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«Frauen kaufen in der Tendenz kleinere Autos»

Verkehrspsychologe Uwe Ewert über SUV als Statussymbol.

«Klassische Raser fahren keine SUV»: Experte Uwe Ewert. Foto: PD
«Klassische Raser fahren keine SUV»: Experte Uwe Ewert. Foto: PD

Herr Ewert, ist der typische SUV-Fahrer so rücksichtslos, wie es oft heisst?

Ich gehe davon aus, dass es tatsächlich Autofahrer gibt, die einen SUV kaufen, weil solche Geländelimousinen ein Statussymbol darstellen können. Aber ob diese Fahrer sich dann im Strassenverkehr rücksichtslos verhalten, kann ich nicht sagen. Was wir aus der Forschung wissen: Die klassischen Raser fahren keine SUV, dafür sind diese Autos zu wenig sportlich. Raser stammen oft aus unteren sozialen Schichten und sind vergleichsweise jung, SUV-Fahrer aber mittleren Alters und eher wohlsituiert.

Und warum brauchen diese Menschen einen SUV?

Oft wegen des Berufs oder wegen ihrer Freizeitaktivitäten in den Bergen. Und es gibt sicher auch ältere Menschen, die einen SUV kaufen, weil sie bequemer in die erhöhten Fahrzeuge einsteigen können. Und schliesslich gibt es Autofahrer, die sich in einem SUV auf den Strassen schlicht sicherer fühlen.

Ist die bessere Sicherheit nur ein Gefühl, oder trifft das zu?

Ja und nein. Kommt es zu einer Kollision, erleiden die Lenker in den schwereren Fahrzeugen in der Regel leichtere Verletzungen. Und SUV sind ja tendenziell schwerer. Das kleinere Auto wird bei einer Frontalkollision vom grossen gebremst und in die entgegengesetzte Richtung geschleudert – da wirken enorme Kräfte. Das schwerere Auto wird bloss abgebremst, das ist weniger fatal. Wegen ihres hohen Schwerpunkts gibt es mit SUV aber mehr Überschlagsunfälle.

Wir erleben eine Art Wettrüsten auf den Strassen, in der Schweiz gibt es immer mehr SUV.

Für die Verkehrssicherheit insgesamt sind grosse und schwere Autos eher problematisch. Es spielt bei einem Unfall eine wichtige Rolle, wie gross der Gewichtsunterschied der beiden Fahrzeuge ist. Das ist in der Wissenschaft längst belegt, unter Laien aber zu wenig bekannt.

Wer kauft denn die SUV, der Mann oder die Frau?

Interessanterweise kaufen Frauen in der Tendenz kleinere und günstigere Autos als Männer. Obwohl ­Frauen von grossen und schweren Autos profitieren würden, weil ihre Verletzungsanfälligkeit bei Unfällen grösser ist als die von Männern. Man vermutet, dass dies mit dem höheren Fett- und geringeren Muskelanteil sowie der Bindegewebsstruktur des weiblichen Körpers zusammenhängen könnte. Darum gibt es jetzt auch weibliche Crashtest-Dummies.

Den teuren SUV wollen aber die Männer?

Den Kaufentscheid fällen Paare in der Regel gemeinsam – und oft in den traditionellen Rollenmustern. Wir wissen zum Beispiel, dass sich die Männer eher für die Technik interessieren und die Frauen für Farbe sowie Design.

Wie erklären Sie sich den SUV-Boom angesichts des Klimawandels?

SUV-Fahrer müssen bezüglich des Verbrauchs mit einem schlechten Gewissen leben. Der Schadstoffausstoss ist bedeutend grösser, auch wegen des Luft­widerstands als Folge der hoch gebauten Karosserie. Gleichzeitig bewegt sich aber auch die Industrie. Die SUV werden vermehrt kleiner gebaut. Ein Hinweis auf eine Trendwende sind die jungen Menschen, ­deren Einstellung zum Autofahren sich wandelt. Ein Indiz dafür ist, dass der Führerschein heutzutage deutlich später gemacht wird.

SUV schaden nicht nur dem Klima, sie sind auch gefährlich für Fussgänger und Velofahrer.

SUV haben einen schlechten Ruf, aber teilweise zu Unrecht. Punkto Fussgängersicherheit sind diese Autos heute kaum mehr gefährlicher als andere. Ich selber fahre auch einen SUV, einen Toyota RAV4. In Tests zur Fussgängersicherheit schneidet dieses Modell sehr gut ab – sonst hätte ich es nicht gekauft. Und wenn Sie mit dem Velo unterwegs sind, spielt es keine grosse Rolle, ob die Kollision mit einem SUV oder mit einem leichteren Fahrzeug geschieht. Am wichtigsten ist die Kollisionsgeschwindigkeit, also die Geschwindigkeit, mit der man zusammenstösst. (db)

Uwe Ewert war 25 Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschung der Beratungsstellefür Unfallverhütung (BfU). Er ist Vorstandsmitglied der Schweizerischen Vereinigung für Verkehrspsychologie.

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