Das steht in islamischen Schulbüchern

In den Lehrmitteln sehe man, welche Werte eine Gesellschaft vermittle, sagt Bestseller-Autor Constantin Schreiber. Er ist auf Erschreckendes gestossen.

«Die Welt wird aufgeteilt in Gut und Böse»: Constantin Schreiber über Ideologisierung in muslimischen Schulen. Fotos: Malte Jäger

«Die Welt wird aufgeteilt in Gut und Böse»: Constantin Schreiber über Ideologisierung in muslimischen Schulen. Fotos: Malte Jäger

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Mit seinem Buch «Inside Islam» löste er vor zwei Jahren eine grosse Debatte aus. Jetzt legt Constantin Schreiber, Moderator der ARD-«Tagesschau» und als Journalist viele Jahre im arabischen Raum tätig, sein neues Werk vor. In «Kinder des Koran. Was muslimische Kinder lernen» geht er der Frage nach, welche Werte Schulbücher in islamisch geprägten Ländern vermitteln – und kritisiert das Weltbild, mit dem viele Flüchtlingskinder nach Deutschland oder in die Schweiz kommen.

Herr Schreiber, was hat Sie auf die Idee gebracht, über 100 islamische Schulbücher zu sichten?
Wir diskutieren darüber, wo sich muslimische Gesellschaften heute in Sachen Freiheiten und Grundhaltungen befinden, ob sie wirklich so einseitig frauenfeindlich ticken. Doch das bleibt meist Spekulation. In den Schulbüchern sehen wir es – da steht schwarz auf weiss, welche Werte vermittelt werden.

Nämlich?
Ich bin auf vieles gestossen, was mich erschreckt hat: Das äusserst rückständige Frauenbild, Antisemitismus, auch Hass wird geschürt. In den Schulbüchern, die ich angeschaut habe, geht es nicht darum, junge Menschen zu bilden und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich frei ihren Interessen gemäss zu entwickeln. Es geht um Ideologisierung.

Können Sie Beispiele nennen?
Die Welt wird aufgeteilt in Gut und Böse. Das zog sich durch alle Bücher. Es gibt ein «wir» und ein «die». Es gibt die Feinde, das sind häufig die Feinde des Islam. Damit ist der Westen gemeint. Ein afghanisches Schulbuch für den Religionsunterricht in der zehnten Klasse warnt vor den «Ungläubigen». Wer nicht dem Islam folge, befinde sich in einem «Irrtum» und verdiene es, «gequält zu werden». An anderer Stelle lernen die Schüler, dass die Muslime als «bestes Volk» Andersgläubigen überlegen sind. Wer «andere Elemente mit Gott zusammen» anbete, werde «in die Hölle gehen» und dort «Leid und Qualen erleiden».

Damit sind Christen gemeint?
Offenbar wegen der heiligen Dreieinigkeit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Sieht es in den anderen Ländern ähnlich aus?
Im Iran taucht in einem Ethik-Schulbuch eine Abbildung auf, die zeigt, wie amerikanische Soldaten auf Leichenbergen von Müttern, Kindern und Greisen eine US-Flagge hissen.

Man kann den Eindruck gewinnen, dass in diesen Schulen religiöse Fanatiker herangezogen werden. Ist das nicht übertrieben?
Es ist nicht alles schlecht, was ich zu lesen bekam, das möchte ich betonen. An Schulen in Ägypten wird schon früh Philosophie gelehrt, und die Naturwissenschaften haben häufig ein gutes Niveau, da wird auch Mathematik auf hohem Level vermittelt. Aber in einem iranischen Schulbuch wird das Kapitel zur Vektor-Rechnung mit Militärraketen bebildert. Die Botschaft: Wenn du gut in Mathematik bist, kannst auch du eines Tages Raketen bauen. Das mögen extreme Beispiele sein, aber in der grossen Mehrzahl der Schulbücher, die ich angeschaut habe, befinden sich mehr oder weniger heftige antiwestliche Tendenzen.

