Firmen sind für 2018 optimistisch

Topmanager rechnen mit Wachstum und wollen verstärkt investieren.

Im Aufwind: Der schwächere Franken hilft der Schweizer Exportwirtschaft. Illustration: Kornel Stadler

Im Aufwind: Der schwächere Franken hilft der Schweizer Exportwirtschaft. Illustration: Kornel Stadler

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Frankenschock, Brexit, Flüchtlingskrise, Terroranschläge und die Wahl von Donald Trump – viele Unsicherheiten prägten in den vergangenen Jahren die Stimmung in der Wirtschaft. Nun dreht der Wind. Schon fast euphorisch sehen die Schweizer Topmanager dem neuen Jahr entgegen: 81 Prozent der Spitzenkräfte rechnen mit positiven Konjunkturaussichten für die Schweiz, wie aus der jährlichen Managerumfrage der SonntagsZeitung hervorgeht. Der Rest erwartet Stagnation, keiner der Befragten befürchtet einen Abschwung.

Infografik: Welche Faktoren bergen die grössten Risiken für die Schweizer Wirtschaft? Grafik vergrössern

Verglichen dazu, sah es im Vorjahr düster aus. Damals war nur jeder dritte Manager optimistisch für die Wirtschaftsentwicklung. Auch für das eigene Unternehmen sind die CEOs zuversichtlicher. 70 Prozent werten die Aussichten positiv – eine Steigerung von fast 10 Prozentpunkten. Als Risiken für die Schweizer Wirtschaft sehen sie in erster Linie Faktoren aus dem Ausland – etwa ein Auseinanderbrechen der Eurozone und die europäische Bankenkrise. Einzig die Unternehmenssteuerreform macht den Chefs als Schweizer Thema vergleichsweise grosse ­Sorgen: Gut ein Fünftel sieht in ihr eine Gefahr für die Wirtschaft.

Firmenchefs zweifeln an Niedrigzinspolitik der SNB

Dass die gute Stimmung mit der Währungsentwicklung zusammenhängt, liegt auf der Hand. Seit ­April ist der Euro zum Franken gestiegen, er steht nun knapp bei 1.17 Franken. In der Umfrage ­geben 17 Prozent der Befragten an, der schwächere Franken werde sich «sicher» positiv auf ihr Unternehmen auswirken – weitere 60 Prozent rechnen «eher» mit einem positiven Effekt. 17 Prozent beantworteten die Frage nach positiven Auswirkungen mit «sicher nicht» oder «eher nicht».

Der schwächere Franken gibt vor allem der Schweizer Exportwirtschaft Aufwind. «In Firmen, die hauptsächlich im Ausland ihr Geld verdienen, geht die Stimmung durch die Decke», sagt Jan-Egbert Sturm, Direktor der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF). Schon ab Sommer hätten bei ihnen die Geschäfte deutlich angezogen. Unternehmen, die vor allem auf dem ­Binnenmarkt tätig seien, blieben hingegen noch verhaltener.

Infografik: Konzernverantwortungsinitiative und No-Billag Grafik vergrössern

Sturm sieht als Grund für die positive Stimmung in erster Linie die starke Weltkonjunktur und ­erfreuliche Wirtschaftsdaten aus Europa. «Zwar läuft es in der Schweiz jetzt gut, aber im Ausland läuft es noch besser.» Mit dem schwächeren Franken hätten die Unternehmen nicht gerechnet, er komme nun quasi als Sahnehäubchen hinzu. Auch die Konjunkturforscher erwarten 2018 ein deut­liches Wirtschaftswachstum. Laut KOF dürfte das Bruttoinland­produkt um 2,3 Prozent steigen. BAK Basel rechnet gar mit einem Plus von 2,4 Prozent.

Bei guter Stimmungslage stocken die Firmen bei den Investitionen auf: 28 Prozent wollen im kommenden Jahr mehr investieren, das sind fast 10 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 68 Prozent erwarten gleich bleibende Investitionen, nur 2 Prozent wollen weniger ausgeben.

Trotz positiver Grundstimmung – der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt hinkt der Wirtschaftsentwicklung hinterher. Zwar rechnen weniger Unternehmen mit einem Stellenabbau als im Vorjahr (17 Prozent versus 29 Prozent). Doch nur jedes dritte Unternehmen will im kommenden Jahr ­tatsächlich Stellen schaffen – es gibt damit so gut wie keine Veränderung. Vielfach würden nun ­zunächst die Produktionskapazitäten hochgefahren, die in der ­Krise gesenkt worden waren, sagt Jan-Egbert Sturm. Er erwartet, dass die Zahl an Beschäftigten im ­neuen Jahr um 1,3 Prozent zunimmt. ­Damit würde die Quote der registrierten Arbeitslosen bis Anfang 2019 nach und nach abnehmen auf 2,9 Prozent. Auch die Löhne dürften der Prognose zufolge 2018 leicht steigen – nominal um 0,7 Prozent.

Infografik: Stellenaufbau und Negativzinsen Grafik vergrössern

Wegen der positiven Wirtschafts- und Währungsentwicklung stellen die Topmanager die Niedrigzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank in Zweifel. Auf die Frage, ob diese 2018 aus der Niedrigzinspolitik aussteigen und von den Negativzinsen Abstand nehmen sollte, antworteten 6 Prozent mit «ja, sicher», 47 Prozent mit «ja, eher». Damit ist eine Mehrheit für steigende Zinsen. Nur 4 Prozent lehnen eine Zinserhöhung kategorisch ab. Dass die Währungshüter im nächsten Jahr tatsächlich Zinsschritte ins Auge fassen, halten Konjunkturexperten allerdings für unwahrscheinlich. Der Grund: Die Nationalbank wird sich an der Europäischen Zentralbank (EZB) orientieren. Bei einem unabhängigen Zinsentscheid drohe eine Aufwertung des Frankens, die wiederum das Wachstum abwürgen könne, sagt KOF-Direktor Sturm. Die EZB hat zwar angekündigt, ihr Anleihenkaufprogramm ab Januar zu halbieren, ein erster Zinsschritt ist aber erst 2019 wahrscheinlich.

Allenfalls bei einer sehr starken Aufwertung des Euros wäre ein eigenmächtiger Zinsschritt denkbar. Auch die weiterhin niedrige Teuerung hierzulande gibt der Nationalbank keinen Anlass, schnell zu handeln. Für 2018 bringt es BAK Basel daher so auf den Punkt: Zinsflaute trotz Konjunkturfeuerwerk. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 30.12.2017, 22:54 Uhr

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