Frostiger Empfang für Iqbal Khan bei der UBS

Die Anstellung des prominenten ehemaligen CS-Bankers stösst auf Skepsis.

Auf Hochglanz poliert: So heisst die UBS ihre Kunden in der renovierten Schalterhalle am Hauptsitz in Zürich willkommen. Foto: Martin Rütschi/UBS

Auf Hochglanz poliert: So heisst die UBS ihre Kunden in der renovierten Schalterhalle am Hauptsitz in Zürich willkommen. Foto: Martin Rütschi/UBS

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Am Dienstag startete Iqbal Khan bei der UBS als Co-Chef der internationalen Vermögensverwaltung. Er sei «überglücklich, Teil des Teams zu sein», schrieb er in einer Mitteilung an seine Mitarbeiter. Als ihr Chef und Kollege könnten sie von ihm Fairness erwarten sowie leidenschaftliches Engagement für die Kunden der Bank. «Es gibt für mich nichts Wichtigeres, als Wert für unsere Kunden zu schaffen», schrieb Khan, der bis Ende Juni in ähnlicher Funktion bei der Credit Suisse tätig gewesen war.

Sein unüblich schneller ­Wechsel zur UBS stand bis zuletzt auf der Kippe. Die jüngsten Ereignisse um seine Person, sein verbissener Streit mit seinem ehemaligen Vorgesetzten Tidjane Thiam sorgten bei seinem neuen Arbeitgeber für Fassungslosigkeit. Wie die SonntagsZeitung erfuhr, gab es in den obersten Führungsebenen der UBS denn auch erhebliche Zweifel an Iqbal Khan, dem 43-jährigen Banking-Überflieger. Der Tenor in Gesprächen mit Kaderleuten lautet: «Wenn nur die Hälfte stimmt von dem, was jüngst bekannt wurde, ist Khan ein absolutes No-go».

UBS-Präsident Axel Weber dürften die Schlagzeilen in den letzten Wochen ebenfalls nicht gefallen haben. In einem Video-Interview äusserte er sich auffallend distanziert zum «Wunderkind» («Schweizer Illustrierte»). Auf die Frage, ob Khan noch der richtige Mann sei, wich Weber aus. UBS-Sprecher Mark Hengel sagt zur SonntagsZeitung: «Wir kommentieren weder Spekulationen noch Gerüchte anonymer Quellen. Wie schon mehrfach gesagt, freuen wir uns, das Iqbal Khan bei UBS ist.»

Khans Ambitionen, CEO ­Sergio Ermotti zu beerben, dürften für die nächsten Jahre vom Tisch sein. Stattdessen steigen die Chancen von Sabine Keller-Busse. Das sehen selbst die Fans des ehrgeizigen Bankers so. Zumal Khan bei der UBS einen ähnlichen Job machen wird wie bei seinem alten Arbeitgeber und so seine Banking-Erfahrungen nicht wesentlich verbreitern kann.

Während Iqbal Khans Ambitionen vorerstvom Tisch sind,steigen die Chancen von Sabine ­Keller-Busse. Foto: PD

Ist Khans Erfolgsmodell auf Sand gebaut?

Iqbal Khan war bei der Credit Suisse seit 2015 für die internationale Vermögensverwaltung zuständig. Es gelang seinem Team, in dieser Zeit viel Neugeld anzuziehen. Gleichzeitig ­drehte Khan an der­ Kostenschraube, indem er sich von Beratern trennte, die zu wenig Geld aus den Kundendepots herauspressten. Der Betriebsgewinn der Einheit legte von 700 Millionen auf 1,8 Milliarden Franken zu. Gleichzeitig verbesserte sich die Marge des Geschäfts deutlich.

Schnell galt Iqbal Khan als der aufgehende Stern innerhalb der Credit Suisse. Bei näherer Betrachtung stellt man aber fest, dass der Erfolg zum Teil auf Sand gebaut ist. Seine Berater vergaben im grossen Stil Kredite an ihre Kunden, die an den Märkten damit ein ­grösseres Rad drehen konnten. Das liess die Kommissionen sprudeln und das Neugeld in die Höhe schiessen. Das ­gedopte Börsenspiel funktioniert jedoch nur so lange, wie die Aktien steigen.

Drehen die Märkte ins Minus, zahlen die Kunden die Kredite wieder zurück und trennen sich von ihren Positionen, was die Einnahmen der Bank einbrechen lässt. Das zuvor gewonnene Neugeld löst sich so in Luft auf. Und so kam es: Im ersten und zweiten Quartal dieses Jahres fing der Motor an zu stottern. Khans Stern im CS-Universum begann zu sinken.