Was hat Sie am meisten erschreckt?
Das mittelalterliche Frauenbild, das gezeichnet wird. Niemand erwartet, dass der Mainstream in diesen Ländern unserem westlichen Rollenverständnis entspricht. Aber das so explizit und drastisch aufgeschrieben zu sehen, habe ich nicht erwartet.

Woran denken Sie?
Frauen und Männern werden andere Lebensbereiche zugeschrieben, sie sind – über das Körperliche hinaus – verschieden. Frauen sind grundsätzlich schön und schützenswert, Männer lüstern und gierig. In einem ägyptischen Schulbuch zur Haushaltkunde bekommen «dicke und dünne Mädchen» Stylingunterricht. Die dicken, so steht es dort, sollen keine engen Kleider und keine breiten Gürtel tragen. Der Glaube, dass sie das dünner aussehen lasse, sei ein «Irrglaube». Ägyptische Mädchen lernen also in der Schule, dass ihr oberstes Ziel sein sollte, ihrem Ehemann zu gefallen, und ihr Platz das Heim ist. Ein iranisches Schulbuch elaboriert pseudowissenschaftlich, warum die Geschlechtertrennung notwendig ist, und behauptet, dass sie auch im Westen auf dem Vormarsch sei. Frauen sollten «nicht aufreizend» sprechen, heisst es da, und müssten sich bedecken. Sie seien wie Juwelen, die man beschützen und wegschliessen müsse. Frauen, die unzureichend verhüllt seien, brächten sich in Gefahr.

Weil der Mann nicht mehr an sich halten kann, sobald er eine Frau sieht?
Ja, was auch für die Männer eine spezielle Zuschreibung bedeutet. In den Schulen wird vermittelt, dass Frauen sich zu ihrer eigenen Sicherheit bedecken müssten, um sich vor sexueller Belästigung durch lüsterne Männer zu schützen. Das halte ich schon für sehr vorsintflutliche Vorstellungen.

Und dann kommen Leute aus diesen Ländern hierher mit dem Klischee: Die Europäerin ist leicht zu haben?
In meinem Buch schildere ich Einflüsse, denen Jugendliche in den Schulen ausgesetzt sind. Man kann aber nicht sagen: Das sind die Einflüsse, und hinten kommt dieser Mensch raus. Man kann gegen Einflüsse in innere Opposition gehen. Das kennen wir zum Beispiel aus der DDR.

Das ist aber die relevante Frage: Was macht es mit jungen Menschen, die in den Schulen so geprägt werden, wie Sie es schildern?
Ich kenne Menschen in Syrien, im Libanon, in Ägypten, die anders leben. Es kommt immer auf den Einzelnen an.

Trotzdem gibt es doch Menschen mit muslimischem Migrations­hintergrund, die Werte vertreten, die für uns problematisch sind: das Frauenbild, der Antisemitismus, der Islam als einzig gültiges Wertesystem . . .
Ich sehe das als Herausforderung. Wie kann man Leute erreichen, die einer Bildung ausgesetzt waren, die auf Emotionen beruht? Denn das tut sie. Sie erfolgt nicht auf sachlicher Ebene wie bei uns. Was emotional vermittelt wird, sitzt so tief, dass es später fast unmöglich ist, ein anderes Weltbild zu vermitteln. Das hat die Forschung gezeigt. Eine Erziehungswissenschaftlerin bringt das in meinem Buch gut auf den Punkt: «Emotion wird in der Regel nicht durch Wissen geschlagen.» Die Herausforderung ist also, wie man es schafft, diese Leute, die hierherkommen und sich in einem Wertekonflikt befinden, zu erreichen.


«Wenn in ­Schulbüchern ­jungen Frauen ­aufgezeigt würde, welche
Perspektiven und Rechte sie haben, wäre das eine Unterstützung wert.»

Und?
Ich bin kein Experte, aber man könnte zum Beispiel beim Sexualkundeunterricht ansetzen, der bei uns sehr versachlicht ist. Die Schüler lernen die physischen Merkmale von Männern und Frauen. Sie lernen, dass es verschiedene sexuelle Orientierungen gibt. Es geht um Geschlechtskrankheiten, um Missbrauch. Nur um eines geht es nicht: um Religion.

