Humorwächter im Anmarsch

Der SRF-Ombudsmann rügt Michael Elsener wegen Sexismus. So kann man die Satire gleich sein lassen.

Was er über Ronja Jansen, Präsidentin der Juso, gesagt hat, war sexistisch. Sagt der Ombudsmann. Michael Elsener auf einem Archivbild. Foto: 20min

Was er über Ronja Jansen, Präsidentin der Juso, gesagt hat, war sexistisch. Sagt der Ombudsmann. Michael Elsener auf einem Archivbild. Foto: 20min

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Vor zwei Wochen interviewte Satiriker Michael Elsener in seiner SRF-Sendung «Late update» SP-Parteipräsident Christian Levrat. Hierzu schlüpfte Elsener in eine andere Rolle: Mit Perücke verkleidet gab er sich als deutscher Fernsehjournalist Frank-Walter Froschmeier aus, der etwas über die Schweizer Wahlen erfahren möchte. Der ungestüme Froschmeier fragte Levrat etwa, weshalb ein Franzose wie er überhaupt in der Schweiz kandidieren dürfe. Zudem bezeichnete er die neue Juso-Präsidentin Ronja Jansen als «Miss Juso» und als «heiss». Elsener wollte offensichtlich aufzeigen, wie der SP-Parteipräsident auf einen solch derben Interviewer reagiert.

Ronja Jansen legte umgehend Beschwerde beim SRF-Ombudsmann ein. Der Beitrag sei sexistisch gewesen. Ihre Intervention ist nachvollziehbar. Es ist Wahlkampf, da nutzt man jede Gelegenheit zur Generierung von Aufmerksamkeit. Weniger verständlich ist hingegen, dass ihr Ombudsmann Roger Blum nun recht gibt.

Soll eine Kunstfigur wie Viktor Giacobbos Harry Hasler fortan keine deplatzierten Sprüche mehr reissen? Auch nicht, wenn es darum geht, durch die überspitzte Darstellung auf ein Problem wie Sexismus aufmerksam zu machen? Blums Urteil löste unter Satirikern Empörung aus. «Ombudsmann, you’re drunk», twitterte etwa Gabriel Vetter. Giacobbo meinte: «Wenn sich eine Arschloch-Kunstfigur nicht mehr wie ein Arschloch äussern darf, kann man nur noch moralisch-korrekte Figuren spielen. Das wird spannend!»

In seinem Bericht geht Blum auf diesen Einwand ein – wenn auch mit einer etwas gar konstruierten Begründung. Er findet, eine Kunstfigur müsse «typengerecht» sein. Bei Harry Hasler sei dies der Fall, bei Frank-Walter Froschmeier nicht. «Ist es typisch für deutsche Journalisten, dass sie sexistisch sind?», fragt er. Mit anderen Worten: Elseners Figur ist für Humorwächter Blum nicht nur jenseits des Akzeptablen sexistisch, sondern auch deutschenfeindlich.

Man kann in einem solchen Fall nur für mehr Gelassenheit plädieren. Dafür, auch mal zu lachen, anstatt immer gleich «Diskriminierung» zu schreien. Sonst kann man die Satire gleich sein lassen.



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Erstellt: 19.10.2019, 23:58 Uhr

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