Er hätte sich nicht in seines Chefs Nacken setzen sollen

Was in den ersten Monaten des Jahres geschah, ist entscheidend, um die Eskalation in den vergange­nen Wochen zu verstehen. Im Februar baute Thiam die Geschäftsleitung um. Dabei rückte mit Lara Warner eine Frau ins oberste Gremium nach, die das Potenzial besitzt, Chefin der Bank zu werden.

Ausserdem zeigte sich immer klarer, dass Thomas Gottstein mit seiner Schweizer Einheit einen exzellenten Job machte. Der Schweiz-Chef war der Einzige, der die harten Vorgaben erfüllen konnte, die Thiam bei seinem Amtsantritt gesetzt hatte. Doch Gottstein ­hängte das nicht an die grosse Glocke. Alle anderen Divisionen verfehlten die Vorgaben.

Dazu kamen die schwelenden privaten Probleme, die Khan mit seinem Vorgesetzten hatte. Anfang Jahr kam es zu der ominösen Cocktailparty im Hause Thiam. Dort soll es zum Streit mit seinem Gastgeber gekommen sein. Entzündet habe sich dieser an Thuja-Bäumen, die der CS-Chef aufstellen liess, um sich vor den Blicken seines direkten Nachbarn und Mitarbeiters Khan besser schützen zu können. Die Bäume verdarben Khan allerdings die Seesicht. Zum Krach wäre es nie gekommen, wenn Khan die Sensibilität besessen hätte, seine Backsteinvilla nicht direkt oberhalb seines Chefs hinzustellen und sich buchstäblich in dessen Nacken zu setzen.

Khan weigerte sich, Gerüchte über Wechsel zu dementieren

Spätestens nach diesem privaten Zerwürfnis muss es Khan gedämmert haben, dass ihm die Felle langsam davonschwimmen und dass Thiam den Chefsessel nie freiwillig für ihn räumen würde. Also ergriff er die Flucht nach vorn. Ein Glücksfall für ihn war, dass sein ehemaliger Credit-Suisse-­Kollege Romeo Lacher im Januar für den Job als Präsident der Bank Bär vorgeschlagen worden war. Die beiden führten Gespräche, und es wurde bald klar, dass Khan der ­nächste Chef von Julius Bär werden könnte.

Der Banker suchte in dieser Zeit den Kontakt zu einem der am besten vernetzten PR-Berater der Schweiz, der ihn fortan coachte. Khan litt angeblich stark darunter, dass ihm in der Schweiz der grosse öffentliche Auftritt bislang verwehrt wurde. Doch Interviews in Schweizer Medien sah die Kommunikationsstrategie der Bank nun mal nicht vor. Mit dem eigenen PR-Mandat setzte sich Khan über interne Regeln hinweg.

Im März tauchten dann die ersten Medienberichte über einen bevorstehenden Wechsel von Khan zu Julius Bär auf. Richtig Schub bekam die Spekulation, als die Nachrichtenagentur Reuters Ende März auf die Story einstieg.

In den folgenden Wochen kam es immer wieder zu neuen Medienberichten. Mal hiess es, er ginge zu Goldman Sachs, dann wieder, zu J.P. Morgan, wo er angeblich die weltweite Vermögensverwaltung hätte übernehmen sollen.

Innerhalb der Credit Suisse wollte man Klarheit. Khan solle zu den Berichten Stellung nehmen, und wenn sie denn nicht stimmen würden, müsse er sie dementieren. Doch der 43-Jährige weigerte sich, das zu tun.

Kurze Kündigungsfrist bleibt ein grosses Mysterium

Stattdessen soll Khan mit der Offerte von Julius Bär in der Hinterhand den Posten von Tidjane Thiam gefordert haben, wie mehrere Quellen sagen. Doch der Banker blitzte mit seinem Vorhaben ab. Auch sein Versuch, wenigstens das Asien-Geschäft unter seine ­Fittiche zu bekommen, scheiterte.

Inzwischen wurde es auch ­Julius Bär zu bunt; die Bank stellte Khan ihrerseits vor ein Ultimatum. Entweder du unterschreibst, oder wir lassen es bleiben. Khan liess die Offerte sausen.

Bei der CS aber war das Geschirr definitiv zerschlagen. Nicht nur bei Thiam hatte sich der Banker ins Offside manövriert, auch bei seinen Kollegen in der Geschäftsleitung war er isoliert. «Man wollte ihn so schnell wie möglich loshaben», sagt ein Vertrauter.

Dies geschah denn auch. Ende Juni verliess Khan die CS. Die Abgangsmodalitäten wurden offenbar zwischen Präsident Urs Rohner und Khan ausgehandelt. Sie beinhalten eine unüblich kurze Kündigungsfrist von nur drei ­Monaten. Dafür, weshalb ihn der Präsident der Grossbank so schnell zur direkten Konkurrenz ziehen liess, gibt es keine schlüssige Erklärung. Das bleibt weiterhin ein grosses Mysterium.



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Erstellt: 06.10.2019, 08:20 Uhr

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