Für freisinnige Verhältnisse ist das schon fast revolutionär

Mit ihrem neuen Klimapapier streift die FDP ihr «Fuck de Planet»-Image ab und öffnet damit die Tür für eine grosse Klimaallianz.

«Umwelt ist eine Herzensangelegenheit»: Parteipräsidentin Petra Gössi wirbt für eine Klimapolitik mit «liberaler Signatur». Video: SDA

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Fuck de Planet», war gestern. Jetzt ist die FDP grüner und umweltbewusster – eine andere Partei als noch vor einem halben Jahr, als sie auf der Strasse von den Klimademonstranten verunglimpft wurde. Im neuen Positionspapier spricht sich die FDP für eine Flugticketabgabe aus, für eine Lenkungsabgabe auf Benzin und Diesel, sie will sogar den CO2 bis 2050 auf netto null reduzieren – was dem Kernanliegen der Gletscherinitiative entspricht. Für freisinnige Verhältnisse ist das fast schon revolutionär.

Der Kurswechsel hat seinen Preis. Die FDP muss Prinzipien aufgeben: weniger Freiheiten für die Bürgerinnen und Bürger, mehr Steuern, Abgaben und Staat. Das alles tut einem freisinnig Denkenden weh. Doch letztlich hat eine Mehrheit in der Partei eingesehen, dass es nicht mehr anders geht, um den Klimawandel zu bremsen. Diese Leute wollen jetzt handeln und das Problem nicht künftigen Generationen überlassen.

Parteichefin Petra Gössi ging ein Risiko ein, als sie ausgerechnet in einem Wahljahr eine Grundsatzdebatte einleitete. Die meisten Experten hätten ihr davon abgeraten. Die letzten Monate waren denn auch begleitet von Misstönen, internen Querelen, Indiskretionen und Spott aus anderen Parteien. Mit dem Ergebnis kann Gössi mehr als zufrieden sein. Sie ist die grosse Siegerin – zumindest für den Moment.

Am Ziel ist Gössi erst, wenn sie die Wahlen im Herbst nicht verliert – und die Bundeshausfraktion umschwenkt. Als es kürzlich darum ging, die Pestizidbelastung zu senken, mochte die Fraktion noch nicht mitmachen. Nach dem Votum der Basis werden den Skeptikern aber die Argumente ausgehen, um sich nicht bewegen zu müssen. Lenken sie ein, ist vieles möglich: Manche dürften jetzt schon von einer grossen Klimaallianz von Grünen bis FDP träumen.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 22.06.2019, 23:23 Uhr

Artikel zum Thema

So will die FDP das Klima retten

Die FDP hat ihre Vorstellungen einer liberalen Umweltpolitik vorgestellt. Sie gliedert ihre Anliegen in vier Bereiche. Eine Übersicht. Mehr...

Neuer grüner Kurs: Ein Sieg für Petra Gössi

Die FDP hat ihr Klimapapier in entscheidenden Punkten verschärft. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kunst in der Luft: Seifenblasen machen Spass vor dem Louvre in Paris. (19. Juli 2019)
(Bild: Alain Jocard) Mehr...