Gesundheitsminister Berset muss endlich seine Aufgabe wahrnehmen

Novartis hat mit der Forderung von 4 Millionen Franken für eine einzige Behandlung den Bogen überspannt.

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Unser Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt. Das ist die gute Nachricht. Unser Gesundheitswesen ist aber auch eines der teuersten; das ist die logische Kehrseite der Medaille. Damit nicht genug. Das viele Geld, das wir zu zahlen bereit sind, ist wie ein Honigtopf, an dem sich viele gütlich tun.

Einerseits sind da Spezialärzte, die es in öffentlichen Spitälern und grösstenteils finanziert durch die Krankenkassen und den Steuerzahler auf Saläre von über einer Million Franken bringen. Andererseits ist da die Pharmaindustrie, die – gestützt durch effiziente Lobby­isten – in Bern eine viel zu grosse Macht errungen hat.

Nur so ist es zu erklären, dass sie Gesetzesänderungen erzwingen konnte, die dazu führen, dass man Krankheiten einfach segmentieren und zu seltenen Spezialfällen erklären kann. Nur damit der Hersteller mehr Geld für die Medikamente bekommt.

Gesundheits­minister Berset müsste die Diskussion anstossen. Aber er hüllt sich in Schweigen.

Gleichzeitig nimmt man es in Kauf, dass Frühgeborene sterben, weil die Therapie zu teuer ist, oder dass alte Menschen regelrecht enteignet werden, weil die Krankenkassen die Therapien nicht zahlen wollen. Aber da gibt es natürlich nicht so viel zu verdienen. Da müsste man vielleicht nur ein paar Pfleger mehr bezahlen.

Was fehlt, ist die politische Ehrlichkeit, nämlich dass man den Bürgern sagt, es brauche heute ein faires Abwägen zwischen all den vielen Möglichkeiten der modernen Medizin, weil eine Totalversorgung unbezahlbar ist.

Genau das fordert die Ethikerin Tanja Krones, und genau dafür fehlt der Mut. Eigentlich wäre es an Gesundheits­minister Alain Berset, die Diskussion anzustossen. Aber er hüllt sich in Schweigen und zeigt sich lieber an Kulturfestivals. Dort gibt es mehr Applaus als bei einem heiklen ethischen Diskurs.

Schon einmal war der Basler Konzern durch überrissene Forderungen ungewollt zum Trendsetter geworden. 

Immerhin eine Hoffnung gibt es: Mit der Forderung von vier Millionen Franken für eine ein­zige Behandlung hat Novartis den Bogen überspannt. Schon einmal war der Basler Konzern durch überrissene Forderungen ungewollt zum Trendsetter geworden. Nicht bei den Medikamenten, sondern bei den Löhnen seiner CEOs.

Daniel Vasella war jahrelang einer der bestverdienenden Manager, mit Bezügen von bis zu 44 Millionen Franken im Jahr, wie Ethos-Präsident Dominique Biedermann einmal vorrechnete. Geschrieben wurde viel, aber passiert ist erst etwas, als herauskam, dass Vasella für seinen goldenen Abgang einen Beratervertrag von 72 Millionen Franken ausgehandelt hatte. Er musste unter öffentlichem Druck darauf verzichten und verhalf der Abzockerinitiative von Thomas Minder zum Sieg.

Immerhin sind seither die Spitzenlöhne in der Pharmaindustrie und bei den Banken auf gut die Hälfte gesunken. Würde bei den Medikamenten dasselbe passieren, wäre das ein hoffnungsvoller Anfang. Wenn nicht, dann erleben wir den Start in eine neue Runde von Kostensteigerungen, die bald einmal nicht mehr finanzierbar sind.

Erstellt: 17.11.2018, 22:48 Uhr

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