Iqbal Khan soll Anzeige fallen lassen

Nach der Beschattungsaffäre um den Top-Banker soll Ruhe einkehren: Die UBS-Führungsriege befürchtet, dass sonst immer neue Details bekannt werden.

Er soll seine Anzeige gegen die Privatdetektive der Credit Suisse zurückziehen: Banker Iqbal Khan (Archivbild). Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

Er soll seine Anzeige gegen die Privatdetektive der Credit Suisse zurückziehen: Banker Iqbal Khan (Archivbild). Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

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Wie die SonntagsZeitung aus UBS-Verwaltungsrats-Kreisen erfahren hat, würde man es begrüssen, wenn Iqbal Khan seine Strafanzeige zurückzieht. Sie richtet sich gegen drei Privatdetektive, die ihn während seiner letzten Wochen bei der ehemaligen Arbeit­geberin Credit Suisse beschattet hatten. Das Verfahren birgt aus Sicht des obersten Gremiums der UBS grosse Gefahren – nicht nur für Khan, den neuen Co-Leiter der Vermögensverwaltungssparte, sondern auch für die Bank.

Der Verwaltungsrat befürchtet, dass in Zusammenhang mit der Beschattungsaffäre immer neue Details bekannt werden, die auch Khan belasten könnten. Peinlich wäre für Khan auch, wenn die Staatsanwaltschaft das Verfahren nach Monaten ergebnislos einstellen würde.

In der Regel verzichten hohe Manager in ähnlichen Fällen auf eine Anzeige. Denn sie müssen ­davon ausgehen, dass die früher oder später öffentlich bekannt wird. Bei Khan vergingen genau zwei Tage, bis die Affäre publik wurde. Seither ist er mit Anwalt und PR-Berater sehr aktiv in der Sache engagiert.

Weitere Ermittlungen sind auch ohne Anzeige möglich

Trotzdem denkt der Banker nicht daran, die Vergangenheit ruhen zu lassen, wie aus seinem Umfeld zu hören ist. Bei der UBS tönt das ­anders. Die Bank schreibt in einem Statement: «Zum laufenden Strafverfahren äussern wir uns nicht, der UBS-Verwaltungsrat hat zu diesem Thema keine offizielle Position. Wir sind sehr froh, Iqbal Khan in unserem Team zu haben. Er konzentriert sich voll auf seine Aufgabe bei der UBS und ist im regen Austausch mit Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden.» Bei all dem Zuspruch – Fakt ist allerdings auch: Bis jetzt ist Khan noch nicht zu Kunden ins Ausland gereist und hielt noch keine grosse Mitarbeiterveranstaltung ab.

Aus juristischer Sicht kann Khan den Strafantrag zurück­ziehen und sein Desinteresse an weiteren Ermittlungen erklären. Das würde aber nicht zwingend bedeuten, dass das Strafverfahren gegen die Beschuldigten eingestellt wird. Betroffen sind drei Mitar­beiter der Privatdetektei Investigo und mehrere CS-Leute.

Es geht dabei auch um Offizialdelikte – so zum Beispiel um den Verdacht der Nötigung oder der ­illegalen Aufnahme von Gesprächen. Solche Delikte kann die zuständige Staatsanwältin auch dann verfolgen, wenn Khan die Anzeige zurücknimmt. Sie hat aber auch die Möglichkeit, das Verfahren abzuschreiben, weil sie ohne Geschädigten kein Interesse an weiteren Ermittlungen hat.



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Erstellt: 26.10.2019, 19:06 Uhr

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