Das halten Sie für falsch?
In vielen Klassen gibt es einen immer grösseren Anteil an Schülern mit muslimischem Glaubenshintergrund, die den Sexualkundeunterricht per se ablehnen. Sie sagen, das sei «haram», verboten. Man kann versuchen, Sexualität so biologisch trocken zu thematisieren, wie man will – diese Schüler machen von Anfang an dicht. Wenn man die Religion einbezieht, kann man sie vielleicht erreichen.

Wie denn das?
Man kann zum Beispiel aufgreifen, was im Koran zum Frauenbild und zur Sexualität gesagt wird. Und dann versuchen, zu differenzieren: Das ist der Glaube, und so sieht es in der Welt aus – wie steht das zueinander? Das kann man kritisch diskutieren.

Wie steht es denn mit den in unseren Schulen eingesetzten Lehrmitteln? Sind die Ihrer Meinung nach völlig ideologiefrei und wertneutral?
Wir achten mittlerweile sehr darauf, dass da nicht jede Frau als Putzfrau oder Hausfrau dargestellt wird, sondern auch mal als Lokomotivführerin, zum Beispiel. Es gibt ein grosses Bewusstsein, und das wird auf hohem Niveau diskutiert. Das lässt sich nicht vergleichen mit den muslimischen Ländern, die ich angeschaut habe. Da fehlt beides: Weder ist das Niveau in den Schulbüchern hoch, sondern wirklich vorsintflutlich, noch ist das Bewusstsein da, dass man das vielleicht weiterentwickeln sollte.

Sie schreiben, die Steuerzahler im Westen würden über die Entwicklungshilfe diese muslimischen Missionierungsbücher mit ihren frauenfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Ausfällen mitfinanzieren. Wie kommen Sie darauf?
Das ist das Ergebnis einer Recherche-Odyssee bei internationalen Organisationen. Ich habe versucht, das in Afghanistan nachzuverfolgen. Ich habe herausgefunden, dass Deutschland Millionen Euro in einen internationalen Fonds eingezahlt hat, der Geld zahlt an das afghanische Finanzministerium, das wiederum das Bildungsministerium mit finanziellen Mitteln ausstattet, um Unterrichtsmaterialien herauszugeben. Darunter ist auch das von mir kritisierte Religionsbuch.

Sie fordern, dass unsere Behörden stärker Einfluss nehmen. Wie soll das geschehen?
So, wie es jetzt läuft, werden da erst einmal Blankozahlungen als Vorschussvertrauen geleistet, ohne dass man kontrolliert, was man da eigentlich finanziert. Das halte ich für wenig vertrauenerweckend. Man muss wirksamere Kontrollmechanismen einführen. Es geht mir nicht darum, dass wir den Leuten nicht helfen sollen. Wenn in Schulbüchern jungen Frauen aufgezeigt würde, welche Perspektiven und Rechte sie haben, wäre das eine Unterstützung wert. Ich sage immer: Man muss sich ja nicht in Afghanistan engagieren, aber wenn man es tut, muss man darauf achten, dass bestimmte Regeln, für die man einsteht, auch eingehalten werden.

Müsste man die Zusammenarbeit mit muslimischen Staaten an klare Reformen in den Bildungssystemen dieser Länder knüpfen?
Man hilft den jungen Menschen nicht, wenn man sie so beschult, wie das heute der Fall ist.

Kritischen Bemerkungen zum Koran oder muslimischen Lehren kann man entgegenhalten, dass man in so mancher katholischen Kirche auch nicht auf die Moderne stösst.
Als Jugendlicher besuchte ich neun Jahre lang eine katholische Schule, an der Nonnen unterrichteten. Ich kenne christliches Leben, christliche Erziehung und Wertevermittlung aus meiner Schulzeit sehr gut. Ich war für deutsche Verhältnisse in einem sehr konservativen schulischen Umfeld. Wir mussten morgens beten und hatten jede Woche fünf Stunden Religionsunterricht. Ich fand ihn nicht gut. Aber eines war er nicht: indoktrinierend.

