Frauen schaffen es nach oben – auch ohne Extrabehandlung

Die Nationalratswahlen beweisen, dass es keine Quoten braucht, damit Kandidatinnen zum Zug kommen.

Erfolgreich gewählt, auch ohne Fraunequote: die bisherige SP Nationalrätin Claudia Friedl (l.) zusammen mit der Franziska Ryser von den Grünen. Foto: Eddy Risch (Keystone)

Erfolgreich gewählt, auch ohne Fraunequote: die bisherige SP Nationalrätin Claudia Friedl (l.) zusammen mit der Franziska Ryser von den Grünen. Foto: Eddy Risch (Keystone)

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Nicht nur der Triumph der zwei grünen Parteien gab am Wahlwochenende zu reden, auch was die Vertretung der Frauen anbelangt, geschah Historisches: Ihr Anteil im Nationalrat erhöhte sich von 32 auf 42 Prozent. Damit befindet sich die Schweiz im europäischen Vergleich plötzlich nicht mehr auf einer hinteren Position, sondern weit vorne.

Diese Entwicklung ist nicht nur zu begrüssen, weil damit die Bevölkerung im Rat besser abgebildet ist, sondern auch, weil sie beweist: Frauen brauchen keine Quoten, keine Extrabehandlung, um nach oben zu kommen. Wenn sich genügend gute Frauen mit Ambitionen zur Verfügung stellen, dann machen sie auch ihren Weg.

Tendenziell war dies schon früher so: Je mehr Frauen kandidierten, desto mehr wurden gewählt. Dieses Mal traf dies überproportional zu. Auf den Wahllisten betrug der Frauenanteil 40 Prozent, im Rat beträgt er nun 42 Prozent. Das heisst: Die Chance, gewählt zu werden, war für Kandidatinnen sogar etwas grösser als für Kandidaten.

Von Diskriminierung also keine Spur. Ähnliches gilt auch für Kaderstellen in der Privatwirtschaft. Zwar ist die Ungleichheit dort nach wie vor gross, dies hat aber weniger damit zu tun, dass Firmen Frauen ausschliessen – im Gegenteil: überall werden verzweifelt Frauen gesucht –, sondern dass sich nur wenige für solche Jobs zur Verfügung stellen.

In der Politik dürfte das Frauen­thema nun an Bedeutung verlieren. Das ist gut so. Ausgerechnet der konservative Kanton Thurgau zeigt, wie es geht. Seit einigen Jahren wird er von einer Frauenmehrheit regiert, nun schickt er auch 50 Prozent Frauen in den Nationalrat. Für grosse Diskussionen sorgt dies nicht. Warum auch?

So ist es hoffentlich bald überall: Qualifikation und Inhalte sollen entscheidend sein, nicht das Geschlecht.



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Erstellt: 27.10.2019, 15:57 Uhr

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