplätze in den Bergregionen und an direkten See- oder Flusslagen sind besser belegt. Beim TCS heisst es dazu: «Man lobt den Tag nicht vor dem Abend, aber wir steuern auf ein Rekordjahr zu.» Die Schweizer Jugendherbergen schliesslich stellen wegen der hohen Temperaturen in den Talregionen bei den kurzfristigen Buchungen einen Zuwachs fest. Gefragter sind vor allem die Unterkünfte in Graubünden, dem Wallis und dem Berner Oberland.

Doch es gibt nicht nur Gewinner. Der grösste Schweizer Reiseanbieter Hotelplan Suisse verzeichnet in diesem Sommer laut Sprecherin Prisca Huguenin einen leichten Rückgang bei den Buchungen im Ausland. In den Reisebüros herrscht Flaute, und das Sommerferiengeschäft macht erstmals nur noch 30 Prozent des gesamten Umsatzes aus, während es in den vergangenen fünf Jahren stabil bei 35 Prozent lag. Gefragter sind dagegen Herbstreisen – aber dann ist es mit der Hitze in der Schweiz wohl vorbei.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.08.2018, 22:38 Uhr

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