Für Ihr Vorgängerbuch «Inside Islam» wurden Sie heftig kritisiert. Man warf Ihnen vor, eine antimuslimische Agenda zu haben.
Die habe ich nicht. Ich bin Journalist und setze mich kritisch mit vielfältigen Themen auseinander. Genauso wie man kritisch über Katholizismus, Kirche, Politik und sonstige gesellschaftliche Entwicklungen berichten kann, tue ich das eben manchmal auch in einem muslimischen Kontext.

Offenbar sind Sie resistent gegen die Anfeindungen und legen mit Ihrem neuen Buch nach.
Ich kann das locker wegstecken und sehe das als Teil meiner Arbeit.



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Erstellt: 12.05.2019, 13:37 Uhr

Wo Intoleranz auf dem Stundenplan steht

Auszüge von Schulbüchern aus islamischen Ländern.

Quelle: Constantin Schreiber, «Die Kinder des Koran. Was muslimische Kinder lernen», Verlag Econ

Schulbuch aus Iran, Fach Ethik, 9. Klasse

Das Zeichen der Wertschätzung

Bemerkenswert ist, dass, obwohl alle Menschen verpflichtet sind, ihre Körper zu bedecken, die Art der Bedeckung des Körpers bei Männern und Frauen unterschiedlich geregelt ist. Der Grund dafür ist die unterschiedliche Art ihrer Schöpfung.

Je zierlicher ein Ding und je grösser seine Anziehungskraft ist, umso genauer achtet man auf seine Aufbewahrung und seinen Schutz. Deshalb legen weise Menschen ihre wertvollen Gegenstände, wie kostbaren Schmuck und Juwelen, nicht in die Reichweite der Fremden und vor die Augen der Diebe. Sie bewahren solche Wertsachen in der Regel an behüteten Orten und fern von Räubern auf.

Eine angemessene Kleidung der Frau (Hidschab) schützt ihre Schönheit vor den Blicken der lüsternen Männer und ihrer Gier. So können die Frauen in Sicherheit ihre privaten und gesellschaftlichen Aufgaben erledigen. Dadurch bleibt die Umgebung auch für positive und konstruktive Aktivitäten der Männer gesund.

Die Nichtbeachtung der Weisungen und Regeln für Hidschab bringt die Menschen mit unzureichendem Hidschab in Gefahr. Ausserdem werden ihre Familien und sogar die gesamte Gesellschaft mit Problemen konfrontiert. Die Unsicherheit und Belästigung durch lüsterne Männer ist eines dieser Risiken.

Eine andere Folge dieses Verhaltens ist die Abwertung der Frau in der Gesellschaft. Die unangemessene Bekleidung führt dazu, dass lüsterne Männer die Frau nur als Sexobjekt betrachten und ihren wahren Charakter und ihre Stellung in der Gesellschaft ausser Acht lassen. Eine Dame mit Hidschab und mit anständigem Verhalten gibt den anderen zu verstehen, dass sie nicht bereit ist, sich gierigen Blicken zur Schau zu stellen. Sie kennt ihre Werte und achtet auf ihren eigenen Wert.

Eine weitere Folge der Nichtbeachtung des Hidschabs und sogar die wichtigste, ist die Ferne von Gott.

Klassenaufgabe: Sie sollen mit der Hilfe der anderen Gruppenmitglieder feststellen, wie sich passende und/oder unpassende Bekleidung auf den Einzelnen und die Gesellschaft auswirkt.

Mehr wissen: Suche nach einer Lösung. Die wachsende Anzahl der Scheidungen verbreitete ein Gefühl von Unsicherheit und Niedergeschlagenheit unter den Frauen und vermehrte die Gewalttaten gegen sie. Diese Tatsachen haben die Politiker und Denker veranlasst, ernsthafte Lösungen für dieses Problem zu suchen. Eine der wirkungsvollen bisherigen Lösungen ist die Verhinderung unnötiger Versammlungen von Männern und Frauen an einem Ort. (...)

