Im Fall Vincenz droht die Verjährung

Die Strafuntersuchung rund um die Kreditkartenfirma Aduno wird zum Testfall für die Strafjustiz.

Kluge Taktik: Pierin Vincenz. Foto: PD

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Die ausgeklügelte Strategie von Pierin Vincenz’ Verteidigung legt die Zürcher Staatsanwaltschaft lahm. Der Grund: Bei Vincenz und anderen Beschuldigten wurden vor einem Jahr Hausdurchsuchungen durchgeführt, bei denen Com­puter und Dokumente beschlagnahmt wurden. Diese würde die Staatsanwaltschaft gerne auswerten. Das kann sie aber nicht, weil sie versiegelt sind und die Entsiegelung unendlich langsam ist.

Dass das so harzig geht, ist auf die Taktik der Verteidigung zurückzuführen. Normalerweise werden in einem solchen Verfahren private Mails und Dokumente ausgesondert, der Rest wird freigegeben. Gestritten wird üblicherweise nur darüber, was allenfalls doch nicht privat ist. Nicht so in diesem Fall; hier wird um jedes einzelne Dokument gestritten. Bei der Staatsanwaltschaft heisst es dazu, das Zwangsmassnahmengericht des Bezirksgerichts Zürich sei für das Verfahren zuständig. Sprecher Erich Wenzinger: «Die Entsiegelungsverfahren dauern seit dem letzten Herbst an.» Warum dauert das so lange? Wenzinger: «Es braucht für jedes einzelne Dokument einen gerichtlichen Entscheid.» Das ist die Taktik von Strafverteidiger Lorenz Erni. Sie verzögert die Anklage und gibt gegen aussen den Eindruck, dass es nicht vorwärtsgeht. Und nicht zuletzt: Es rückt den Fall, der das ganze Verfahren ausgelöst hat, in die Nähe der Verjährung. Dabei geht es um den Kauf der Firma Commtrain durch die Kreditkartenfirma Aduno im Jahr 2007. Vincenz war als Raiffeisen-Chef von Amtes wegen Präsident des Aduno-Verwaltungsrats. Zur fraglichen Zeit war Beat Stocker der Chef von Aduno. Stocker und Vincenz waren schon länger miteinander im Geschäft. Inzwischen ist klar, dass sie zusammen privat an dem Kauf 1,8 Millionen Franken verdient haben. Laut Strafanzeige besteht darum der Verdacht der ungetreuen Geschäftsbesorgung.

Der Fall ist gut dokumentiert, doch wenn es Erni gelingt, dass bis 2022 kein Urteil ergeht, ist er verjährt. Wenn sich die Anklage weiter verzögert, ist dies durchaus möglich. Seit der ersten Strafanzeige ist der Fall zwar erweitert worden. So kamen nebst dem Fall Aduno/Commtrain zwei neue Fälle rund um die Firmen Eurokaution und Genève Credit & Leasing hinzu. Zudem hat Raiffeisen eine Strafanzeige wegen persönlicher Verwicklungen von Vincenz und Stocker beim Kauf der Firma ­Investnet eingereicht. Strafverteidiger Erni wollte keine Stellung nehmen.Arthur Rutishauser

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 09.06.2019, 19:14 Uhr

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