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Glückliche Elefanten und ein Gespenst ohne Kopf

Sonntagsausflug nach Basel, wo eine Reise durch die Jahrhunderte im Zoo beginnt – und dort auch endet.

Elefantenanlage Tembea: Die Dickhäuter müssen sich bewegen, um ans Essenzu kommen Foto: Torben Weber
Elefantenanlage Tembea: Die Dickhäuter müssen sich bewegen, um ans Essenzu kommen Foto: Torben Weber

Tembea – tönt wie eine exotische Insel. Und so wirkt sie auch, die neue Elefantenanlage: Tembea – die jüngste Attraktion im Basler Zoo.

Am späten Vormittag ist Wellness angesagt: Malayka, Maya, Rosi und Heri ziehen sich ins Elefantenhaus zurück, wo der Tierpfleger sie erwartet. Nägel schleifen, Ohren putzen, Nase schneuzen. Zum Schluss die Gewichtskontrolle: Vier Tonnen bringen sie auf die Waage. Jede der vier Damen streckt stämmige Füsse, riesige Segelohren und den kräftigen Rüsselschlauch durchs Eisengitter, das Mensch und Tier trennt. «Dieser geschützte Kontakt ist die neue Doktrin in der Elefantenhaltung», erklärt Zoo-Kurator Adrian Bau­meyer. «Früher, als die Pfleger direkt zu den Tieren gehen konnten, mussten sie sich mit dominantem Auftreten Respekt verschaffen. Heute gehen Mensch und Elefant viel entspannter miteinander um. Und sie riskieren weniger!»

Derweil nützt Jack in der Freiluftanlage die Gunst der Stunde. Aus einer verborgenen Ecke kommt er hervorgetrottet, reckt den Rüssel in die Höhe und zupft frisches Laub aus einem Netz, das an einer Art Kranausleger baumelt. In Betonblöcken, die an Baobab-Bäume erinnern, sind Vertiefungen ein­gelassen, aus denen der Elefant, wenn er sich geschickt anstellt, Rüebli, Fenchel und anderes Gemüse fischen kann. «Das ist eine weitere Neuerung im Tembea-Konzept», sagt Baumeyer. «Das Futter wird nicht mehr auf dem Silber­tablett serviert. Die Tiere müssen schlau sein, wenn sie bei diesem Spiel gewinnen wollen.»

Mehr als Zolli, Joggeli und Leckerli

Da geht es dem afrikanischen Elefanten ganz ähnlich wie dem Touristen, der mehr von der Stadt am Rheinknie sehen will als Zolli, Joggeli und Leckerli.

Wer schlau ist, verspielt und gut zu Fuss, geht zurück zum Hauptbahnhof – es sind nur gut zehn Minuten vom Zoo –, erkundigt sich im Tourismusbüro nach der Erlebnistour und lässt sich für 33 Franken ein Blech-Etui aus­händigen. Darin warten 17 Auf­gaben; jede Lösung führt zu einem neuen Ziel. Mit ­jeder Station wird die Stadt ein Stück vertrauter. Und manchmal fast schon unheimlich.

Es grüssen die Mutter der Nation und der Lällekönig

Das fängt bei der ersten Aufgabe an – genau da, wo wir stehen, im Hauptbahnhof. Es fehlt nämlich ein Gleis. Aber welches? Mit Aberglaube, versichert Karte Nummer 1 im Erlebnistour-Spiel, habe das vermisste Gleis so wenig zu tun wie mit der Unglückszahl: Gleis 13 sei einfach nicht für den Publikumsverkehr bestimmt. Und das Datum des heutigen Tages – Freitag, der 13. – ist natürlich nichts als reiner Zufall …

Verwinkelte Gässchen, an denen die Jahrhunderte spurlos vorbeigegangen sind, führen, vorbei am letzten Basilisken, einer furchterregenden Drachenfigur mit Raubvogelkopf, zu einer Terrasse hoch über dem Rhein. Die Pfalz hinter dem Münster gilt als zweitschönster Aussichtspunkt der Stadt, seit die Teppichetage im Roche- Tower, dem höchsten Gebäude des Landes, noch mehr Weitblick gewährt.

Ganz in der Nähe hockt die Mutter der Nation, mit Bronze- Patina überzogen, auf einer Brüstung am Kopf der Mittleren Brücke und schaut, mit einer Spur Empörung im Blick, von der Kleinbasler Seite über den Fluss. Wer ist dieser ungehobelte Kerl, der ihr am anderen Ende der Brücke frech die herausgestreckte Zunge präsentiert? Es ist die Fratze vom Lällekönig, sie prangt an einer Ecke des Rheintors und gilt vielen als Basler Wahrzeichen.Eine buchstäblich atemberaubende Stiege führt hinauf zum Spalenberg, wo im Renaissancebau Spiesshof tagsüber Anwälte und Notare über Paragrafen brüten und nachts der Wiedertäufer David ­Joris umgeht – zwei Doggen begleiten ihn, unterm Arm hält er seinen Kopf, der ihm 1556 abgeschlagen worden war.

Nach gut vier Stunden endet die Tour am Tinguely-Brunnen mit einer unlösbaren Aufgabe. Wie viele Eisenplastiken klappern im Wasser? Die Hälfte von ihnen führt zum Ziel – aber wie teile ich neun durch zwei und komme auf eine ganze Zahl?

Von der grossen Kreuzung, die Heuwaage heisst, ist es nicht mehr weit bis zum – genau, zum Zolli! Das Ticket von heute Morgen ist noch immer gültig.

Von einer Empore aus lässt sich Tembea, das Elefanten- Schlaraffenland, gut überblicken. Eine schwarze Frau beobachtet durchs Fernrohr, wie Malayka, Maya, Rosi und Heri sich aus dem Netz am Kran und den Löchern im Beton ihr Abendessen erarbeiten. «Äxgüsi! Wissen Sie, was Tembea bedeutet?» Die Frau lächelt. «Klar. In der Kisuaheli-Sprache bedeutet das in Bewegung sein, unterwegs sein. Oder einfach nur laufen.»

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