Das amerikanische Bildungsministerium hat endlich nach 31 Jahren, im Jahr 2006, die Genehmigung für die Einrichtung von separaten Schulen für Schüler und Schülerinnen erteilt. Der Fernsehsender Sky News berichtete: Studien zu den amerikanischen Schulen zeigten, dass die Leistungen der Schüler in getrennten Schulen im Vergleich zu den gemischten Schulen besser waren. Der amerikanische Bildungsminister hat in diesem Bericht betont, dass diese Entscheidung die grösste Veränderung im amerikanischen Bildungssystem in den letzten 31 Jahren war.

Eine weitere wichtige Veränderung, die in den letzten Jahren in westlichen Ländern zu beobachten ist, ist die Verbreitung angemessener und bedeckender Bekleidung unter Frauen.

Quelle: Constantin Schreiber, «Die Kinder des Koran. Was muslimische Kinder lernen», Verlag Econ

Schulbuch aus Afghanistan, Fach Religion, 10. Klasse

Auslegung des Heiligen Koran

Der Mensch ist nicht umsonst erschaffen

Sure Al-Mo’minun, Verse 115–118:

«Glaubt ihr wohl, dass wir euch nur zum Scherz erschaffen hätten? Und dass ihr nicht zu uns zurückgebracht werdet? Ja, Gott ist hoch erhaben, der wahrhaftige König. Es gibt keinen Gott ausser ihm, dem Herrn des edlen Thrones. Wer ausser Gott noch eine andere Gottheit anruft, für die er keinen Beweis beibringen kann, für den gibt es die Abrechnung bei seinem Herrn. Siehe, den Ungläubigen wird es nicht wohlergehen. Sprich: ›Mein Herr, vergib, und erbarme Dich! Du bist der beste Erbarmer!»

Auslegung: Allah der Allmächtige sagt zu den Ungläubigen: Denkt ihr, dass wir euch falsch und sinnlos erschaffen haben? Nein, das ist nicht der Fall. Wir haben euch jedoch erschaffen, um Gottes Gebote zu verfeinern, zu lehren und zu befolgen. Und habt ihr vermutet, dass ihr nach dem Tod nicht wieder zur Rechenschaft und zur Strafe herangezogen werdet? Gott der Allmächtige ist rein und herrlich, der in Weisheit etwas erschafft. Er ist der einzige Gott und es gibt keinen anderen Gott ausser Ihm. (...)

Es ist eine grosse Anmassung, wenn manche neben Allah ein anderes Pendant anbeten, andere Elemente mit Gott zusammen anbeten, obwohl sie keinen Grund dafür haben. Wahrlich wird Gott sie schwer bestrafen. Solche Menschen werden nie Erfolg haben, sondern sie werden in die Hölle gehen, wo sie Leid und Qual erleiden werden.

Aufruf zu Gott – eine Verpflichtung der Scharia

Jeder Muslim, sowohl männlich als auch weiblich, ist verpflichtet, soweit es ihm seine Fähigkeit und sein Wissen erlauben, die Religion des Islams an andere weiterzugeben.

Konsequent in Wort und Tat

Allah der Allmächtige befahl in diesen Versen allen Menschen und Völkern auf der Erde, zu denen er seine Propheten und Gesandten zu ihrer Führung sandte, nicht die Wahrheit zu verschleiern und nicht die Gebote Gottes durch ihre falschen Wünsche zu verändern. Insbesondere die Juden aber, die vom Recht gewusst hatten, änderten aufgrund von Vorurteilen und Rache das Recht, um die Menschen vom rechten Weg abzuhalten, indem sie, die Juden, das Recht verdeckten und es mit Nichtigem vermischten, wohl wissend, dass die Wahrheit diejenige ist, die Mohammed, der Prophet des Islams (Friede sei mit ihm), brachte.

