Gegen digitale Frauenhasser helfen altbewährte Mittel

Offenbar haben mehr Männer, als man glaubt, ein Problem damit, dass Frauen nicht mehr die unterwürfigen Wesen von früher sind.

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Wer regelmässig soziale Medien nutzt, auf Facebook oder Twitter Kommentare liest, ­verliert gelegentlich den Glauben an das Gute im Menschen. Zwar verhält sich die grosse Mehrheit anständig, artikuliert sachlich oder ist im besten Fall gar lustig – nicht wenige Zeitgenossen verlieren online aber gerne die Nerven, sie ­poltern und pöbeln, beschimpfen und beleidigen, einzelne drohen sogar unmissverständlich mit Gewalt. So sehr soziale Medien die Menschen online miteinander verbindet, so asozial ist in den Debatten oft der Umgangston untereinander.

Vor allem wenn es um Politik geht. Dann ­werden Linke schnell zu «dummen ­Gutmenschen» und Rechte zu «Nazis». Offenkundig wird dabei, ganz unabhängig von den ideologischen Lagern, vor allem eines: Die grosse Mehrheit der digitalen Wutbürger sind Männer – und erschreckend oft richtet sich ihr Hass ­spezifisch gegen Frauen. Als ob Simonetta ­Sommaruga oder Natalie Rickli für alle Übel ihrer Existenz persönlich verantwortlich wären.

«Gewisse Männer ­entwickeln den kranken Drang, ­verletzen zu wollen.»

Anhören müssen sie sich nicht nur sexistische Kommentare, die sich um Alter, Aussehen, Frisur oder Kleidung der Frauen drehen. Gewisse Männer scheuen nicht davor zurück, auch offen mit Vergewaltigung oder anderer ­körperlicher Gewalt zu drohen. Allein vor ihrem Computer, verlieren sie jegliche Hemmungen und entwickeln irgendwie den kranken Drang, das ­andere Geschlecht herabwürdigen und verletzen zu wollen.

Blosser Zufall ist diese Entwicklung nicht. In den letzten Jahren haben nicht nur soziale Medien und Digitalisierung unsere Gesellschaft umgepflügt, sondern auch das Verhältnis der Geschlechter hat sich grundlegend verschoben. Offenbar gibt es weitaus mehr Männer, als man sich vorstellen kann, die ein Problem damit haben, dass Frauen nicht mehr die unterwürfigen und zweitklassigen Wesen von früher sind. Ihrem Frust darüber können sie anscheinend nirgends besser Lauf lassen als in den sozialen Medien, wo sie mit geringstmöglichem Aufwand grösstmögliche Aufmerksamkeit erreichen. Wenn zwei der wichtigsten Bewegungen unserer Zeit – Digitalisierung und Emanzipation – aufeinanderprallen, entsteht die neue, toxische Spezies des digitalen Frauenhassers.

Aber gerade dank der neuen Kanäle und Netzwerke können sich Frauen heute auch viel besser wehren, die Angriffe dokumentieren und die Öffentlichkeit – inklusive Strafverfolgungsbehörden – für das Problem sensibilisieren. Selbst in den modernsten Zeiten bleiben es ­letztlich die altbewährten Methoden, die bei Hass und Gewalt am besten wirken: Täter konfrontieren, ihn wenn nötig blossstellen und ohne Mitleid sanktionieren.

Erstellt: 06.01.2019, 09:20 Uhr

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