«Eine Formel für den perfekten Song gibt es nicht»

Sie schreibt Songs für Ed Sheeran, Gwen Stefani und Justin Bieber. Nun singt Julia Michaels selber. Warum?

«Du hoffst, dass du etwas Einzigartiges schreibst»: Julia Michaels gelingt das erstaunlich oft.

«Du hoffst, dass du etwas Einzigartiges schreibst»: Julia Michaels gelingt das erstaunlich oft. Bild: Catie Laffoon

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Julia Michaels steht auf der Bühne und singt in Zürich ihre eigenen Songs. Das Teenagerpublikum, das auf den ehemaligen One-Direc­tion-Boy Niall Horan wartet, singt mit. Dabei ist das Rampenlicht für die Amerikanerin noch neu. Besser kennt sie die Arbeit im Hintergrund, wo sie Hits für Justin ­Bieber, Ed Sheeran, Gwen Stefani und Selena Gomez geschrieben hat.

Vor ihrem Konzert sprach die 24-Jährige über das Songschreiben und über das Dasein als Sängerin, deren Songs millionenfach ge­streamt werden.

Gibt es den perfekten Song?
Nein. Die Popmusik hat sich über all die Jahre so stark verändert, und jedes Jahr klingt Pop anders. Eine Formel für den perfekten Song gibt es nicht.

Aber erreichen Sie beim Songschreiben nie den Punkt, an dem Sie wissen: Dieser Song wird einschlagen?
Ich sage nie: Oh, das wird garantiert ein Hit! Es ist eher ein Gefühl, das mir sagt: Wow, da passiert nun etwas Besonderes.

Wie wurden Sie zur gefragten Songwriterin bei den Popstars von heute?
Als ich 17 war, begann ich, Songs zu schreiben. Im überschaubaren Musikbusiness funktioniert vieles mittels Mundpropaganda: Die Leute sprechen über dich, empfehlen dich weiter. Ob man es dann wirklich schafft, hängt zu 40 Prozent davon ab, wen du kennst – der Rest ist Talent. Du hoffst natürlich immer, dass du diese 60 Prozent Talent besitzt und dass du nicht total versagst.

Sie schreiben Songs meistens in Songwritercamps, in kleinen Teams. Wie muss man sich diese Arbeit vorstellen?
Man trifft sich etwa in einem Haus im Niemandsland mit zehn anderen Leuten. Dann hoffst du, dass du etwas Einzigartiges schreibst. Du machst Mittags­pause, gehst zurück an die Arbeit, isst zu Abend, und dann wiederholt sich das Tag für Tag. Irgendwann, so nach einer Woche, denkst du: Cool, nun habe ich aber genug, und sagst deinen Kollegen: Habt Spass, bis bald!

Gibt es in diesen Camps kein Konkurrenzdenken?
Alle wollen, dass der Vibe stimmt. Man hilft einander, wenn man das Gefühl hat: Da stimmt etwas noch nicht mit diesem Song, vielleicht passt diese Melodie besser.

Vor zwei Jahren entschieden Sie sich, Ihre eigenen Songs zu singen. Warum?
Im Leben jedes Songwriters passiert es, dass man auf einmal einen Song schreibt, der zu persönlich ist. Einen, den man nicht einfach weggeben kann.

Dieser Song war bei Ihnen «Issues», der seither hundertmillionenfach gestreamt wurde.
Ich habe «Issues» geschrieben, nachdem ich Streit mit einem Ex-Freund hatte. Wenn dieser Song jemand anderes gesungen hätte, wäre das nicht richtig gewesen. Ich hätte dann immer gedacht: Dieser Sänger kennt ja die Geschichte hinter dem Song gar nicht.

Nun sind Sie Songwriterin und Sängerin, jetzt haben Sie den Song «Jump» veröffentlicht. Wie vertragen sich Ihre beiden Karrieren?
Ich hoffe, dass ich weiterhin beides machen kann, weil beides zu mir gehört – auch wenn es durch das Touren immer schwieriger wird.

Eines Ihrer Idole ist Linda Perry. Sie war Sängerin der Band 4 Non Blondes und wurde erst später zur Songwriterin für Popstars wie Christina Aguilera.
Perry ist sicher ein Vorbild für mich. In ihren Songs holt sie die verschiedensten Emotionen aus diesen «Badass»-Musikerinnen heraus. Genau das will ich auch erreichen.

Erstellt: 05.05.2018, 18:04 Uhr

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