Folge der namentlichen Ablehnung Allahs

Diese heiligen Verse verkünden, dass derjenige, der sich weigert, Allah zu erwähnen und nicht seinen Weg geht, die ersichtlichen Gründe für die Existenz Gottes im Universum und in seinem Buch (dem Heiligen Koran) ignoriert und den falschen Weg geht, dem wird Gott der Allmächtige einen Teufel zu seinem Begleiter machen. Dieser wird stets bei ihm sein und ihn vom rechten Weg weiter abbringen wie ein Feind, der einen Menschen erobert und sich an ihm rächt.

Der Herr warnt uns, dass ein Ungläubiger, wenn Gott ihn am Tag der Auferstehung auferweckt, sich wünscht, dass die Distanz zwischen ihm und seinem bösen Gefährten wie die Entfernung zwischen Osten und Westen sein wird. Und sie sagen zu ihren Begleitern: «Ich wünschte, ich hätte euch nicht gekannt und ihr hättet mich nicht gekannt. Ich wünschte, ich hätte euch nicht gesehen und ihr hättet mich nicht gesehen. Was für ein böser Begleiter!» Aber das Gebot des Herrn für alle ist wie folgt: «Euer Zorn und euer Fluch gegeneinander werden euch nichts bringen, sondern ihr habt es verdient, gequält zu werden. Und diese schmerzhafte Qual werdet ihr miteinander teilen und nichts wird eure Qual lindern.»

Quelle: Constantin Schreiber, «Die Kinder des Koran. Was muslimische Kinder lernen», Verlag Econ

Schulbuch aus der Türkei, Fach Sozialkunde, 6. Klasse

Unsere Regierenden und wir

Heutzutage können die Medien die Menschen auf verschiedene Art und Weise beeinflussen und lenken. Auch wenn ein Teil der Medien ihren Einfluss auf positive Weise nutzt, kann ihn ein anderer Teil mit bösen Absichten nutzen. Sie können etwa versuchen, Menschen mit falschen Nachrichten zu manipulieren. Deshalb müssen wir gegenüber Nachrichten, die über verschiedene Wege in den Medien verbreitet werden und uns in eine falsche Richtung lenken sollen, achtsam sein.

Aufgabe: Wie wird der Entscheidungsprozess beeinflusst, wenn die Medien ihre Aufgaben nicht richtig erfüllen? Diskutiert das.

Ruhmreicher Widerstand

In manchen Epochen griffen Putschisten in die Demokratie ein und übernahmen gewaltsam die Regierung. Einen ähnlichen Eingriffsversuch erlebten wir am 15. Juli 2016.

Angehörige von Terrororganisationen, die die türkische Armee unterwandert und die Demokratie nicht verinnerlicht hatten, missachteten alle demokratischen Gesetze. Sie wollten die verfassungsmässige Ordnung stürzen und eine andere Regierung einsetzen. Unter Missachtung des Volkswillens versuchten sie die Macht mit Gewalt an sich zu reissen. (...)

Sie wollten einen Anschlag auf den Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdo?an verüben.

Mit Überschalljets versuchten sie das Volk einzuschüchtern und ihm Angst zu machen. Aus Flugzeugen und Hubschraubern, die mit den Steuergeldern der Nation gekauft worden waren, schossen und warfen sie Bomben auf das Volk. (...) Allerdings folgte das Volk dem Aufruf des Präsidenten, der laut Verfassung der Oberbefehlshaber ist. Es trat für die Souveränität, die Unabhängigkeit, das Vaterland und die Flagge ein und strömte auf die Strassen.

Sie nahmen nur die rote, glorreiche türkische Flagge in die Hand und leisteten gegen die Kanonen, die Gewehre, die Panzer und die Flugzeuge der Putschisten Widerstand. Mit stolzgeschwellter Brust kämpften sie gegen die Bomben und Kugeln. (...)

