Für Hund und Katz ist jeden Tag Weihnachten

Weideschaf und Wagyubeef: Der Premiummarkt für Tiernahrung boomt in der Schweiz.

Täglicher Festschmaus: Tierhalter achten auf natur­belassene Nahrung und artgerechte Haltung. Foto: Getty Images

Täglicher Festschmaus: Tierhalter achten auf natur­belassene Nahrung und artgerechte Haltung. Foto: Getty Images

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Die Kreationen lassen dem Gourmet das Wasser im Munde zusammenlaufen: Poulet mit Pastinaken, Brombeeren und Löwenzahn. Black Angus, Weideschaf oder Lachs mit Wildreis ­stehen ebenfalls auf dem Menü. Aufgetischt werden sie nicht im Sternerestaurant – es sind die Ingredienzen für Hunde- und Katzennahrung.

Immer mehr Tierhalter kaufen ihren Vierbeinern nur das Beste. In Büchsen verpackte Fleischabfälle wollen sie ihren Liebsten nicht zumuten. Stattdessen servieren die Hunde- und Katzenbesitzer das, was sie selbst auch mögen. Für den Handel und die Industrie ist teures Tierfutter ein einträgliches Geschäft. Der grösste Schweizer Betreiber von Haustiershops, Qualipet, hat sein Angebot an hochwertiger Nahrung für Vierbeiner stark erweitert. «Wir haben den Anteil des Premiumsegments inklusive hochwertigen Eigenmarken innerhalb eines Jahres um ein Drittel ausgebaut», sagt Qualipet-Chef Rolf Boffa.

Auserlesen: Huhn mit Pastinaken, Kamille und Löwenzahn. Foto: PD

Der Trend zu bewusster Ernährung schwappt vom Teller in den Fressnapf. Bio gewinnt an Beliebtheit. Tierhalter achten auf artgerechte und naturbelassene Produkte. Sie wollen genau wissen, woher das Fleisch im Futter kommt und was sonst noch drinsteckt. Immer öfter steht auf den Verpackungen deshalb auch, was nicht enthalten ist. «Halter meiden beim Tierfutter, was sie selbst nicht essen. Weizen, Gluten oder Geschmacksverstärker zum Beispiel», sagt Boffa.

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Konsumenten erachten getreide- oder glutenfreie Nahrung als gesünder, selbst wenn ihr Tier keinerlei Allergien hat. Dafür sind sie bereit, mehr Geld auszugeben. «Für Haustiere werden oft keine Kosten gescheut – besonders bei deren Ernährung», sagt Eveline Stocker, Marketingverantwortliche beim Tierfachmarkt Fressnapf.

Hundefutter teurer als Bio-Corned-Beef

Die Preise für die Leckereien sind entsprechend hoch. Ein Glas ­Deluxe Weideschaf für den Hund kostet im Handel 2.80 Franken je 100 Gramm. Dafür setzt der Hersteller auch auf artgerechte Tierhaltung und verzichtet auf Geschmacksverstärker und andere Zusatzstoffe. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Corned Beef in Bioqualität gibts bei Coop für 2.50 Franken – für den menschlichen Verzehr. «Wenn es um Haustiere geht, sind und bleiben Schweizerinnen und Schweizer ausgabefreudig», heisst es beim Marktforschungsinstitut GFK.

Festschmaus: Lamm mit Vollkorngerste. Foto: PD

Wie lukrativ die Herstellung von Tierfutter ist, zeigen die Zahlen von Nestlé. Keine Produktkategorie des Schweizer Nahrungsmittelmultis erzielt derart hohe Gewinnspannen wie Tiernahrung. Die operative Marge betrug im ­vergangenen Jahr 21 Prozent, viel mehr als beispielsweise die Fertigmahlzeiten, die 15 Prozent erreichten, oder Süssigkeiten (14 Prozent). Nestlé-Chef Mark Schneider verspricht sich weiterhin viel vom ­Geschäft. «Haustiere werden vom Menschen mehr und mehr als ­vollwertige Mitglieder der Hausgemeinschaft gesehen», sagte er jüngst an einer Investorenkonferenz. «Dementsprechend bedeutend ist die Bereitschaft, Geld für sie auszugeben.» Schneider will die Rezepturen noch stärker auf natürliche Zutaten umstellen.

Premium: Black Angus für den Hund. Foto: PD

Um sicherzustellen, dass ihre Vierbeiner so naturbelassen wie möglich essen, gehen viele Halter noch einen Schritt weiter: Sie bereiten das Futter gleich selbst zu. Die Fachmärkte haben ihre Filialen deshalb mit Kühltruhen aufgerüstet. Bei Qualipet gibt es sogar Fleischtheken. Dort können Kunden frisches Fleisch kaufen. Bücher geben Anleitungen mit zahlreichen Rezepten für die ausgewogene Ernährung der Haustiere.

Als Beigabe zur Fleisch-­Rohkost stehen viele Extras zur Auswahl: spezielle pflanzliche Öle aus ungesättigten Fettsäuren für 40 Franken pro 250-ml-Flasche beispielsweise oder Reisflocken mit Gemüse und Kräutern. Auch Grünlippen­muschelextrakt, Hagenbuttenpulver und Seealgenmehl gibt es als Ergänzung zur vollwertigen Mahlzeit. Den Trend hin zu hausgemachter Haustierkost hält Qualipet-Chef Rolf Boffa nicht für ein kurzfristiges Phänomen. Das Unternehmen habe einen sechsstelligen Betrag in den Kauf von Tiefkühltregalen investiert.

Wolfsbarsch und Wagyubeef für den Hund im Hotel

Nicht nur daheim erhalten Haustiere kulinarische Köstlichkeiten. In einigen Hotels sind Hunde gern gesehene Gäste. Das Fünfsternhaus Kempinski in St. Moritz ­beispielsweise hat spezielle Mahlzeiten für sie im Angebot. Die ­Menükarte klingt nicht nur für Hunde ansprechend. Vom Schweizer Rindsfilet über Wolfsbarsch bis zum Wagyubeef reicht die Auswahl. Je nach Wunsch gebraten, gegrillt, pochiert oder gedämpft. Kohlenhydrate gibt es bei Bedarf als Beilage.

Auch das Hotel Schweizerhof in Bern heisst Hunde ausdrücklich willkommen. Zum speziellen ­Begrüssungspaket gehört ein Hundemenü.

Nachhaltig: Weideschaf-Menü. Foto: PD

Und falls die Vierbeiner nach dem Festtagsschmaus Kilos zugelegt haben, hat der ­Handel die geeignete Antwort parat. Das Sortiment an Diätprodukten für übergewichtige Hunde und Katzen ist breit. Trotz Magerkost sollen sie ­keine schlechte Laune bekommen. Das kalorienreduzierte Futter enthält laut dem Hersteller viele Ballaststoffe, um «ein Hungergefühl und Betteln zu vermeiden».


Video: «Das waren die Bilder des Jahres»

Bildredaktor Boris Müller über Trumps Fake-Triumph und den berührenden Abschied von toten Rockstars. (Video: Lea Koch, Nicolas Fäs)

Erstellt: 23.12.2017, 22:05 Uhr

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