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Hanfzigaretten sind der Renner – und schrecken den Zoll auf

Die Hanfmarke «Heimat» ist im Handel ständig ausverkauft. Sie interessiert ausländische Investoren und ruft den österreichischen Zoll auf den Plan.

«Heimat»-Gründer Roger Koch: «Wir wurden von der Nachfrage völlig überrollt.»
«Heimat»-Gründer Roger Koch: «Wir wurden von der Nachfrage völlig überrollt.»
Daniel Ammann
Legale Glimmstängel: Die Zigis schmecken wie ein Joint, machen aber nicht high.
Legale Glimmstängel: Die Zigis schmecken wie ein Joint, machen aber nicht high.
Daniel Ammann
Hanf-Hype: Bereits melden sich Investoren aus Dubai und den USA bei der jungen Firma.
Hanf-Hype: Bereits melden sich Investoren aus Dubai und den USA bei der jungen Firma.
Daniel Ammann
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Aus den Boxen röhrt Mundart-Pop der Berner Band Lo & Leduc, unterlegt vom Rattern der Maschinen. Tabak liegt zum Trocknen auf Plastikfolien, an der Wand hängt ein Schild: «Rauchen verboten!» In der kleinen Fabrik im sanktgallischen Steinach, die den Garagen-Groove eines Start-ups verströmt, läuft die Produktion der Hanfzigaretten namens «Heimat» auf Hochtouren. Roger Koch, ­Erfinder der Hanfzigaretten und Sohn eines ehemaligen CVP-Regierungsrats, erwog zunächst den Namen «Highmat», liess das aber schnell wieder fallen. Es hätte, sagt Koch, «die Marke beschädigt».

Diese Woche war der offizielle Verkaufsstart der Hanfkippen. Seit letztem Montag sind sie in 700 Verkaufsstellen von Coop erhältlich – theoretisch. Denn Jungunter­nehmer Koch hat ein Problem: Er kommt mit Produzieren gar nicht mehr nach. Bereits Mitte Woche waren die Hanfzigis «in den meisten Filialen ausverkauft», sagt Coop-Sprecher Ramon Gander. Daran habe sich bis Ende Woche nichts geändert. «Wir bekommen zwar laufend neue Lieferungen, aber die Zigaretten sind sofort ­wieder weg.» Das gelte auch für die Filialen in Liechtenstein.

Neuer Hanfboom

Die Zigaretten der Koch & Gsell Tabakfabrikanten AG bescheren der Schweiz einen neuerlichen kleinen Hanfboom. Allein über den Onlineshop des Unternehmens gingen 2000 Bestellungen ein – geordert werden einzelne Schachteln bis zu mehrere Stangen. Angeboten werden die Hanfzigis neu auch in Filialen der Supermarktkette Spar. Sie seien «seit dieser Woche im Sortiment», heisst es in der Firmenzentrale der Spar-Gruppe Schweiz.

Rund 10'000 Schachteln werden in der Fabrik in Steinach pro Woche produziert – ausliefern könnte man viel mehr. «Die Nachfrage ist drei- bis fünfmal so hoch», sagt Koch. «Wir wurden völlig überrollt.»

Inzwischen hat er auf 2-Schicht-Betrieb umgestellt und das Personal von 7 auf 14 Mitarbeiter aufgestockt. Ab 6 Uhr in der Früh wird 16 Stunden nonstop produziert. «Abends sind die Maschinen völlig überhitzt», sagt Koch. «Um 22 Uhr müssen wir sie deshalb abschalten.»

19.90 Franken pro Päckchen

Die maschinell hergestellten Hanfzigis, abgepackt in handels­übliche Schachteln mit 20 Glimmstängeln für 19.90 Franken, sind in der Schweiz legal. Dies, weil der ­darin enthaltene Anteil von Tetrahydrocannabinol (THC) unter 1 Prozent liegt. THC ist der Wirkstoff aus der Cannabispflanze, der den Rauscheffekt auslöst. Hanfprodukte, die diesen Effekt erzielen wollen, haben meist einen THC-Anteil von 15 Prozent und mehr. Dagegen sind die Marihuana-Glimmstängel aus der Ostschweiz Schwachstrom: Sie riechen zwar wie ein Joint, machen aber wegen des geringen THC-Gehalts nicht high. Trotzdem rollte bereits vor der offiziellen Lancierung eine Welle der Kritik an.

Präventionsexperten warnen vor dem «gefährlichen ­Lifestyleprodukt», das so schädlich sei wie herkömmliche Zigaretten und gerade auf Jugendliche anziehend wirken könne. Auch beim Bundesamt für Gesundheit sieht man Risiken. «Weil die Hanf­zigaretten den gleichen Geschmack haben wie Drogenhanf, kann ein gewisser Gewöhnungseffekt nicht ausgeschlossen werden», heisst es bei der Gesundheitsbehörde.

«Mich stört dieser ganze Betreuungswahn»

Mit solchen Einwänden muss man Roger Koch nicht kommen. «Mich stört dieser ganze Betreuungswahn», sagt der ehemalige Seklehrer und Vater von fünf ­Kindern. «Man bringt Jugendliche nicht zur Mündigkeit, wenn man sie vor allem bewahrt.»

Seine erste Zigarette rauchte er mit 12, mit dem Segen von Grossvater Ernst Gsell, der selber ein leidenschaftlicher Raucher war. Er erzählte seinem Enkel damals von der Tradition des Tabakanbaus in der Schweiz. Seither liess ihn diese Idee nicht mehr los. Inzwischen ist der Hype um die Hanfzigarette bis in den New ­Yorker Finanzdistrikt gedrungen. «Diese Woche rief mich eine Investorengruppe von der Wallstreet an», sagt Koch. «Auch Investoren aus Dubai und Indien haben ihr Interesse angemeldet, bei uns ­einzusteigen.»

Geldgeber kann der Ostschweizer Tabakfabrikant brauchen – er will schliesslich expandieren. Aber es sollen Schweizer Anleger sein. «Ich habe 120 Gespräche geführt, bisher wollte keiner einsteigen», sagt Koch. Vielleicht ändere sich das jetzt – mit den vollen Auftragsbüchern.

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