Am Morgen dieser Nacht, in der die Finsternis durch das Rot des Bluts übermalt wurde, vollendete die Nation in der Dämmerung ihren glorreichen Widerstand erfolgreich, der mit goldenen Buchstaben in die Geschichtsbücher geschrieben wurde. Mit seinen Frauen, Männern, Jugendlichen und Alten hat unser Land, das dem Ideal des einen Vaterlandes, der einen Nation, der einen Flagge und des einen Staates verbunden ist, mit seiner Kampfesentschlossenheit, die es in den schwierigsten Zeiten seiner Geschichte immer wieder an den Tag gelegt hat, die Welt aufs Neue verblüfft.

Quelle: Constantin Schreiber, «Die Kinder des Koran. Was muslimische Kinder lernen», Verlag Econ

Schulbuch aus Palästina für das Fach «Arabische Sprachen»

Erzählung «Das Massaker von Tantura»

Der vorliegende Artikel wirft Licht auf eines der Massaker, die von zionistischen Banden im Jahr der Nakba und den darauffolgenden Jahren begangen wurden. Über achtzig Massaker wurden begangen, darunter und als eines der brutalsten das von Al-Tantura im Kreis Haifa, dessen Einzelheiten erst vor Kurzem aufgedeckt wurden. Hunderte Bewohner dieses Dorfes wurden getötet, die Überlebenden vertrieben. Daraufhin wurde das Dorf komplett zerstört, kein Stein wurde auf dem anderen gelassen. (...)

Die Forscher, die sich mit diesem Massaker beschäftigten, sind sich einig, dass es eines der brutalsten und blutigsten Massaker ist, die in Palästina verübt wurden. Der Grund dafür liegt nicht an der Opferzahl, die etwa 230 Märtyrer umfasst, sondern an der Tatsache, dass es vorsätzlich und mit detailgenauer Planung von einer regulären Armeeeinheit während des zweiten Waffenstillstandes verübt wurde, gerade eine Woche nach der Unabhängigkeitserklärung des zionistischen Staates. Dies ist ein schlagender Beweis dafür, dass dieses Massaker sowie alle vorangegangenen und nachfolgenden Massaker, die Tausende unschuldige Opfer forderten, nichts als ein Akt des Genozids und der Vertreibung durch die zionistische Entität waren, um ihr Ziel der ethnischen Säuberung zu erreichen, [also um] die ursprünglichen Bewohner zu terrorisieren und sie dazu zu zwingen, ihre Dörfer und Häuser zu verlassen. (...)

Während die Besatzung mittels ihrer rassistischen Gesetze weiterhin die Rückkehr der ursprünglichen Bewohner von Tantura und der übrigen 532 zerstörten Dörfer auf ihr Land und in ihre Häuser verhindert, so wird die Politik der Vernichtung und der Zerstörung doch nicht die erhofften Ergebnisse bringen! Diese Politik, mit der die zionistische Entität eine Tragödie über das Leben von Abertausenden Menschen unseres Volkes gebracht hat, wird ihr keine Sicherheit bringen. Das gerechte Anliegen dieser Menschen bleibt ein glühendes Feuer, ihre Träume von der Rückkehr und der Freiheit werden weiter pulsieren und von einer Generation zur nächsten weitergegeben, bis der Traum Wirklichkeit wird. Tantura und alle weiteren Dörfer werden Lied, Gedicht, Gemälde und Erzählung bleiben und den Besatzer weiterhin Tag und Nacht verfolgen, bis seine Unterdrückung ein Ende findet, so wie die Unterdrückung aller Besatzer und Invasoren ein Ende gefunden hat.

Quelle: Constantin Schreiber, «Die Kinder des Koran. Was muslimische Kinder lernen», Verlag Econ

Arabien-Kenner

Constantin Schreiber, 39, moderiert die «Tagesschau», das
ARD-«Nachtmagazin» sowie das NDR-Medienmagazin «zapp» und berichtet vertretungsweise als ARD-Korrespondent aus Kairo. Er spricht fliessend Arabisch. Für die deutsch-arabische Talkshow «Marhaba – Ankommen in Deutschland» wurde er 2016 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, einer der renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehsendungen in Deutschland. Schreiber arbeitete nach Abschluss seines Jurastudiums mehrere Jahre als Reporter in Beirut und Dubai. Er lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Berlin.

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