Haefner zieht rote Linie zu Vekselberg

Der Schmolz+Bickenbach-Grossaktionär fürchtet sich vor US-Sanktionen – morgen entscheidet die Finanzmarktaufsicht.

Geheimklausel: Martin Haefner (links) und Viktor Vekselberg. Fotos: PD

Geheimklausel: Martin Haefner (links) und Viktor Vekselberg. Fotos: PD

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Wie schnell sich doch alles ändern kann. Noch am letzten Sonntag veröffentlichte die von Viktor Vekselberg beherrschte ­Liwet Holding in der SonntagsZeitung einen offenen Brief an Martin Haefner. Darin ging es um die umstrittene Kapitalerhöhung beim Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach (S+B). «Wir können nicht Ja sagen zu einem Vorgehen, das einseitige Interessen verfolgt und 82,5 Prozent der Aktionäre benachteiligt», hiess es im offenen Brief. Und weiter: «Es kann nicht sein, dass Sie, Herr Haefner, mit 17,5 Prozent Anteil an S+B, allein den 82,5 Prozent Mitaktionären die Bedingungen diktieren.»

Am Montag kam alles anders. Die beiden Grossaktionäre, die zusammen 43 Prozent der Anteile halten, einigten sich auf Kosten der Minderheitsaktionäre. Unter Vorbehalt der Zustimmung der Finanzmarktaufsicht (Finma) kann Haefner seinen Anteil auf 37,5 Prozent erhöhen, obwohl er beim Überschreiten der 33-Prozent-Grenze den übrigen Aktionären ein Angebot machen müsste. Das würde teuer, denn laut Gesetz muss der gebotene Preis mindestens gleich hoch sein wie der Durchschnittskurs der letzten sechzig Börsentage oder wie der höchste Preis, den Haefner in den vergangenen zwölf Monaten für Beteiligungspapiere von S+B bezahlt hat. Der höhere Wert gilt. Laut Vertretern von Liwet und von Haefner dürfte der Angebotspreis darum bei 49 Rappen pro Aktie liegen, mehr als dem Doppelten des aktuellen Börsenpreises. Aus Sicht der Minderheitsaktionäre würde die Finma, wenn sie dem Deal zustimmt, Haefner ein Geschenk von 390 Millionen Franken machen.

Druck auf die Finma von allen Seiten

Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, über den es eine geheime Abmachung gibt: Vekselberg unterliegt wegen seiner angeblichen Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin Sanktionen der USA. Haefner, als Besitzer der Amag, die eng mit Volkswagen zusammenarbeitet, kann es sich unter keinen Umständen leisten, auch nur in den Verdacht zu kommen, Vekselberg bei der Umgehung von Sanktionen zu helfen. In einem solchen Fall könnte er selbst unter Sanktionen der USA fallen, und Volkswagen würde ihn sofort fallen lassen. Im Fall eines Zwangsangebots könnte Vekselberg seine Aktien aber nach Schweizer Recht Haefner andienen. Darum wurde dies beim Deal am Montag ausdrücklich ausgeschlossen.

Derweil wird von allen Seiten höchster Druck auf die Finma ausgeübt, den Deal durchzuwinken und Haefner eine Ausnahmebewilligung zuzugestehen, die ihn vor der Angebotspflicht befreit. Eine Gratwanderung, denn eigentlich hat die Übernahmekommission vor zwei Wochen entschieden, dass das nicht geht.

Unterstützung erhält Haefners Sanierungsplan vom mächtigen Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, Swissmem, wie auch von der Luzerner Kantonsregierung und von Luzerner Parlamentariern. Diese intervenierten sowohl bei Wirtschafts­minister Guy Parmelin wie auch bei Ueli Maurer, in dessen Finanzdepartement die Zuständigkeit über die Finma fällt. Diese wird sich entscheiden müssen, ob sie politisch entscheidet oder für die Minderheitsaktionäre.



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Erstellt: 08.12.2019, 18:32 Uhr

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