Glücklicher Besamer

«Sperminator» Ari Nagel ist 33-facher Vater – zehn weitere Kinder sind unterwegs.

«Letzte Woche ging ich mit 13 Müttern und Kindern zum Lunch»: Ari Nagel. Bild: Splashnews/Dukas

«Letzte Woche ging ich mit 13 Müttern und Kindern zum Lunch»: Ari Nagel. Bild: Splashnews/Dukas

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Offensichtlich kinderlieb ist er, der Mathematikprofessor. Ari Nagel wird von seinen Kids bedrängt, wie er auf dem 42. Stock des Parker-Hotels in Midtown Manhattan beim Pool zum Interview empfängt. Tristan, 8, geht planschen, doch Schwesterchen Avery, 4, würde lieber mit Daddy spielen. Jacob im neongelben T-Shirt hantiert bedrohlich mit einer gigantischen Wasserpistole.

Die drei Kinder haben einen Vater, aber drei verschiedene Mütter. Nagel ist nämlich dafür bekannt, dass er reihenweise Frauen schwängert, die von ihm ein Kind wünschen. Bereits 33-mal haben seine Samen erfolgreich menschliche Eizellen befruchtet. Seit 2016 berichtet die «New York Post» an jedem Vatertag über den «Sperminator», wie sie den 42-Jährigen in Anlehnung an Arnold Schwarzenegger nennt.

Nagel lacht über den Namen, der bereits als Titel eines kurzen Dokumentarfilms über ihn verwendet wurde. «Es ist kein übler Spitzname, denn wer mag Arnold nicht», sagt er. «Es wäre mir aber lieber, wenn in meinem Namen nicht Sperma drin wäre. Für meine Kids bin ich nicht Sperminator; sie nennen mich Dad.»

Mit einer aussergewöhnlichen Fruchtbarkeit gesegnet

Der multiple Fortpflanzer – zehn weitere Kinder mit seinen Genen sind angeblich «in Öfen» – legt Wert darauf, dass er ein echter Vater sein möchte. Nagel nimmt an Geburtstagspartys teil und versucht, seine Kinder so oft wie möglich zu sehen. «Letzte Woche ging ich mit 13 Müttern und Kindern zum Lunch», erzählt er. Leider habe er das Geld nicht gehabt, für das ­Vatertagsessen aufzukommen. Es sei ihm unangenehm gewesen, von den Frauen eingeladen zu werden. «Eigentlich müsste es umgekehrt sein. Aber ich habe noch keinen Weg gefunden, das, was ich tue, in Geld umzumünzen.»

Der begnadete Begatter sagt, er biete seine Dienste unentgeltlich an. Nagel ist mit einer unüblich hohen Spermienzahl von mehreren Hundert Millionen pro Milli­liter gesegnet. Daneben fänden Frauen attraktiv, dass er gross gewachsen sei, blaue Augen habe und jüdischer Herkunft sei. «Als wichtigste Eigenschaft möchte ich aber weitergeben, dass ich einfach eine ‹happy person› bin.»

Dann erzählt Nagel freimütig, wie er vorgeht. Seinen ersten, heute 14-jährigen Sohn zeugte er noch in einer Zweierbeziehung. Vor zehn Jahren begann er, Kinderwünsche von fremden Frauen zu erfüllen, zunächst auf «altmodische Weise». Inzwischen verzichtet er auf Geschlechtsverkehr und übergibt den Frauen seinen Samen auf anderem Weg.

Hohe Beweglichkeit der Samenzellen

Bei jüngeren Frauen funktioniere die Methode mit dem Menstruationsbecher gut, sagt Nagel. Zum Beispiel sei er in einem Target-Warenhaus auf die Herrentoilette gegangen, habe onaniert und das Resultat in einem weichen Kunststoffbehälter weitergereicht. Die Frau sei anschliessend auf das Damen-WC gegangen und habe den Becher eingeführt, um das Ejakulat genau vor ihrem Muttermund zu platzieren. Den Rest besorgte dann die hohe Beweglichkeit von Nagels Samenzellen.

Frauen über 40 benötigen gemäss Nagels Erfahrung oft die Hilfe der In-vitro-Befruchtung ausserhalb des Körpers. «Vor drei Wochen bin ich mit einer Frau deswegen nach Europa geflogen», sagt er. «Es war eine Amerikanerin, aber die Prozedur ist in den USA so viel teurer.»

Kinderreichtum lernte Ari Nagel als Kind in einer jüdisch-orthodoxen Familie kennen. Seine sieben Geschwister haben ihren Eltern bereits 26 Enkel beschert – dazu kommen die 33 von Ari. Vater und Mutter sind über den unorthodoxen Lebensstil ihres wenig religiösen Sohns alles andere als erfreut. «Ich brachte Schande über meine Familie, als ich vor zwei Jahren auf dem Titelblatt der ‹Post› abgebildet war», erzählt er. Inzwischen hätten sich die Eltern damit abgefunden, dass er ihrem konservativen Vorbild nicht nachlebe.

Schon fünfmal wegen zu tiefer Alimente verklagt

Auch die Behörden merkten nach der Titelstory auf. Der Staat New York verlangte, Nagel müsse als Samenspender eine Lizenz zur «Verbreitung von menschlichem Gewebe» erwerben. Doch ein Gespräch legte die Kontroverse bei, und jetzt lässt man ihn in Ruhe.

In Israel hingegen beisst Nagel auf Granit. Nach dortigen Gesetzen muss sich ein Mann entweder zur vollen Vaterschaft verpflichten oder in völliger Anonymität Samen spenden. Wenn er mit Namen zur Besamung stehe, sei dies in Israel illegal, sagt Nagel. «Deshalb kommt eine zur Mutterschaft entschlossene Frau nicht an mein eingefrorenes Sperma heran.»

Nagel zeichnet seine vielfachen Vaterschaften in rosa Farben. Einzelne Mütter bestätigen das Bild. «Wir könnten nicht glücklicher sein», sagt Leigh, die mit ihrer lesbischen Frau Liz dank Nagel den vierjährigen Sohn Elijah aufzieht. «Ari ist Teil unserer Familie. Er sieht seinen Sohn alle paar Monate, und Elijah liebt ihn.» Aktuell sei sie erneut mit einem Nagel-Kind schwanger, sagt Leigh.

Fünfmal wegen Alimente verklagt

Andere Frauen seien ihm jedoch gram geworden, bekennt Nagel. Fünfmal wurde er wegen ungenügender Alimente verklagt. Das polygame Hobby kostet ihn viel Geld. «Von meinen 112'000 Dollar Jahreslohn als Matheprofessor blieben letztes Jahr nur 45'000 übrig», sagt der serielle Vater.

Wer in Ari Nagel einen ekligen Perversen oder unerträglichen Narzissten vermutet, den widerlegt er mit seiner Frohnatur und Offenheit. Er kann die Frage nachvollziehen, was für ein Vater er für seine 33 Kinder denn sein könne. Die Alternative seien jedoch Kinderlosigkeit oder anonyme Samenspenden. «Ich möchte glauben, als Vater bin ich besser als nichts.»

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.07.2018, 16:08 Uhr

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