Im Hotel lebt es sich oft günstiger als in der eigenen Ferienwohnung

Wer kein halbes Jahr im Feriendomizil entspannt, zahlt in gewissen Regionen drauf, zeigt eine neue Studie. Die Details.

Im Schnitt muss ein Eigentümer 19 Wochen in seiner Ferienwohnung verbringen, damit die Kosten im Vergleich zur Hotelübernachtung geringer ausfallen. Foto: Caro / Dittrich

Im Schnitt muss ein Eigentümer 19 Wochen in seiner Ferienwohnung verbringen, damit die Kosten im Vergleich zur Hotelübernachtung geringer ausfallen. Foto: Caro / Dittrich

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Die Aussicht ist traumhaft, die Bergluft gibt neue Energie, die Ruhe lässt den Alltag vergessen – wenn da nur nicht das streitende Pärchen im Nebenzimmer wäre. Und die ein bisschen zu weiche Matratze. Und beim Frühstücksbuffet sind die Eier nicht wachsweich, sondern ziegelsteinhart. Schon Details können das entspannende Wochenende im Hotel empfindlich stören.

Dieses Risiko besteht nicht, wenn man eine Ferienwohnung besitzt. Das eigene Bett, die eigene Einrichtung und auswärts essen nur dann, wenn man wirklich Lust drauf hat. Doch so praktisch und angenehm der Besitz einer eigenen Bleibe am See oder in den Bergen ist – es rechnet sich oft nicht, zeigt die neue Immo-Monitoring-Studie des Immobiliendienstleisters Wüest Partner.

Hotelzimmer im mittleren Segment werden günstiger

Für ihre Untersuchung haben die Autoren die durchschnittlichen Zimmerpreise für ein Mittelklassehotel – also Hotels der Klasse 3 Sterne Superior bis 4 Sterne – den Marktpreisen für eine 75-Quadratmeter-Eigentumswohnung in der gleichen Region im Jahr 2018 gegenübergestellt. Dann haben sie errechnet, wie oft die Eigentümer ihre Wohnung nutzen müssen, damit es sich gegenüber dem Aufenthalt im Hotel finanziell lohnt.

Dabei gingen sie von Haltungskosten von 5 Prozent des Kaufpreises pro Jahr aus. Neben den Finanzierungskosten setzen sich diese unter anderem auch aus Unterhalts- und Betriebskosten, etwa für Strom oder Instandhaltung, zusammen. Das Ergebnis: Im Schnitt müssten die Besitzer einer Ferienwohnung in der Schweiz 19 Wochen lang dort wohnen, damit die Wohnung günstiger kommt als ein Besuch im Hotel.

Das liegt auch daran, dass die Zimmerpreise für Hotels im mittleren Segment in den vergangenen Jahren unter Druck gerieten. Der Verband Hotelleriesuisse macht dafür neben der Wirtschaftslage in Europa auch den harten Wettbewerb in den alpinen Regionen mit Destinationen in den Nachbarländern Österreich, Deutschland, Italien und Frankreich verantwortlich.

In den Städten komme hinzu, dass sich das Bettenangebot stark erhöhe – auch abseits der klassischen Hotellerie. Es sei auch eine Vielzahl von Angeboten durch die Sharing Economy, etwa Airbnb, auf den Markt gekommen, so eine Sprecherin des Verbands. Die Folge: In vielen Tourismus­regionen in Graubünden sowie in Zürich oder am Genfersee könnte man ein halbes Jahr im Hotel leben, und es wäre günstiger als der Unterhalt einer Ferienwohnung.

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Die Autoren gingen dabei allerdings davon aus, dass die Ferienwohnungen nicht weitervermietet werden. Je nach Saison können Wohnungsbesitzer auf diese Weise einen grossen Teil der Kosten wieder hereinholen, wenn nicht sogar Gewinn machen. Doch ein grosser Teil der Eigentümer tut das nicht. «An vielen Destinationen vermieten deutlich mehr als 50 Prozent der Besitzer ihre Wohnungen in der ungenutzten Zeit nicht», sagt Robert Weinert, der das Immo-Monitoring von Wüest Partner leitet.

Finanzielle Überlegungen stünden aber oft nicht im Fokus, wenn jemand eine Ferienwohnung kauft, so Weinert. Unter anderem liege das daran, dass den Besitzern ­Flexibilität wichtig sei. «In der Schweiz sind die Ferienwohnungen oft relativ schnell vom Wohnort aus erreichbar», sagt er. «Und dann will man diese auch kurzfristig nutzen können. Beispielsweise für spontane Wochenend-Tripps bei schönem Wetter.» Oft würden sich die Besitzer aber auch aus persönlichen Gründen gegen eine Vermietung entschliessen. «Man lässt zum Beispiel sehr private Dinge in der Wohnung, während man sie nicht nutzt.»

Wertsteigerung kann die Wohnung lukrativer machen

Was in den Berechnungen nicht enthalten ist, ist eine potenzielle Wertsteigerung der Immobilie. Bei den Berechnungen ging man von Kaufpreisen des Jahres 2018 aus. Befinde sich eine Wohnung aber bereits länger im Eigentum der Besitzer, könne es sein, dass sie in den vergangenen Jahren an Wert gewonnen habe. Dann könnte sie anlagetechnisch doch Sinn machen.

Diesen Aspekt habe man bewusst nicht mit einbezogen, so Weinert, weil die Entwicklung der Preise an den touristischen Destinationen in der Schweiz sehr unterschiedlich verlaufe. «Während bei den Ferienwohnungen zum Beispiel auf der Lenzerheide, in Arosa oder in Andermatt in den letzten fünf Jahren eine Wertsteigerung stattfand, entwickelte sich das in anderen Gegenden, etwa dem Engadin, gegenteilig.»

Erstellt: 13.04.2019, 19:59 Uhr

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