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Hilfsorganisationen sind nicht einfach die Guten

Warum es wichtig ist, auch die Aktivitäten von Greenpeace, WWF oder Oxfam zu hinterfragen.

Der WWF soll in mehreren Ländern para­militärische Kräfte unterstützen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben, berichtete das Onlinemagazin «Buzzfeed» letzte Woche. Die Umweltorganisation Greenpeace führt eine Kampagne gegen die Zerlegung von Schiffen an den Stränden von Bangladesh – und lässt zu, dass ihre berühmte Rainbow Warrior II nun genau dort abgewrackt wird. Vor einem Jahr wurde bekannt, dass Mitarbeiter der Entwicklungs­organisation Oxfam in Haiti Frauen ausgebeutet und Sex als Gegenleistung für Hilfe in Not­situationen verlangt haben – Oxfam hielt die ­Vorfälle sieben Jahre unter dem Deckel. Seither sind weitere Fälle bekannt geworden und ähn­liche Fälle bei anderen Hilfsorganisationen.

Höchste Zeit, dass die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ihren Heiligenschein ablegen und vom hohen Ross der moralischen Über­legenheit heruntersteigen. Sie stellen die Welt gern schwarzweiss dar, als Kampf der Guten (sie selbst) gegen die Bösen (Wirtschaft, Konzerne), Moral gegen Geld, David gegen Goliath. ­Dabei sind sie längst ­selbst multinationale Grossunternehmen.

Firmen müssen Gewinne erzielen, um ihre Aufgaben wahrzunehmen, NGOs brauchen Spenden.

Oxfam verbucht Einnahmen von rund 1,3 Milliarden Franken, die Gelder stammen zu einem grossen Teil von der öffentlichen Hand. Greenpeace ist ein Multi mit schätzungsweise 400 Millionen Franken Einnahmen. Sie spielen locker mit in der Liga der weltgrössten PR-Organisationen. Dabei unterscheiden sie sich nicht wesentlich von Firmen oder Wirtschaftsverbänden. Sie alle vertreten die Interessen einer Gruppe von Menschen mit gemeinsamen Zielen. Firmen müssen Gewinne erzielen, um ihre Aufgaben wahrzunehmen, NGOs brauchen Spenden. Deshalb geht es ihnen nicht nur um das Thema an sich, sondern immer auch um Aufmerk­samkeit. Je mehr Alarmismus und Aufregung, desto mehr Spenden, desto mehr neue Kampagnen. Wie bei Unternehmen geht es um Wachstum und Mehrung des Einflusses.

Gut gegen Böse, Alarmismus und Skandal: NGOs sind für Medien attraktiv. Dass das ­Lobbying der NGOs mit Heiligenschein daherkommt, hilft. Ihre Aktionen, «Studien» und Stellungnahmen werden oft nicht wie Lobbying behandelt und nicht ­derselben kritischen Prüfung unterzogen wie bei anderen Interessenvertretern. So nimmt der Medienverantwortliche von Public Eye an einem Recherchetag für Journalisten teil, denn man müsse eben unterscheiden zwischen «herkömmlicher» PR (böse Konzerne) und ­«notwendiger» PR (gute NGOs).

NGOs spielen in der Gesellschaft eine wichtige Rolle, sie machen auf Probleme aufmerksam und können vernachlässigten Interessen Gehör ­verschaffen. Aber ihre Aussagen, Aktivitäten und ­Wirkungen müssen genauso kritisch hinterfragt werden wie andere auch. Der deklarierte gute Zweck darf nicht immun machen gegen Kritik. Die Skandale um WWF, Oxfam und Greenpeace machen klar: Alle gesellschaftlichen Institutionen müssen sorgfältig überwacht werden. Auch NGOs.

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