Herr Bundesanwalt, klären Sie den Fall Bundesanwalt auf!

Michael Lauber sollte über Geheimtreffen wie jenes mit dem Fifa-Boss informieren. Jetzt.

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Die Bundesanwaltschaft steckt in ihrer grössten Krise, seit Michael Lauber die Leitung übernahm. Nach sieben für die skandalerprobte Behörde eher ruhigen Jahren fliegt dem Bundesanwalt derzeit alles um die Ohren. Am meisten Aufsehen erregen Verfehlungen bei den Fifa-Ermittlungen. Lauber persönlich droht ein Disziplinarverfahren, weil er ein informelles Treffen mit Weltfussball-Präsident Gianni Infantino verschwieg.

Die Zusammenkunft im Berner Nobelhotel Schweizerhof datiert vom 16. Juni 2017. Der Zeitpunkt ist heikel: Kein halbes Jahr nach dem Geheimtreffen stellte die Bundesanwaltschaft Korruptionsermittlungen ein, in denen eine Unterschrift von Ex-Uefa-Rechtschef Infantino eine zentrale Rolle spielte. Und nun beteuern alle Beteiligten, sie könnten sich an nichts erinnern, was sie in der Schweizerhof-Bar besprachen. Das macht die Sache dubios.

Das System Lauber ist eines Rechtsstaates unwürdig.

Die denkwürdige Episode zeigt: Das System Lauber, wie es in diesem Fall betrieben wurde, ist eines Rechtsstaates unwürdig. Die Geheimtreffen ohne jede Dokumentation dürfen nicht weitergehen.

Der Bundesanwalt wird nun von Journalisten und Parlamentarierinnen als «manipulativ» beschrieben und zum Rücktritt aufgefordert. Das ist falsch und voreilig. Vergessen geht in der hitzigen Diskussion, dass Lauber seine Treffen kaum durchführte, weil er sich einen Jasmintee auf Spesen erhoffte oder weitere Berühmtheiten kennen lernen und dann bevorteilen wollte.

Die informellen Sitzungen dienten dazu, vertrackte Verfahren voranzubringen – gerade solche gegen raffgierige Sportfunktionäre oder Banken, mit denen sich Lauber viele Feinde schaffte. Will er seinen ehemals guten Ruf als Korruptionsbekämpfer wiedererlangen, muss er schnellstens den Fall Lauber aufklären – auch öffentlich. Sonst schadet er nicht nur sich, sondern vor allem der Behörde, die er führt.



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Erstellt: 21.04.2019, 00:29 Uhr

«Will Michael Lauber seinen Ruf als Korruptionsbekämpfer wiedererlangen, muss er schnellstens aufklären – auch öffentlich.» (Bild: Keystone )

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